Donnerstag, 20. September 2018

Dem Salz folgend - das Westend

Es geht weiter mit der Vorstellungsrunde unserer Vortriebe im Salzbergwerk von Hallstatt. Heute: Vortrieb 4 - das "Westend".

Übersicht über das Westend - Blick Richtung Süden.
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Auch das Westend - der Nummer nach Vortrieb 4 - beschäftigt uns nun schon seit einigen Jahren. Es war im Jahr 2004, die Forschungsfrage der im Christian-von-Tusch Werk nachgegangen wurde war die, nach der Ausdehnung der bronzezeitlichen Abbaukammer, die es einst gewesen war.

Der Nordvortrieb war bereits angelegt um die Querausdehnung festzustellen und anhand der Richtung des Salzzuges (dem sogenannten "Streichen") war klar, dass die Längsausdehnung im rechten Winkel zu diesem Vortrieb festzustellen sein würde.

Dafür wurden weitere Stollen, einer nach Westen, einer nach Osten angelegt, aber lange kein Ende des abgelagerten Heidengebirges oder des eingedrungenen Tagmaterials erreicht. Einzig der Sohle, dem Boden aus festem Salz, konnte nachgegangen werden. Doch eine feste Ulm (die Seitenwände) und First (die Decke) waren weiterhin nicht auszumachen.

Um nicht auf Verdacht weiter zu arbeiten, wurde dann ein weiterer, nach Westen hin abzweigender Vortrieb angelegt - das Westend. Dieser folgte einer Ulm, einer festen Wand aus Salz.

Die prähistorischen Abbauspuren an der Ulm.
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Bereits nach wenigen Metern konnten zwei interessante Beobachtungen gemacht werden. Einerseits tauchten bald die ersten Grubenhölzer im Tagmaterial auf, von denen wir heute wissen, dass sie zu dem großen Holzhaufen der
verbrochenen Schachteinbauten gehören. Diesen wurde nach Westen und nach oben hin nachgegangen. Andererseits beschrieb die feste Ulm einen Bogen nach Süden dem man folgte. So bildete sich über die Jahre an Ausgrabungen hinweg eine beachtliche Kammer.  An der First angekommen, konnte man sich daran entlangarbeiten, wo schließlich auch der Anfang des Schachtes ausgemacht werden konnte.

In den letzten Jahren konzentrierten die Arbeiten im Westend sich vor allem auf die Untersuchung des Holzhaufens und seiner Ausdehnung. Auch fanden sich vor wenigen Jahren original erhaltene, prähistorische Abbauspuren an der Ulm. Diese können uns Aufschluß geben, wie hier vor 3000 Jahren Salz abgebaut wurde.

Durch die bei unseren Ausgrabungen im Salzberg seltenen Situation, dass mit dem Westend eine vergleichsweise große Kammer offen steht, ergeben sich nun neue Möglichkeiten. So wurde im letzten Jahr ein Querprofil durch den Haufen an abgelagertem Heidengebirge angelegt, um die einzelnen Ablagerungsschichten besser erkennen zu können. Nun kann der Rest des Heidengebirges, wie auf jeder "normalen" archäologischen Ausgrabung üblich, nach Schichten getrennt, von oben nach unten abgetragen werden. Wir erhoffen uns davon genauere Informationen über die Arbeitsweise und die Benutzungsphasen während der Bronzezeit.
von Fiona Poppenwimmer

Plan der Ausgrabungen im Christian-von-Tusch Werk. (Bild: J. Klammer - NHM Wien)

Donnerstag, 13. September 2018

Phasenweise spanreich - Der Nordvortrieb

Heute beginnen wir mit der Vorstellung unserer Arbeitsstellen im Salzbergwerk von Hallstatt. Den Anfang macht - wie könnte es anders sein -  Vortrieb Nummer 1, genannt "Nordvortrieb".

