Donnerstag, 21. Juni 2018

Sehen, hören, ausprobieren - Der neue Vermittlungs- und Praxisraum

Die Firma Scenomedia und
Mitarbeiter der Salzweltenbeim
Aufbau des neuen Praxisraumes.
(Bild: H. Reschreiter - NHM Wien)
Für BesucherInnen Hallstatts gibt es viele Möglichkeiten, tief in die Materie der Archäologie einzutauchen. Zusätzlich zur Besucherstrecke der Salzwelten können prähistorische Expeditionen gebucht werden, es gibt spezielle Projekttage für Schulklassen, Exkursionen von KollegInnen aus der Wissenschaft und auch Führungen für Presse und Gäste der Salinen Austria AG.
Schon immer war der "Edlersberg Warteraum" die erste Station im Berg, wo die BesucherInnen eine kurze Einführung in den prähistorischen Bergbau bekommen und im Anschluß, mit den hier gelagerten Rekonstruktionen der Hallstätter Arbeitsgeräte, den Ablauf der urgeschichtlichen Salzproduktion ausprobieren konnten.

Vermittelt wird der Stellenwert des ältesten Salzbergwerkes der Welt, welche einzigartigen Einblicke es uns durch die Erhaltung der Funde bietet und wie das Naturhistorische Museum in Kooperation mit der Salinen Austria AG und der Salzwelten GmbH diese seit Jahrzehnten erforscht.



Die Lebensbilder und Displays sind
fertig - die Besucher können
kommen.
(Bild: H. Reschreiter - NHM Wien)
Um diese Vermittlung noch anschaulicher zu gestalten, wurde der "Edlersberg Warteraum" dieses Frühjahr auf Betreiben der Salzwelten GmbH völlig überarbeitet und von der Firma Scenomedia in Zusammenarbeit mit der archäologischen Hallstattforschung neu gestaltet.

Sowohl der bronze- als auch der eisenzeitliche Bergbau werden durch aufkaschierte Lebensbilder illustriert, die von lebensgroßen Figuren unterstützt werden. Diese sind nach dem derzeitigen Forschungsstand zur Kleidung prähistorischer Bergleute gestaltet.

Die Rekonstruktionen der urgeschichtlichen Werkzeuge - Pickel, Tragsack, Bastseil und mehr - laden die BesucherInnen zum Entdecken und Ausprobieren ein. Ein großer Schaukasten mit unterschiedlichesten Materialien zeigt die früher verwendeten Rohstoffe und betonen wiederum die außergewöhnliche Funderhaltung im Salz.


Mithilfe eines großen Monitors und eines Tablets ist nun eine große Variation an Daten - Fotos, Grafiken, Filme - jederzeit auf Knopfdruck verfügbar. Damit kann nicht nur das gebotene Programm auf jede Gruppe individuell abgestimmt, sondern auch auf Fragen der BesucherInnen schnell und ausführlich eingegangen werden.

Der neue Informations- und Praxisraum kann sich also sehen lassen und wird es uns in Zukunft erleichtern noch mehr Leuten einen noch genaueren Einblick in unsere Arbeit und Forschung zu geben.

von Fiona Poppenwimmer
Die ersten SchülerInnen, die im neuen Praxisraum die Besonderheiten von Hallstatt - Arbeitsabläufe, Werkzeug und Kleidung - erleben und ausprobieren können.
(Bild: H. Reschreiter - NHM Wien)

Donnerstag, 7. Juni 2018

Sneak Peak Mai 2018

Die Renovierungsarbeiten an der "Alten Schmiede",
Außenstelle des NHM in Hallstatt, sind beinahe
abgeschlossen.
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Die neue Waschanlage ist zusammengebaut und bereit für
ihren ersten Einsatz. (Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Wie jedes Jahr packte auch diesen Mai unser Team die Koffer, um drei Wochen auf dem Salzberg zu verbringen. Heute wollen wir eine kleine Übersicht bieten, was alles passiert ist, bevor wir auf die einzelnen Projekte eingehen.

