Donnerstag, 16. August 2018

Putzen, trocknen, trinken - Schweinsblasen als prähistorische Wasserbehälter

Schweineblasen in jedem Stadium: frisch, gereinigt,
aufgeblasen und getrocknet. (Bild:
Michael Schwarz)
Anfang des Semesters wurden an der Universität Wien im Zuge der Lehrveranstaltung „Experimentelle Archäologie in der Praxis“ bestehende Experimente und zukünftige Experimentmöglichkeiten vorgestellt. Darunter befand sich auch ein kurzer Vortrag des Wissenschaftlichen Mitarbeiters des Naturhistorischen Museums Mag. Hans Reschreiter. Unter anderem berichtete er auch von Funden fragmentierter Schweinsblasen im Bergwerk Hallstatt.

Wir, die drei Studenten der Urgeschichte Sebastian Kampel, Felix Lettner und Michael Schwarz, teilten das Interesse an dem ungewöhnlichen Werkstoff und nach Rücksprache mit Hans Reschreiter wurden wir von ihm in das Naturhistorische Museum eingeladen, wo wir eine nähere Einführung in das Thema bekamen und die Funde begutachten konnten. Außerdem vermittelte er uns eine Quelle, von der wir die Schweinsblasen holen könnten, und übergab uns seine ersten Versuchsblasen.

Das Reinigen der Schweineblasen erfordert Geduld.
(Bild:
Michael Schwarz)
Unsere Forschungsfrage war damit klar: „Die Herstellung und Belastbarkeit eines, aus der Hallstattzeitzeit stammenden, Trinkschlauchs, gefertigt aus einer Schweinsblase.“

Die ersten beiden Blasen, die wir großzügiger Weise mit weiteren dreizehn kostenlos von dem Bauernhof der Familie Schweinzer erhalten hatten, bearbeiteten wir als Vorbereitung zu den richtigen Versuchsreihen bereits einige Tage vor der Lehrveranstaltung.

Diese wurden noch mit Plastikstrohhalmen aufgeblasen, in einem Kellerabteil in Wien aufgehängt und dienten dazu, uns mit dem Material vertraut zu machen. Die übrigen Blasen brachten wir dann in einer Kühlbox zum Urgeschichtemuseum MAMUZ in Asparn an der Zaya, wo wir mit intensiver Unterstützung des Experimentalarchäologen Hans Reschreiter von Donnerstag bis Sonntag mehrere Versuchsreihen durchführten.

Am ersten Tag befreiten wir die Schweinsblasen von Urin und reinigten sie in Wasser, wobei etwaige Gewebereste entfernt wurden. Parallel dazu wurden die ersten Verschlüsse aus Holunderholz und Stöpsel aus Haselnussholz geschnitzt. Bereits Donnerstagabend konnten die ersten Blasen mit Spülmittel ausgewaschen, aufgeblasen und zum Lufttrocknen aufgehängt werden.

Über dem Feuer aufgehängte Schweinsblasen beim
Trocknen. (Bild:
Michael Schwarz)
An den folgenden Tagen führten wir mehrere unterschiedliche Versuchsreihen durch. So wurden die Blasen neben Spülmittel auch mit Essig und Salzwasser gereinigt.

Neben den aufgeblasenen Schweinsblasen füllten wir einige mit Kies, Sand und Salz. Wir nutzten außerdem die Möglichkeiten des Freilichtmuseums und trockneten einige der Blasen über einem Feuer.

Der Sonntag wurde von Nachbearbeitung und Aufräumarbeiten dominiert. Kurz vor 10:00 Uhr ernteten wir sprichwörtlich die Früchte unserer Arbeit. Blasen wurden abgehängt, entleert und für den Praxistest vorbereitet. Zu unserer großen Verwunderung erklärten sich sogar einige neugierige Studienkollegen dazu bereit, mit uns den Trinktest durchzuführen.