Der bestehende Nordvortrieb (Blick Richtung
Süden) vor Beginn der Arbeiten 2016.
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Wie bereits in den vergangenen zwei Jahren wird auch heuer wieder im Nordvortrieb der Fundstelle Christian-von-Tusch-Werk weiter gearbeitet. Der Vortrieb wurde bereits in den 90er Jahren, zu Beginn der Untersuchungen dieser bronzezeitlichen Abbaukammer aufgefahren, um deren Querausdehnung zu erfassen. Er stellt einen Querschnitt durch den prähistorischen Betriebsabfall (Heidengebirge) dar, welchen er auf 25 Metern Länge in der Breite schneidet. Allerdings zeigen die Profile ab der Hälfte der Vortriebslänge zu allen Seiten nur noch Heidengebirge. Die Sohle (der Boden der Abbaukammer) oder der letzte Benutzungshorizont werden nicht erschlossen. Das liegt daran, dass der abgebaute Hohlraum, sowie die darin abgelagerte Halde in diesem Bereich um einiges größer sind als im bereits besser erforschten, südlichen Bereich der Fundstelle.

Die bislang freigelegte Gesamthöhe des bronzezeitlichen Betriebsabfalls im Bereich der aktuellen Arbeiten beträgt immerhin gut fünf Meter.
Um nun mehr Informationen über die Dimension und Nutzung dieses Teilbereiches der Abbaukammer zu erfahren, wird seit 2016 daran gearbeitet den bestehenden Nordvortrieb zu erweitern, um einen kompletten Querschnitt durch diese massive Heidengebirgsablagerung anzulegen.

Der Abbau des Heidengebirges erfolgt, getrennt
nach Schichten, mit dem Presslufthammer.
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Zunächst wird der existierende Forschungsstollen um gut 1,5 m überhöht, also nach oben hin erweitert. Dazu werden die unterschiedlichen Ablagerungsschichten separat abgebaut und die Interfaces (Schichtober- bzw. unterkanten) jeweils dreidimensional dokumentiert. Dies alles passiert, im Vergleich zu einer "normalen" archäologischen Ausgrabung in verkehrter Reihenfolge, also von unten nach oben.

Dabei können nicht nur die letzte Begehungsphase der Abbaukammer vor ihrer Verschüttung um ca. 1000 v. Chr. erfasst, sondern auch die davorliegenden Nutzungsphasen näher charakterisiert werden. Mit viel taubem Gestein durchsetzte Halden von Abbauphasen und Begehungshorizonte mit dicht liegenden abgebrannten Leuchtspänen wechseln einander ab und die Quantifizierung der darin enthaltenen Funde ermöglicht eine Definition von Aktivitätsbereichen innerhalb der Abbaukammer.

Aktuell wird gerade die Unterkante der letzten Benutzungsschicht freigelegt. Dabei handelt es sich um eine Begehungsschicht, die vermutlich in einer Zeit entstand, als der eigentliche Salzabbau bereits in einem tiefer liegenden Abbauraum erfolgte. Die aktuell untersuchte Kammer, die 100 Meter unter Tage liegt, wurde zu diesem Zeitpunkt als Durchgang für den Transport von Salz an die Oberfläche und die Anlieferung von Betriebsmitteln genutzt. Direkt auf dieser letzten Ablagerungsschicht sollte im Bereich des Nordvortriebs ein Teil des verstürzten Schachteinbaues liegen, welcher durch das eindringende Tagmaterial zum Einstürzen gebracht wurde.

Wir sind gespannt und berichten über den weiteren Grabungsfortschritt in einem der nächsten Beiträge in dem wir auch einige spezielle Funde aus dem Nordvortrieb vorstellen werden.
von Daniel Brandner
Durch die Erweiterung des Vortriebes soll ein Querschnitt durch den kompletten
bronzezeitlichen Betriebsabfall erreicht werden. Über dem letzten Begehungshorizont liegen
Konstruktionshölzer des verstürzten Schachteinbaues (Blick Richtung Norden).
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)

Donnerstag, 6. September 2018

BE OPEN - Science and Society Festival

Von 8 bis 12. September 2018 findet am Maria-Theresien-Platz in Wien das Science and Society Festival "BE OPEN" statt. Unter dem Motto "Spitzenforschung zum Entdecken, Mitmachen und Mitreden" lädt der Wissenschaftsfonds (FWF) gemeinsam mit WissenschaftlerInnen und ForscherInnen zum Erkunden der 18 Pop-up-Pavillons ein, in denen die führenden Forschungen und neuesten Ergebnisse aus unterschiedlichsten Disziplinen vorgestellt werden. Von der Dialogarena zum diskutieren, über eine Forschungsralley für Kinder ist für jeden etwas dabei.