Großbaustelle war über den Winter die "Alte Schmiede", die Außenstelle des Naturhistorischen Museums im Hochtal von Hallstatt. Nachdem das Dach erneuert und das Obergeschoss saniert wurde, ging es jetzt an die letzten Malerarbeiten und das Wiedereinräumen und Einrichten.

Die KollegInnen aus Bochum testeten "ihr" Werkzeug
ausgiebig. (Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Nebenbei laufen die Vorbereitungen für die Grabung im Herbst auf Hochtouren. So tüftelten die Kollegen an einer modernisierten Version der notwendigen Waschanlage, auf der die Funde von Salz befreit werden. 

Mittlerweile ist sie einsatzbereit und wartet nur darauf, die Funde aus dem Heidengebirge zu schlämmen.
Das Team über dem Hochtal von Hallstatt. Die Prospektion
beginnt. (Bild: D. Brandner - NHM Wien)

Eine weitere Besonderheit war der Besuch von drei KollegInnen vom Deutschen Bergbaumuseum Bochum, die in den Salzbergwerken Dürrnberg bei Hallein und Chehrabad beschäftigt sind. 

Sie kamen nach Hallstatt, um das in "ihren" Bergwerken verwendete Gezähe experimentell nachzubauen, zu testen und zu vergleichen. Damit waren Vertreter dieser drei einmaligen Fundorte
vereint und konnten sich austauschen.

Im Wald verstecken sich viele Spuren des mittelalterlichen
Bergbaus. (Bild: Ch. Fasching - NHM Wien)
Auch die Vermittlung kam wieder nicht zu kurz. Zwei Schulklassen durften wir am Salzberg willkommen heißen, mit ihnen Archäologie, die Urgeschichte und den Bergbau erarbeiten und erleben.

Der Fokus lag allerdings auch diesen Mai auf der Prospektion des Hallstätter Hochtales und der Kartierung der mittelalterlichen Bergbauspuren. Per Drohne und zu Fuß, angeleitet von historischen Karten und Lidar-Scans, wurde das Hochtal durchsucht. Auch dabei kamen wieder spannende Ergebnisse zu Tage.

Über all dies werden wir die nächsten Wochen berichten. Vorerst gibt es eine kleine Fotostrecke. 

von Fiona Poppenwimmer
Die hochauflösenden Lidar-Scan Karten helfen bei der Suche. (Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Nicht alle Mundlöcher sind so offensichtlich zuzuordnen wie dieses hier.
(Bild: Ch. Fasching - NHM Wien)
Wieder ein Schritt in die richtige Richtung - um die uralte Landschaft um Hallstatt weiter zu verstehen. (Bild: D. Brandner - NHM Wien)



















Donnerstag, 24. Mai 2018

VirtualArch - Austausch / Exchange

Last week we introduced the project VirtualArch. Its partners have many opportunities of exchange best practices and share their experience. One of those are field trips, like the one we took part in recently.
Following the invitation of the Autonomous Province of Trento and the Foundation Bruno Kessler different project partners came together in Civezzano, to learn more about the medieval silver mining and to visit the site of Monte Calisio.
The next day the group joined us on a trip to Hallstatt, where we could present our site to the partners. Hans Reschreiter introduced them to the specifics of the prehistoric salt mine as well as its surroundings
This exchange is very important for us since it's the only way to broaden our horizon.


Hiking trail along the Lago di Santa Colomba.
(H. Reschreiter - NHM Wien)
Im letzte Woche vorgestellten Projekt VirtualArch stehen regelmäßige Treffen der Projektpartner fest im Kalender. Von "Best Practice"-Meetings bis zu Workshops bekommen die verschiedenen Institutionen Gelegenheit sich auszutauschen.  

So auch auf den Treffen zur sogenannten "common field work". Dabei werden nach und nach alle  teilnehmenden archäologischen 
Fundstätten besucht und die ansässigen ForscherInnen stellen dort ihre Arbeit und Methodik, aber auch ihre Fragestellungen Schwierigkeiten und vor.