Auch wenn sich nicht alle Versuchsreihen dazu eigneten, und ein subtiler Nachgeschmack noch an die Herkunft des Materials erinnert, kann gesagt werden, dass die elastischen und doch robusten Schweinsblasen sich als organische Trinkbehälter für Wasser und andere Flüssigkeiten anbieten würden. Nicht zuletzt ist die herzliche und entspannte Atmosphäre, die während und abseits des Experiments im Urgeschichtemuseum herrschte, anzumerken und allen Verantwortlichen zu danken.

von Sebastian Kampel, Felix Lettner, Michael Schwarz
Die Blogautoren und Hans Reschreiter mit den fertigen Schweinsblasen.

Donnerstag, 9. August 2018

"Mein Sommerradio" zu Gast bei den Salzwelten

"Mein Sommerradio 2018" ist zu Gast
bei den Salzwelten Hallstatt.
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Radio Oberösterreich tourt mit der Sendung "Mein Sommerradio 2018" quer durch das Land und stellt Sehenswürdigkeiten, kulinarische Besonderheiten, historische Ereignisse und interessante Persönlichkeiten vor.

Montag bis Freitag von 12.00 bis 15.00 besucht der Sender Betriebe, Bauwerke, Museen und andere Einrichtungen und stellt dabei auch die Geschichte der Region und ihre Besonderheiten dar.
Der Clou: die HörerInnen können die vorgestellten Attraktionen mit dem in der Sendung genannten Kennwort gratis oder zum halben Preis besuchen.

Am Freitag, 10. August sendet das ORF Radio OÖ Sommerradio zwischen 12:00 und 15:00 direkt von den Salzwelten in Hallstatt aus.

Neben dem Leiter der Ausgrabungen am Gräberfeld von Hallstatt, Anton Kern, der auch über die "Archäologie am Berg" berichten wird, spricht Kurt Thomanek, Geschäftsführer der Salzwelten über die Führungen durch den Salzberg einst und heute. Michelle Knoll von der Ferienregion Dachstein-Salzkammergut wird über Tourismustrends in der Region erzählen, Franz Preimesberger über seine Kindheit im Hallstätter Hochtal.

Abgerundet wird die Sendung durch eine kulinarische Besonderheit: der Pächter des im Hochtal angesiedelten Restaurant Rudolfsturm wird live ein Bergmanns-Ritschert nach dem rekonstruierten Rezept von Fritz Eckart Barth zubereiten.

Für die HörerInnen gibt es ein besonderes Zuckerl: Zwischen 12:00 und 15:00 Uhr gibt es mit Passwort (wird auf Radio OÖ bekannt gegeben) Freifahrten mit der Salzbergbahn und freien Eintritt in die Salzwelten!
Also, morgen einschalten und mehr erfahren!

von Fiona Poppenwimmer

Der Ausblick auf die Welterberegion Hallstatt-Dachstein-Salzkammergut vom
Hallstätter Hochtal aus. (Bild: D. Brandner - NHM Wien)


Donnerstag, 5. Juli 2018

Alle Jahre wieder - Archäologie am Berg 2018

Die Anthropologinnen des Naturhistorischen
Museums zeigen, was die Knochen ihnen
verraten. (Bild: D. Brander - NHM Wien)
Was ist ein Pollenprofil und welche Information
über die Vergangenheit birgt es?
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Der "gläserne Berg" zeigt, wie verzweigt das
Netz an modernen Stollen und prähistorischen
Fundstellen ist. (Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Am 18. und 19. August ist es wieder so weit. Die Hallstattforschung des Naturhistorischen Museums Wien und die Salzwelten laden zur Archäologie am Berg 2018.
Unter dem Motto "Die prähistorischen Bergleute und ihre Welt" werden die aktuellen Forschungsarbeiten und -ergebnisse präsentiert.