Der Fokus liegt dabei auf Grundlagenforschung, wissenschaftlichem Fortschritt und gesellschaftlicher Verantwortung. Auch die Hallstattforschung wird neben KollegInnen aus der Archäologie,  Astronomie, Allergieforschung, Demografie, Krebsforschung, Quantenphysik, Sprachforschung und vielen mehr, vertreten sein.

Die Veranstaltung lädt explizit dazu ein, sich "einzumischen", mitzureden und sich mit Forschung auseinander zu setzen. Denn: "wer forscht schafft Wissen, und Wissen ist Macht!"

Beim "BE OPEN - Science and Society Festival" gibt es viel zu entdecken. (Bild: FWF - Wissenschaftsfonds)

Donnerstag, 30. August 2018

Grabungsstart 2018

Erste Kontrolle der Messergebnisse der geoelektischen
Messungen im Salzbergwerk von Hallstatt.
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)

Wie jedes Jahr war auch heuer die Archäologie am Berg der Startschuss für die diesjährigen Ausgrabungen im Salzbergwerk von Hallstatt. In gewohnter Manier waren wir in der ersten Woche gut beschäftigt mit dem Einrichten der Ausgrabungsstelle, der Planung des Ablaufs und dem Sanieren der Stollen. Letzteres stellte uns voriges Jahr - wie berichtet - vor eine größere Aufgabe, doch die Arbeit des Auszimmerns hat sich gelohnt. Heuer war wesentlich weniger Verbruch aufzuarbeiten und Ulmen (Stollenwände) nachzuschrämen.

So konnten wir früher als erwartet mit den diesjährigen Vorhaben beginnen. Der Fokus liegt, wie die letzten Jahre, auf der weiteren Erforschung der bronzezeitlichen Fundstelle Christian von Tusch Werk. Auch die Prospektionen der Geologischen Bundesanstalt wurden mit verbesserter Methodik und der Unterstützung eines Spezialisten aus Südkorea fortgeführt.

Sanierung der Grabungsstollen im Christian von
Tusch Werk. (Bild: C. Fasching - NHM Wien)
Gegraben wird dieses Jahr an zwei Stellen des Christian von Tusch Werks. Einerseits im Nordvortrieb, dessen First weiter nach Norden hin aufgebrochen wird, um das Querprofil durch die Abbaukammer bis zum letzten Begehungshorizont zu erweitern und die Abbauphasen der Bronzezeit genauer zu erforschen. Die klaren Grenzen der Ablagerungen machen diesen Vortrieb zum perfekten Ort dafür.

Andererseits im sogenannten "Westend", wo erstmalig im Berg eine größere Fläche an abgelagertem Betriebsabfall nach "klassisch archäologischer" Vorgangsweise - also von oben nach unten - untersucht werden kann. Zusätzlich interessant macht diese Stelle, dass die letzten Jahre prähistorische Abbauspuren direkt an der dortigen Wand der Abbaukammer gefunden wurden.

Das abgebaute Material wird vollständig auf die Fundwaschanlage geliefert und dort von Lehm befreit und entsalzt. So wollen wir auch kleinste Funde aus dem Heidengebirge filtern und untersuchen. Dadurch erhoffen wir uns, die Schichtabfolge und damit auch hier die Benutzungsphasen des prähistorischen Bergbaus besser zu verstehen. Die neue, verbesserte Version unserer Waschanlage werden wir in Kürze vorstellen. Auch von den Arbeiten werden wir natürlich weiterhin berichten und die Vortriebe genauer vorstellen.

von Fiona Poppenwimmer und Daniel Brandner
Die unterschiedlichen, im Profil erkennbaren Ablagerungsschichten des Heidengebirges werden
nun flächig abgebaut. (Bild: D. Brandner - NHM Wien)

Donnerstag, 23. August 2018

Archäologie am Berg 2018 - Fotostrecke

Wieder ein Jahr vorbei, wieder eine "Archäologie am Berg" vorbei. Über 2000 Besucher kamen auf den Hallstätter Salzberg um die Archäologen, Anthropologen, Archäozoologen, Botaniker, Informatiker, Holzwissenschaftler und Geophysiker vom Naturhistorischen Museum Wien, der Technischen Universität Wien, der Geologischen Bundesanstalt und der Universität für Bodenkultur persönlich nach ihrer Arbeit und ihren neuesten Forschungsergebnissen zu befragen. Ein ausführlicher Bericht findet sich heute im Archäologieblog von derStandard.at.
Auch 2018 erwartete das Team der "Archäologie am Berg" wieder Besucher auf dem Salzberg von Hallstatt.
(Bild: C. Fasching - NHM Wien)