Traces of medieval mining are still visible in
the landscape. (H. Reschreiter - NHM Wien)
Vor einigen Wochen durften wir also auf Einladung der Autonomen Provinz Trento und der Foundation Bruno Kessler in den beschaulichen Ort Civezzano, nahe Trient reisen, um von den KollegInnen vor Ort mehr über den mittelalterlichen Bergbau zu erfahren. 

Eine für das Projekt ausgewählte Fundstelle ist der Monte Calisio, wo ein Wanderweg an der malerischen Seelandschaft des Lago di Santa Colomba vorbei und quer über den Berg führt. 

The group of projects partners - representatives
of archaeological institution all over Europe come
together for the VirtualArch project.
Geht man an diesem entlang, sieht man überall im Wald runde Mulden und Vertiefungen. Dass es sich dabei um Pingen des Bergbaus handelt, ist auf den ersten Blick nicht ersichtlich. Im Rahmes des Projektes soll die Vermittlung und Kenntlichmachung dieser archäologischen Spuren weiter ausgebaut werden. 

Introduction, with a view over the Hallstatt
perio graveyard. (Ch. Lobinger - LfA Sachsen)
Im Gegenzug trafen sich die Vertreter der archäologischen Institutionen am nächsten Tag in Hallstatt

Dank des großartigen Wetters konnten wir die Tour bereits am Gräberfeld mit einer ausführlichen Vorstellung des Fundortes und der Besonderheiten der umgebenden Landschaft beginnen.
Unusual lunch break inside the saltmine of
Hallstatt. (H. Reschreiter - NHM Wien)
Dabei versuchten wir den Kollegen mithilfe alter Fotografien und Karten die Entwicklung des Hochtales deutlich zu machen - wie es auch in der späteren Visualisierung der Fall sein soll.

Hauptteil war aber selbstverständlich die Besichtigung der Fundstelle Christian von Tusch Werk. Dort konnten wir den FachkollegInnen nicht nur von unserer Arbeit berichten, sondern vor allem mit ihnen über die Befunde und die offenen Fragen, die uns auch in der kommenden Saison wieder beschäftigen werden, diskutieren.

Dieser Austausch, gerade mit KollegInnen die vor ähnlichen Herausforderungen stehen wie wir, ist für uns enorm wichtig. So bekommen wir neuen Input und die Möglichkeit, uns sowohl fachlich als auch gedanklich zu vernetzen.
von Fiona Poppenwimmer
VirtualArch project partner dressed up for the saltmine.
(Ch. Lobinger - LfA Sachsen)


Mittwoch, 16. Mai 2018

VirtualArch Hallstatt - Visualise to Valorize

Hallstatt has been a tourist magnet for ages. Each year more and more visitors from all over the world come to see its beautiful old village center and the surrounding landscape.
But the long history of this landscape keeps hidden from most people. With about 7000 years of continous salt production (and still going on) Hallstatt is the oldest industrial landscape worldwide.
The Interreg Central Europe project VirtualArch should help to make the heritage of Hallstatt and seven other archaeological sites all over Europe more visible. Under the subtitle "Visualise to valorize", new methods of visualising archaeological sites shall be tested and developed. In Hallstatt, for example, a 3D visualisation of the whole saltmine is planned, so people can walk through without entering the narrow tunnels. But also the remains of the historic mining activity all over Hallstatt high valley are documented and will be visualised.


Der historische Ortskern von Hallstatt ist auf
der ganzen Welt bekannt.
(Bild: C. Löw - NHM Wien)
Hallstatt ist seit Jahrzehnten ein Touristenmagnet. Es ist abgestimmt auf Fremdenverkehr, mit aller dazugehöriger Infrastruktur, Besucherbergwerk, Audio Guides, Aussichtsplattfom und dergleichen. 

Jedes Jahr kommen mehr und mehr Besucher aus aller Welt nach Hallstatt, jeder Einzelne sieht die wunderschöne Landschaft, bewundert das urtümliche Ortsbild und staunt über das Salzbergwerk und die Aussicht aus dem Hochtal. 