Im Jubiläumsjahr der modernen Ausgrabungen am Hallstätter Gräberfeld zeigen AnthropologInnen, ArchäologInnen und RestauatorInnen, was sie seit 25 Jahren aus Knochen und Beigaben über diese Gesellschaft erfahren können, die vor 2.700 Jahren eine der reichsten Europas gewesen sein dürfte.

Bio- und GeowissenschaftlerInnen, LandschaftsarchäologInnen und Archivare erforschen die Entwicklung der Region um Hallstatt, die seit Jahrtausenden von der Salzproduktion geprägt ist.

Bei der Archäologie am Berg erfahren Sie wie Geolelektrik, Kernbohrungen und Prollenprofile funktionieren und was sie uns über unsere Umwelt verraten. Von den ForscherInnen persönlich und mit einem fantastischen Blick über das Salzbergtal und seine Umgebung.
Im "virtuellen Bergwerk" können Sie eine Zeitreise in das Innere des Salzberges und durch den prähistorischen Betrieb erleben.

Spezialisten berichten von der aktuell laufenden Digitalisierung und Visualisierung des urgeschichtlichen Hallstätter Salzbergwerkes. Erfahren Sie, wie wir Archäologen im Salzbergwerk arbeiten, was mit den Funden nach der Bergung passiert und warum es so wichtig ist, kontinuierlich zu sanieren und die Fundstellen zu bewahren.

ForscherInnen unterschiedlichster Fachrichtungen freuen sich also auch dieses Jahr auf Ihr Interesse und stehen Ihnen Rede und Antwort. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos, nur die Fahrt mit der Seilbahn ist zu bezahlen .

von Fiona Poppenwimmer

Donnerstag, 28. Juni 2018

Salzbergwerke in Kooperation

Die Rekonstruktionen mussten
erst geschmiedet werden.
(Bild: K. Kosczinski)
Der Leiter der Bergwerkforschung Hallstatt, Hans Reschreiter, hatte im Mai 2018 zu einem wissenschaftlichen Austausch über prähistorischen Salzbergbau eingeladen.
Neben den ForscherInnen des Naturhistorischen Museums nahmen an dem Treffen im Hallstätter Hochtal die ArchäologInnen Philipp Vollmer (Ruhr-Universität Bochum) und Katja Kosczinski (Deutsches-Bergbaumuseum Bochum) sowie Ralf Eßwein, Student der archäologischen Restaurierung (Römisch-Germanisches Zentralmuseum, Mainz) teil.
So waren ForscherInnen der ältesten Salzbergwerke der Menschheitsgeschichte, Hallstatt, Dürrnberg und Chehrabad versammelt. Die Besonderheit dieser Orte liegt vor allem in der Erhaltung der Funde. Besonders interessierte uns, wie wir uns das prähistorische Gezähe, also das Werkzeug der Bergleute, komplett vorzustellen haben und wie es benutzt wurde. Denn erhalten geblieben ist hauptsächlich das Holz, welches im Salz gut konserviert wurde und eine hervorragende Arbeitsgrundlage bietet.

Auch die Schäftungen wurden
direkt vor Ort angepasst.
(Bild. K. Kosczinski)
Somit konnten wir verschiedenen Varianten des Gezähes der alten Bergleute rekonstruieren. Für diese Rekonstruktionen war es wichtig, sowohl den Schmiede- als auch den Holzbearbeitungsprozess nachzuempfinden, da vor allem der Herstellungsprozess dieser prähistorischen Werkzeuge im Forschungsschwerpunkt unserer Abschlussarbeiten liegt.

Mit dem Know-How des Hallstätter Grabungsteams, der jahrelangen Erfahrung in der experimentellen Archäologie von Hans Reschreiter und seinem Team herrschte eine herzliche und motivierende Arbeitsatmosphäre.

Auch die örtlichen Gegebenheiten, mit den gut ausgestatteten Werkstatträumen und der Schmiede haben uns sehr geholfen unsere Vorstellungen zu realisieren. So konnte auch der mitgereiste Schmied und angehende Restaurator Ralf Eßwein bei seinen Schmiedeversuchen tolle Ergebnisse erzielen.