Die Archäologen des Naturhistorischen Museum Wien erzählten über die im prähistorischen Bergwerk von Hallstatt verwendeten Werkzeuge... (Bild: C. Fasching - NHM Wien)

...und das weitläufige Netz von Laugwerken und urgeschichtlichen Fundstellen im Salzberg von Hallstatt.
(Bild: C. Fasching - NHM Wien)
Die neue Waschanlage, mit der die Funde aus dem Hallstätter Bergwerk gereinigt und entsalzt werden, zog alle Blicke auf sich. (Bild: C. Fasching - NHM Wien)
Beim Knochenpuzzle der Anthropologischen Abteilung konnte jeder etwas über den menschlichen Körper erfahren... (Bild: C. Fasching - NHM Wien)
... genauso wie über die im Gräberfeld von Hallstatt gefundenen Knochen und die neuesten Erkenntnisse, die aus ihnen gezogen werden können. (Bild: C. Fasching - NHM Wien)
Auch die Archäozoologinnen zeigten ihr Fundmaterial und erzählten von der prähistorischen Tiernutzung in Hallstatt. (Bild: C. Fasching - NHM Wien)
Auch die kleinen Besucher verschafften sich einen Überblick über das Bergwerk...
(Bild: C. Fasching - NHM Wien)
... erprobten geoelektrische Messmethoden der Geologischen Bundesanstalt... (Bild: C. Fasching - NHM Wien)
...erkundeten die Anatomie des Menschen... (Bild: D. Brandner - NHM Wien)
...ließen sich archäologische Methoden erklären... (Bild: D. Brandner - NHM Wien)
... und übten das Freilegen prähistorischer Skelette und Grabbeigaben auch gleich selbst.
(Bild: C. Fasching - NHM Wien)
Auch die KollegInnen von den Salzwelten Hallstatt ließen es sich nicht nehmen, das gebotene Programm selbst auszuprobieren. (Bild: C. Fasching - NHM Wien)
Die Botaniker des Naturhistorischen Museums Wien erklärten die Flora rund um Hallstatt.
(Bild: C. Fasching - NHM Wien)
Die Digitalisierung alten Kartenmaterials, deren Auswertung und die Prospektionen im Gelände ließen manch informationsreiche Diskussion entstehen. (Bild: C. Fasching - NHM Wien)
Auch einige Kollegen vom Deutschen Bergbaumuseum Bochum kamen auf Besuch, bevor sie die Ausgrabungen im Dürrnberg/ Hallein wieder aufnehmen. (Bild: C. Fasching - NHM Wien)
Geduldiges Zusammensetzen von Keramikscherben zeigte eine Restauratorin des Naturhistorischen Museums Wien. (Bild: C. Fasching - NHM Wien)
Am Gräberfeld von Hallstatt konnte die Ausgrabung besucht und den ArchäologInnen vom Naturhistorischen Museum Wien über die Schulter geschaut werden. (Bild: C. Fasching - NHM Wien)
Viele technische Neuheiten in Hallstatt konnten bestaunt werden - ein 3D Modell des 
Stollennetzes und der prähistorischen Fundstellen,... (Bild: C. Fasching - NHM Wien)
... eine WebApplication, die im Rahmen des EU-Projektes VirtualArch auf der Technischen Universität Wien entwickelt wird,... (Bild: C. Fasching - NHM Wien)
... und die geplante Visualisierung des prähistorischen Hallstatt mittels Virtual Reality der Firma Scenomedia... (Bild: C. Fasching - NHM Wien)
... das mittels VR Brille erlebt und selbst erkundet werden kann. (Bild: C. Fasching - NHM Wien)
Ein besonderes Highlight war das mobile Planetarium des Instituts für Astrophysik, in dem der Fulldome-Film "Das weiße Gold von Hallstatt" erstmals gezeigt wurde. (Bild: C. Fasching - NHM Wien)
Die Veranstaltung blieb nicht unbeachtet. Hans Reschreiter im Interview mit dem Ausseer Regionalfernsehen. (Bild: C. Fasching - NHM Wien)

Ohne die interdisziplinäre Zusammenarbeit und das hochmotivierte Team wäre es nicht möglich, die Archäologie am Berg jedes Jahr zu veranstalten und weiterzuentwickeln. Vielen Dank an alle Mitwirkenden und natürlich an alle Besucher! (Bild: C. Fasching - NHM Wien)


Donnerstag, 16. August 2018

Putzen, trocknen, trinken - Schweinsblasen als prähistorische Wasserbehälter

Schweineblasen in jedem Stadium: frisch, gereinigt,
aufgeblasen und getrocknet. (Bild:
Michael Schwarz)
Anfang des Semesters wurden an der Universität Wien im Zuge der Lehrveranstaltung „Experimentelle Archäologie in der Praxis“ bestehende Experimente und zukünftige Experimentmöglichkeiten vorgestellt. Darunter befand sich auch ein kurzer Vortrag des Wissenschaftlichen Mitarbeiters des Naturhistorischen Museums Mag. Hans Reschreiter. Unter anderem berichtete er auch von Funden fragmentierter Schweinsblasen im Bergwerk Hallstatt.

Wir, die drei Studenten der Urgeschichte Sebastian Kampel, Felix Lettner und Michael Schwarz, teilten das Interesse an dem ungewöhnlichen Werkstoff und nach Rücksprache mit Hans Reschreiter wurden wir von ihm in das Naturhistorische Museum eingeladen, wo wir eine nähere Einführung in das Thema bekamen und die Funde begutachten konnten. Außerdem vermittelte er uns eine Quelle, von der wir die Schweinsblasen holen könnten, und übergab uns seine ersten Versuchsblasen.

Das Reinigen der Schweineblasen erfordert Geduld.
(Bild:
Michael Schwarz)
Unsere Forschungsfrage war damit klar: „Die Herstellung und Belastbarkeit eines, aus der Hallstattzeitzeit stammenden, Trinkschlauchs, gefertigt aus einer Schweinsblase.“

Die ersten beiden Blasen, die wir großzügiger Weise mit weiteren dreizehn kostenlos von dem Bauernhof der Familie Schweinzer erhalten hatten, bearbeiteten wir als Vorbereitung zu den richtigen Versuchsreihen bereits einige Tage vor der Lehrveranstaltung.

Diese wurden noch mit Plastikstrohhalmen aufgeblasen, in einem Kellerabteil in Wien aufgehängt und dienten dazu, uns mit dem Material vertraut zu machen. Die übrigen Blasen brachten wir dann in einer Kühlbox zum Urgeschichtemuseum MAMUZ in Asparn an der Zaya, wo wir mit intensiver Unterstützung des Experimentalarchäologen Hans Reschreiter von Donnerstag bis Sonntag mehrere Versuchsreihen durchführten.

Am ersten Tag befreiten wir die Schweinsblasen von Urin und reinigten sie in Wasser, wobei etwaige Gewebereste entfernt wurden. Parallel dazu wurden die ersten Verschlüsse aus Holunderholz und Stöpsel aus Haselnussholz geschnitzt. Bereits Donnerstagabend konnten die ersten Blasen mit Spülmittel ausgewaschen, aufgeblasen und zum Lufttrocknen aufgehängt werden.

Über dem Feuer aufgehängte Schweinsblasen beim
Trocknen. (Bild:
Michael Schwarz)
An den folgenden Tagen führten wir mehrere unterschiedliche Versuchsreihen durch. So wurden die Blasen neben Spülmittel auch mit Essig und Salzwasser gereinigt.

Neben den aufgeblasenen Schweinsblasen füllten wir einige mit Kies, Sand und Salz. Wir nutzten außerdem die Möglichkeiten des Freilichtmuseums und trockneten einige der Blasen über einem Feuer.

Der Sonntag wurde von Nachbearbeitung und Aufräumarbeiten dominiert. Kurz vor 10:00 Uhr ernteten wir sprichwörtlich die Früchte unserer Arbeit. Blasen wurden abgehängt, entleert und für den Praxistest vorbereitet. Zu unserer großen Verwunderung erklärten sich sogar einige neugierige Studienkollegen dazu bereit, mit uns den Trinktest durchzuführen.