Der Dürrnberg-Pickel im Test.
(Bild: P. Vollmer)
Zum Ende unseres Aufenthaltes hatten wir unterschiedliche Gezähe sowohl für den Dürrnberg als auch für Chehrabad hergestellt und unter Tage getestet. Bei den Versuchen im Hallstätter Bergwerk haben wir uns und unsere Werkzeuge für immer an einer Abbauwand verewigt und dabei einen einzigartigen direkten Vergleich geschaffen.

Anschließend diskutierten wir über die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Gezähebauweisen und Abbautechniken. So wurden auch bis spät in die Nacht angeregte Gespräche geführt, auf deren Grundlage neue Erkenntnisse gewonnen, Fragen beantwortet, aber auch neue Fragen gestellt werden konnten, welche in naher Zukunft ausführlich aufgearbeitet werden.

Insgesamt ein sehr erfolgreicher Austausch der gerne in die zweite Runde gehen kann…


von Katja Kosczinski und Philipp Vollmer


Die Abbauspuren der unterschiedlichen Gezähe im Vergleich. (Bild: D. Brandner - NHM Wien)

Die HäuerInnen - ForscherInnen aus Hallstatt, Dürrnberg und Chehrabad - nach getaner Arbeit.
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)

Donnerstag, 21. Juni 2018

Sehen, hören, ausprobieren - Der neue Vermittlungs- und Praxisraum

Die Firma Scenomedia und
Mitarbeiter der Salzweltenbeim
Aufbau des neuen Praxisraumes.
(Bild: H. Reschreiter - NHM Wien)
Für BesucherInnen Hallstatts gibt es viele Möglichkeiten, tief in die Materie der Archäologie einzutauchen. Zusätzlich zur Besucherstrecke der Salzwelten können prähistorische Expeditionen gebucht werden, es gibt spezielle Projekttage für Schulklassen, Exkursionen von KollegInnen aus der Wissenschaft und auch Führungen für Presse und Gäste der Salinen Austria AG.
Schon immer war der "Edlersberg Warteraum" die erste Station im Berg, wo die BesucherInnen eine kurze Einführung in den prähistorischen Bergbau bekommen und im Anschluß, mit den hier gelagerten Rekonstruktionen der Hallstätter Arbeitsgeräte, den Ablauf der urgeschichtlichen Salzproduktion ausprobieren konnten.

Vermittelt wird der Stellenwert des ältesten Salzbergwerkes der Welt, welche einzigartigen Einblicke es uns durch die Erhaltung der Funde bietet und wie das Naturhistorische Museum in Kooperation mit der Salinen Austria AG und der Salzwelten GmbH diese seit Jahrzehnten erforscht.



Die Lebensbilder und Displays sind
fertig - die Besucher können
kommen.
(Bild: H. Reschreiter - NHM Wien)
Um diese Vermittlung noch anschaulicher zu gestalten, wurde der "Edlersberg Warteraum" dieses Frühjahr auf Betreiben der Salzwelten GmbH völlig überarbeitet und von der Firma Scenomedia in Zusammenarbeit mit der archäologischen Hallstattforschung neu gestaltet.

Sowohl der bronze- als auch der eisenzeitliche Bergbau werden durch aufkaschierte Lebensbilder illustriert, die von lebensgroßen Figuren unterstützt werden. Diese sind nach dem derzeitigen Forschungsstand zur Kleidung prähistorischer Bergleute gestaltet.

Die Rekonstruktionen der urgeschichtlichen Werkzeuge - Pickel, Tragsack, Bastseil und mehr - laden die BesucherInnen zum Entdecken und Ausprobieren ein. Ein großer Schaukasten mit unterschiedlichesten Materialien zeigt die früher verwendeten Rohstoffe und betonen wiederum die außergewöhnliche Funderhaltung im Salz.