Auch wenn sich nicht alle Versuchsreihen dazu eigneten, und ein subtiler Nachgeschmack noch an die Herkunft des Materials erinnert, kann gesagt werden, dass die elastischen und doch robusten Schweinsblasen sich als organische Trinkbehälter für Wasser und andere Flüssigkeiten anbieten würden. Nicht zuletzt ist die herzliche und entspannte Atmosphäre, die während und abseits des Experiments im Urgeschichtemuseum herrschte, anzumerken und allen Verantwortlichen zu danken.

von Sebastian Kampel, Felix Lettner, Michael Schwarz
Die Blogautoren und Hans Reschreiter mit den fertigen Schweinsblasen.

Donnerstag, 9. August 2018

"Mein Sommerradio" zu Gast bei den Salzwelten

"Mein Sommerradio 2018" ist zu Gast
bei den Salzwelten Hallstatt.
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Radio Oberösterreich tourt mit der Sendung "Mein Sommerradio 2018" quer durch das Land und stellt Sehenswürdigkeiten, kulinarische Besonderheiten, historische Ereignisse und interessante Persönlichkeiten vor.

Montag bis Freitag von 12.00 bis 15.00 besucht der Sender Betriebe, Bauwerke, Museen und andere Einrichtungen und stellt dabei auch die Geschichte der Region und ihre Besonderheiten dar.
Der Clou: die HörerInnen können die vorgestellten Attraktionen mit dem in der Sendung genannten Kennwort gratis oder zum halben Preis besuchen.

Am Freitag, 10. August sendet das ORF Radio OÖ Sommerradio zwischen 12:00 und 15:00 direkt von den Salzwelten in Hallstatt aus.

Neben dem Leiter der Ausgrabungen am Gräberfeld von Hallstatt, Anton Kern, der auch über die "Archäologie am Berg" berichten wird, spricht Kurt Thomanek, Geschäftsführer der Salzwelten über die Führungen durch den Salzberg einst und heute. Michelle Knoll von der Ferienregion Dachstein-Salzkammergut wird über Tourismustrends in der Region erzählen, Franz Preimesberger über seine Kindheit im Hallstätter Hochtal.

Abgerundet wird die Sendung durch eine kulinarische Besonderheit: der Pächter des im Hochtal angesiedelten Restaurant Rudolfsturm wird live ein Bergmanns-Ritschert nach dem rekonstruierten Rezept von Fritz Eckart Barth zubereiten.

Für die HörerInnen gibt es ein besonderes Zuckerl: Zwischen 12:00 und 15:00 Uhr gibt es mit Passwort (wird auf Radio OÖ bekannt gegeben) Freifahrten mit der Salzbergbahn und freien Eintritt in die Salzwelten!
Also, morgen einschalten und mehr erfahren!

von Fiona Poppenwimmer

Der Ausblick auf die Welterberegion Hallstatt-Dachstein-Salzkammergut vom
Hallstätter Hochtal aus. (Bild: D. Brandner - NHM Wien)


Donnerstag, 5. Juli 2018

Alle Jahre wieder - Archäologie am Berg 2018

Die Anthropologinnen des Naturhistorischen
Museums zeigen, was die Knochen ihnen
verraten. (Bild: D. Brander - NHM Wien)
Was ist ein Pollenprofil und welche Information
über die Vergangenheit birgt es?
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Der "gläserne Berg" zeigt, wie verzweigt das
Netz an modernen Stollen und prähistorischen
Fundstellen ist. (Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Am 18. und 19. August ist es wieder so weit. Die Hallstattforschung des Naturhistorischen Museums Wien und die Salzwelten laden zur Archäologie am Berg 2018.
Unter dem Motto "Die prähistorischen Bergleute und ihre Welt" werden die aktuellen Forschungsarbeiten und -ergebnisse präsentiert.

Im Jubiläumsjahr der modernen Ausgrabungen am Hallstätter Gräberfeld zeigen AnthropologInnen, ArchäologInnen und RestauatorInnen, was sie seit 25 Jahren aus Knochen und Beigaben über diese Gesellschaft erfahren können, die vor 2.700 Jahren eine der reichsten Europas gewesen sein dürfte.