Mithilfe eines großen Monitors und eines Tablets ist nun eine große Variation an Daten - Fotos, Grafiken, Filme - jederzeit auf Knopfdruck verfügbar. Damit kann nicht nur das gebotene Programm auf jede Gruppe individuell abgestimmt, sondern auch auf Fragen der BesucherInnen schnell und ausführlich eingegangen werden.

Der neue Informations- und Praxisraum kann sich also sehen lassen und wird es uns in Zukunft erleichtern noch mehr Leuten einen noch genaueren Einblick in unsere Arbeit und Forschung zu geben.

von Fiona Poppenwimmer
Die ersten SchülerInnen, die im neuen Praxisraum die Besonderheiten von Hallstatt - Arbeitsabläufe, Werkzeug und Kleidung - erleben und ausprobieren können.
(Bild: H. Reschreiter - NHM Wien)

Donnerstag, 7. Juni 2018

Sneak Peak Mai 2018

Die Renovierungsarbeiten an der "Alten Schmiede",
Außenstelle des NHM in Hallstatt, sind beinahe
abgeschlossen.
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Die neue Waschanlage ist zusammengebaut und bereit für
ihren ersten Einsatz. (Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Wie jedes Jahr packte auch diesen Mai unser Team die Koffer, um drei Wochen auf dem Salzberg zu verbringen. Heute wollen wir eine kleine Übersicht bieten, was alles passiert ist, bevor wir auf die einzelnen Projekte eingehen.

Großbaustelle war über den Winter die "Alte Schmiede", die Außenstelle des Naturhistorischen Museums im Hochtal von Hallstatt. Nachdem das Dach erneuert und das Obergeschoss saniert wurde, ging es jetzt an die letzten Malerarbeiten und das Wiedereinräumen und Einrichten.

Die KollegInnen aus Bochum testeten "ihr" Werkzeug
ausgiebig. (Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Nebenbei laufen die Vorbereitungen für die Grabung im Herbst auf Hochtouren. So tüftelten die Kollegen an einer modernisierten Version der notwendigen Waschanlage, auf der die Funde von Salz befreit werden. 

Mittlerweile ist sie einsatzbereit und wartet nur darauf, die Funde aus dem Heidengebirge zu schlämmen.
Das Team über dem Hochtal von Hallstatt. Die Prospektion
beginnt. (Bild: D. Brandner - NHM Wien)

Eine weitere Besonderheit war der Besuch von drei KollegInnen vom Deutschen Bergbaumuseum Bochum, die in den Salzbergwerken Dürrnberg bei Hallein und Chehrabad beschäftigt sind. 

Sie kamen nach Hallstatt, um das in "ihren" Bergwerken verwendete Gezähe experimentell nachzubauen, zu testen und zu vergleichen. Damit waren Vertreter dieser drei einmaligen Fundorte
vereint und konnten sich austauschen.

Im Wald verstecken sich viele Spuren des mittelalterlichen
Bergbaus. (Bild: Ch. Fasching - NHM Wien)
Auch die Vermittlung kam wieder nicht zu kurz. Zwei Schulklassen durften wir am Salzberg willkommen heißen, mit ihnen Archäologie, die Urgeschichte und den Bergbau erarbeiten und erleben.

Der Fokus lag allerdings auch diesen Mai auf der Prospektion des Hallstätter Hochtales und der Kartierung der mittelalterlichen Bergbauspuren. Per Drohne und zu Fuß, angeleitet von historischen Karten und Lidar-Scans, wurde das Hochtal durchsucht. Auch dabei kamen wieder spannende Ergebnisse zu Tage.

Über all dies werden wir die nächsten Wochen berichten. Vorerst gibt es eine kleine Fotostrecke. 

von Fiona Poppenwimmer
Die hochauflösenden Lidar-Scan Karten helfen bei der Suche. (Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Nicht alle Mundlöcher sind so offensichtlich zuzuordnen wie dieses hier.
(Bild: Ch. Fasching - NHM Wien)
Wieder ein Schritt in die richtige Richtung - um die uralte Landschaft um Hallstatt weiter zu verstehen. (Bild: D. Brandner - NHM Wien)



















Donnerstag, 24. Mai 2018

VirtualArch - Austausch / Exchange

Last week we introduced the project VirtualArch. Its partners have many opportunities of exchange best practices and share their experience. One of those are field trips, like the one we took part in recently.
Following the invitation of the Autonomous Province of Trento and the Foundation Bruno Kessler different project partners came together in Civezzano, to learn more about the medieval silver mining and to visit the site of Monte Calisio.
The next day the group joined us on a trip to Hallstatt, where we could present our site to the partners. Hans Reschreiter introduced them to the specifics of the prehistoric salt mine as well as its surroundings
This exchange is very important for us since it's the only way to broaden our horizon.


Hiking trail along the Lago di Santa Colomba.
(H. Reschreiter - NHM Wien)
Im letzte Woche vorgestellten Projekt VirtualArch stehen regelmäßige Treffen der Projektpartner fest im Kalender. Von "Best Practice"-Meetings bis zu Workshops bekommen die verschiedenen Institutionen Gelegenheit sich auszutauschen.  

So auch auf den Treffen zur sogenannten "common field work". Dabei werden nach und nach alle  teilnehmenden archäologischen 
Fundstätten besucht und die ansässigen ForscherInnen stellen dort ihre Arbeit und Methodik, aber auch ihre Fragestellungen Schwierigkeiten und vor.

Traces of medieval mining are still visible in
the landscape. (H. Reschreiter - NHM Wien)
Vor einigen Wochen durften wir also auf Einladung der Autonomen Provinz Trento und der Foundation Bruno Kessler in den beschaulichen Ort Civezzano, nahe Trient reisen, um von den KollegInnen vor Ort mehr über den mittelalterlichen Bergbau zu erfahren. 

Eine für das Projekt ausgewählte Fundstelle ist der Monte Calisio, wo ein Wanderweg an der malerischen Seelandschaft des Lago di Santa Colomba vorbei und quer über den Berg führt. 

The group of projects partners - representatives
of archaeological institution all over Europe come
together for the VirtualArch project.
Geht man an diesem entlang, sieht man überall im Wald runde Mulden und Vertiefungen. Dass es sich dabei um Pingen des Bergbaus handelt, ist auf den ersten Blick nicht ersichtlich. Im Rahmes des Projektes soll die Vermittlung und Kenntlichmachung dieser archäologischen Spuren weiter ausgebaut werden. 

Introduction, with a view over the Hallstatt
perio graveyard. (Ch. Lobinger - LfA Sachsen)
Im Gegenzug trafen sich die Vertreter der archäologischen Institutionen am nächsten Tag in Hallstatt

Dank des großartigen Wetters konnten wir die Tour bereits am Gräberfeld mit einer ausführlichen Vorstellung des Fundortes und der Besonderheiten der umgebenden Landschaft beginnen.
Unusual lunch break inside the saltmine of
Hallstatt. (H. Reschreiter - NHM Wien)
Dabei versuchten wir den Kollegen mithilfe alter Fotografien und Karten die Entwicklung des Hochtales deutlich zu machen - wie es auch in der späteren Visualisierung der Fall sein soll.

Hauptteil war aber selbstverständlich die Besichtigung der Fundstelle Christian von Tusch Werk. Dort konnten wir den FachkollegInnen nicht nur von unserer Arbeit berichten, sondern vor allem mit ihnen über die Befunde und die offenen Fragen, die uns auch in der kommenden Saison wieder beschäftigen werden, diskutieren.