Bio- und GeowissenschaftlerInnen, LandschaftsarchäologInnen und Archivare erforschen die Entwicklung der Region um Hallstatt, die seit Jahrtausenden von der Salzproduktion geprägt ist.

Bei der Archäologie am Berg erfahren Sie wie Geolelektrik, Kernbohrungen und Prollenprofile funktionieren und was sie uns über unsere Umwelt verraten. Von den ForscherInnen persönlich und mit einem fantastischen Blick über das Salzbergtal und seine Umgebung.
Im "virtuellen Bergwerk" können Sie eine Zeitreise in das Innere des Salzberges und durch den prähistorischen Betrieb erleben.

Spezialisten berichten von der aktuell laufenden Digitalisierung und Visualisierung des urgeschichtlichen Hallstätter Salzbergwerkes. Erfahren Sie, wie wir Archäologen im Salzbergwerk arbeiten, was mit den Funden nach der Bergung passiert und warum es so wichtig ist, kontinuierlich zu sanieren und die Fundstellen zu bewahren.

ForscherInnen unterschiedlichster Fachrichtungen freuen sich also auch dieses Jahr auf Ihr Interesse und stehen Ihnen Rede und Antwort. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos, nur die Fahrt mit der Seilbahn ist zu bezahlen .

von Fiona Poppenwimmer

Donnerstag, 28. Juni 2018

Salzbergwerke in Kooperation

Die Rekonstruktionen mussten
erst geschmiedet werden.
(Bild: K. Kosczinski)
Der Leiter der Bergwerkforschung Hallstatt, Hans Reschreiter, hatte im Mai 2018 zu einem wissenschaftlichen Austausch über prähistorischen Salzbergbau eingeladen.
Neben den ForscherInnen des Naturhistorischen Museums nahmen an dem Treffen im Hallstätter Hochtal die ArchäologInnen Philipp Vollmer (Ruhr-Universität Bochum) und Katja Kosczinski (Deutsches-Bergbaumuseum Bochum) sowie Ralf Eßwein, Student der archäologischen Restaurierung (Römisch-Germanisches Zentralmuseum, Mainz) teil.
So waren ForscherInnen der ältesten Salzbergwerke der Menschheitsgeschichte, Hallstatt, Dürrnberg und Chehrabad versammelt. Die Besonderheit dieser Orte liegt vor allem in der Erhaltung der Funde. Besonders interessierte uns, wie wir uns das prähistorische Gezähe, also das Werkzeug der Bergleute, komplett vorzustellen haben und wie es benutzt wurde. Denn erhalten geblieben ist hauptsächlich das Holz, welches im Salz gut konserviert wurde und eine hervorragende Arbeitsgrundlage bietet.

Auch die Schäftungen wurden
direkt vor Ort angepasst.
(Bild. K. Kosczinski)
Somit konnten wir verschiedenen Varianten des Gezähes der alten Bergleute rekonstruieren. Für diese Rekonstruktionen war es wichtig, sowohl den Schmiede- als auch den Holzbearbeitungsprozess nachzuempfinden, da vor allem der Herstellungsprozess dieser prähistorischen Werkzeuge im Forschungsschwerpunkt unserer Abschlussarbeiten liegt.

Mit dem Know-How des Hallstätter Grabungsteams, der jahrelangen Erfahrung in der experimentellen Archäologie von Hans Reschreiter und seinem Team herrschte eine herzliche und motivierende Arbeitsatmosphäre.

Auch die örtlichen Gegebenheiten, mit den gut ausgestatteten Werkstatträumen und der Schmiede haben uns sehr geholfen unsere Vorstellungen zu realisieren. So konnte auch der mitgereiste Schmied und angehende Restaurator Ralf Eßwein bei seinen Schmiedeversuchen tolle Ergebnisse erzielen.

Der Dürrnberg-Pickel im Test.
(Bild: P. Vollmer)
Zum Ende unseres Aufenthaltes hatten wir unterschiedliche Gezähe sowohl für den Dürrnberg als auch für Chehrabad hergestellt und unter Tage getestet. Bei den Versuchen im Hallstätter Bergwerk haben wir uns und unsere Werkzeuge für immer an einer Abbauwand verewigt und dabei einen einzigartigen direkten Vergleich geschaffen.

Anschließend diskutierten wir über die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Gezähebauweisen und Abbautechniken. So wurden auch bis spät in die Nacht angeregte Gespräche geführt, auf deren Grundlage neue Erkenntnisse gewonnen, Fragen beantwortet, aber auch neue Fragen gestellt werden konnten, welche in naher Zukunft ausführlich aufgearbeitet werden.

Insgesamt ein sehr erfolgreicher Austausch der gerne in die zweite Runde gehen kann…


von Katja Kosczinski und Philipp Vollmer


Die Abbauspuren der unterschiedlichen Gezähe im Vergleich. (Bild: D. Brandner - NHM Wien)

Die HäuerInnen - ForscherInnen aus Hallstatt, Dürrnberg und Chehrabad - nach getaner Arbeit.
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)

Donnerstag, 21. Juni 2018

Sehen, hören, ausprobieren - Der neue Vermittlungs- und Praxisraum

Die Firma Scenomedia und
Mitarbeiter der Salzweltenbeim
Aufbau des neuen Praxisraumes.
(Bild: H. Reschreiter - NHM Wien)
Für BesucherInnen Hallstatts gibt es viele Möglichkeiten, tief in die Materie der Archäologie einzutauchen. Zusätzlich zur Besucherstrecke der Salzwelten können prähistorische Expeditionen gebucht werden, es gibt spezielle Projekttage für Schulklassen, Exkursionen von KollegInnen aus der Wissenschaft und auch Führungen für Presse und Gäste der Salinen Austria AG.
Schon immer war der "Edlersberg Warteraum" die erste Station im Berg, wo die BesucherInnen eine kurze Einführung in den prähistorischen Bergbau bekommen und im Anschluß, mit den hier gelagerten Rekonstruktionen der Hallstätter Arbeitsgeräte, den Ablauf der urgeschichtlichen Salzproduktion ausprobieren konnten.

Vermittelt wird der Stellenwert des ältesten Salzbergwerkes der Welt, welche einzigartigen Einblicke es uns durch die Erhaltung der Funde bietet und wie das Naturhistorische Museum in Kooperation mit der Salinen Austria AG und der Salzwelten GmbH diese seit Jahrzehnten erforscht.



Die Lebensbilder und Displays sind
fertig - die Besucher können
kommen.
(Bild: H. Reschreiter - NHM Wien)
Um diese Vermittlung noch anschaulicher zu gestalten, wurde der "Edlersberg Warteraum" dieses Frühjahr auf Betreiben der Salzwelten GmbH völlig überarbeitet und von der Firma Scenomedia in Zusammenarbeit mit der archäologischen Hallstattforschung neu gestaltet.

Sowohl der bronze- als auch der eisenzeitliche Bergbau werden durch aufkaschierte Lebensbilder illustriert, die von lebensgroßen Figuren unterstützt werden. Diese sind nach dem derzeitigen Forschungsstand zur Kleidung prähistorischer Bergleute gestaltet.

Die Rekonstruktionen der urgeschichtlichen Werkzeuge - Pickel, Tragsack, Bastseil und mehr - laden die BesucherInnen zum Entdecken und Ausprobieren ein. Ein großer Schaukasten mit unterschiedlichesten Materialien zeigt die früher verwendeten Rohstoffe und betonen wiederum die außergewöhnliche Funderhaltung im Salz.


Mithilfe eines großen Monitors und eines Tablets ist nun eine große Variation an Daten - Fotos, Grafiken, Filme - jederzeit auf Knopfdruck verfügbar. Damit kann nicht nur das gebotene Programm auf jede Gruppe individuell abgestimmt, sondern auch auf Fragen der BesucherInnen schnell und ausführlich eingegangen werden.

Der neue Informations- und Praxisraum kann sich also sehen lassen und wird es uns in Zukunft erleichtern noch mehr Leuten einen noch genaueren Einblick in unsere Arbeit und Forschung zu geben.

von Fiona Poppenwimmer
Die ersten SchülerInnen, die im neuen Praxisraum die Besonderheiten von Hallstatt - Arbeitsabläufe, Werkzeug und Kleidung - erleben und ausprobieren können.
(Bild: H. Reschreiter - NHM Wien)