Dieser Austausch, gerade mit KollegInnen die vor ähnlichen Herausforderungen stehen wie wir, ist für uns enorm wichtig. So bekommen wir neuen Input und die Möglichkeit, uns sowohl fachlich als auch gedanklich zu vernetzen.
von Fiona Poppenwimmer
VirtualArch project partner dressed up for the saltmine.
(Ch. Lobinger - LfA Sachsen)


Mittwoch, 16. Mai 2018

VirtualArch Hallstatt - Visualise to Valorize

Hallstatt has been a tourist magnet for ages. Each year more and more visitors from all over the world come to see its beautiful old village center and the surrounding landscape.
But the long history of this landscape keeps hidden from most people. With about 7000 years of continous salt production (and still going on) Hallstatt is the oldest industrial landscape worldwide.
The Interreg Central Europe project VirtualArch should help to make the heritage of Hallstatt and seven other archaeological sites all over Europe more visible. Under the subtitle "Visualise to valorize", new methods of visualising archaeological sites shall be tested and developed. In Hallstatt, for example, a 3D visualisation of the whole saltmine is planned, so people can walk through without entering the narrow tunnels. But also the remains of the historic mining activity all over Hallstatt high valley are documented and will be visualised.


Der historische Ortskern von Hallstatt ist auf
der ganzen Welt bekannt.
(Bild: C. Löw - NHM Wien)
Hallstatt ist seit Jahrzehnten ein Touristenmagnet. Es ist abgestimmt auf Fremdenverkehr, mit aller dazugehöriger Infrastruktur, Besucherbergwerk, Audio Guides, Aussichtsplattfom und dergleichen. 

Jedes Jahr kommen mehr und mehr Besucher aus aller Welt nach Hallstatt, jeder Einzelne sieht die wunderschöne Landschaft, bewundert das urtümliche Ortsbild und staunt über das Salzbergwerk und die Aussicht aus dem Hochtal. 

Dass diese Landschaft aber nicht nur beeindruckend, sondern auch die Industrielandschaft mit der längsten durchgängigen Produktion ist, bleibt dem Besucher verborgen. Diese 7000-jährige Tradition setzt die Salinen Austria AG bis heute fort.

Die jahrtausendealte Salzproduktion im
Hallstätter Hochtal hat keine Spuren
hinterlassen. (Bild: H. Reschreiter - NHM Wien)
Das Interreg Central Europe Projekt VirtualArch soll dazu beitragen, die Einzigartigkeit dieser Umgebung und anderer, großteils verborgener, archäologischer Kulturgüter sichtbar zu machen und damit ihre Relevanz und Erhaltungswürdigkeit zu demonstrieren, was auch dessen Untertitel "Visualise to valorize" treffend auf den Punkt bringt.
Geplant ist dabei unter anderem die dreidimensionale Visualisierung der archäologischen Ausgrabungen im Inneren des Salzbergwerkes, sowie der umliegenden Stollen. Doch auch die historischen Überreste der Bergbauinfrastruktur im Hochtal werden kartiert und digitalisiert. Viele davon sind im Gelände immer noch sichtbar, doch ohne Hinweis leicht zu übersehen. 

So entsteht eine virtuelle Tour durch die Jahrtausende alte Geschichte des Salzbergbaus und des Lebens im Hallstätter Hochtal, das damit der Öffentlichkeit zugänglich und begreiflich gemacht wird.

Luftbildaufnahmen durch eine Drohne
helfen bei der Visualisierung.
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Für die Durchführung werden lokale, regionale und staatliche Behörden und Entscheidungsträger eingebunden. Konkret bedeutet das vor allem das Bundesdenkmalamt Österreich, die Gemeinde Hallstatt, die Region Oberösterreich und die Bergbaufirma Salinen Austria AG, genauso wie ansässige Vertreter des Tourismus und der Wirtschaft. 

Das Interreg Central Europe Projekt wird in Kooperation von insgesamt zehn Projektpartnern aus acht Ländern in ganz Europa durchgeführt und läuft bis 2020. 

Das Ziel für die Hallstattforschung ist unter anderem eine interaktive App , die von den Besuchern bereits im Tal heruntergeladen und dann im Hochtal offline genutzt werden kann. 

Darin sollen sowohl das eisenzeitliche Gräberfeld, die historische Bergbaulandschaft, als auch der urgeschichtliche Bergbau visualisiert werden.

Auch die vielen Funde, die durch ihre gute Konservierung oft sensationell aber unauffällig sind, werden darin dargestellt und kontextualisiert. Doch auch die neuere Geschichte des Salzbergtales wird dadurch erlebbar. Immerhin war bis in die 60er Jahre die gesamte Bergbauinfrastruktur im Hochtal angesiedelt. 

7000 Jahre Industrie- und Kulturlandschaft sind
heute gut verborgen.
(Bild: C. Seisenbacher - NHM Wien)
Auch weitere Möglichkeiten zur Wissensvermittlung werden genutzt, wie Informationstafeln oder der neue Informations- und Vorführraum für prähistorische Touren in der Schaustelle Edlersberg. Im Projekt VirtualArch wird alles daran gesetzt, die Einmaligkeit und Schutzbedürftigkeit der Hallstätter Landschaft zu vermitteln und zu unterstreichen. Damit die Besucher nicht nur ihre Schönheit und Idylle bewundern, sondern auch die Geschichte und Entwicklung erfahren können. 
(von Fiona Poppenwimmer und Hans Reschreiter)

Neue Verfahren, wie die dreidimensionale Visualisierung werden auch für das Bergwerk getestet und adaptiert. (Bild: D. Brandner - NHM Wien)

Montag, 16. April 2018

Erde an Zukunft - Hallstatt und der KIKA

Geschlechterrollen sind in der heutigen Zeit ein brisantes und häufig aufgeworfenes Thema. Gemeinhin wird vielfach davon ausgegangen, dass „früher alles einfacher war“ – auch in dieser Hinsicht. Doch weit gefehlt. So "logisch“, „ursprünglich“ und „einfach“ wie man sich das heutzutage gerne vorstellt, war vor allem die Arbeitseinteilung in Geschlechter auch in prähistorischer Zeit nicht. 

In der Hallstattforschung haben wir die schöne Situation, mit den Ausgrabungen im Bergwerk nicht nur das Arbeitsumfeld prähistorischer Bergleute fassen zu können, sondern – zumindest mit dem eisenzeitlichen Gräberfeld - viele dieser Beobachtungen und Annahmen auch durch anthropologische Untersuchungen untermauern zu können. 

Ausgehend von Funden von Schuhen und Fellkappen im Bergwerk, die eindeutig auf Kleinkinder und Kinder zugeschnitten sind, entwickelte sich die Theorie einer gesamten Gesellschaft im Bergwerk. Sprich, nicht nur wie in moderner Zeit, eine rein männliche Gruppe Bergleute, sondern eine arbeitsteilige Gesellschaft aus Männern, Frauen und Kindern. An vielen Merkmalen der erhaltenen Skelette, lässt sich eine eindeutige Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern feststellen, wobei die Aufgabe der Frauen und Kinder vor allem der Transport von Arbeitsgerät und schweren Salzplatten war. 

In einem Beitrag, der sich mit der Frage nach klassischen Geschlechterrollen und ihrer Sinnhaftigkeit befasst, hat nun auch der deutsche Fernsehsender KIKA, in der Sendung „Erde an Zukunft“ Hallstatt für sich entdeckt und sich darin einer schwierigen Thematik kindgerecht angenähert. Wie der Titel schon besagt, geht es darin vor allem darum, Kinder auf Themen aufmerksam zu machen, damit zu sensibilisieren und zu überlegen, wie die Geschlechter in Zukunft miteinander umgehen sollen.
von Fiona Poppenwimmer und Hans Reschreiter 

Das Lebensbild des eisenzeitlichen Bergbaues in Hallstatt nach derzeitigem Forschungsstand.
(Bild: D. Groebner - NHM Wien)