Dass diese Landschaft aber nicht nur beeindruckend, sondern auch die Industrielandschaft mit der längsten durchgängigen Produktion ist, bleibt dem Besucher verborgen. Diese 7000-jährige Tradition setzt die Salinen Austria AG bis heute fort.

Die jahrtausendealte Salzproduktion im
Hallstätter Hochtal hat keine Spuren
hinterlassen. (Bild: H. Reschreiter - NHM Wien)
Das Interreg Central Europe Projekt VirtualArch soll dazu beitragen, die Einzigartigkeit dieser Umgebung und anderer, großteils verborgener, archäologischer Kulturgüter sichtbar zu machen und damit ihre Relevanz und Erhaltungswürdigkeit zu demonstrieren, was auch dessen Untertitel "Visualise to valorize" treffend auf den Punkt bringt.
Geplant ist dabei unter anderem die dreidimensionale Visualisierung der archäologischen Ausgrabungen im Inneren des Salzbergwerkes, sowie der umliegenden Stollen. Doch auch die historischen Überreste der Bergbauinfrastruktur im Hochtal werden kartiert und digitalisiert. Viele davon sind im Gelände immer noch sichtbar, doch ohne Hinweis leicht zu übersehen. 

So entsteht eine virtuelle Tour durch die Jahrtausende alte Geschichte des Salzbergbaus und des Lebens im Hallstätter Hochtal, das damit der Öffentlichkeit zugänglich und begreiflich gemacht wird.

Luftbildaufnahmen durch eine Drohne
helfen bei der Visualisierung.
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Für die Durchführung werden lokale, regionale und staatliche Behörden und Entscheidungsträger eingebunden. Konkret bedeutet das vor allem das Bundesdenkmalamt Österreich, die Gemeinde Hallstatt, die Region Oberösterreich und die Bergbaufirma Salinen Austria AG, genauso wie ansässige Vertreter des Tourismus und der Wirtschaft. 

Das Interreg Central Europe Projekt wird in Kooperation von insgesamt zehn Projektpartnern aus acht Ländern in ganz Europa durchgeführt und läuft bis 2020. 

Das Ziel für die Hallstattforschung ist unter anderem eine interaktive App , die von den Besuchern bereits im Tal heruntergeladen und dann im Hochtal offline genutzt werden kann. 

Darin sollen sowohl das eisenzeitliche Gräberfeld, die historische Bergbaulandschaft, als auch der urgeschichtliche Bergbau visualisiert werden.

Auch die vielen Funde, die durch ihre gute Konservierung oft sensationell aber unauffällig sind, werden darin dargestellt und kontextualisiert. Doch auch die neuere Geschichte des Salzbergtales wird dadurch erlebbar. Immerhin war bis in die 60er Jahre die gesamte Bergbauinfrastruktur im Hochtal angesiedelt. 

7000 Jahre Industrie- und Kulturlandschaft sind
heute gut verborgen.
(Bild: C. Seisenbacher - NHM Wien)
Auch weitere Möglichkeiten zur Wissensvermittlung werden genutzt, wie Informationstafeln oder der neue Informations- und Vorführraum für prähistorische Touren in der Schaustelle Edlersberg. Im Projekt VirtualArch wird alles daran gesetzt, die Einmaligkeit und Schutzbedürftigkeit der Hallstätter Landschaft zu vermitteln und zu unterstreichen. Damit die Besucher nicht nur ihre Schönheit und Idylle bewundern, sondern auch die Geschichte und Entwicklung erfahren können. 
(von Fiona Poppenwimmer und Hans Reschreiter)

Neue Verfahren, wie die dreidimensionale Visualisierung werden auch für das Bergwerk getestet und adaptiert. (Bild: D. Brandner - NHM Wien)

Montag, 16. April 2018

Erde an Zukunft - Hallstatt und der KIKA

Geschlechterrollen sind in der heutigen Zeit ein brisantes und häufig aufgeworfenes Thema. Gemeinhin wird vielfach davon ausgegangen, dass „früher alles einfacher war“ – auch in dieser Hinsicht. Doch weit gefehlt. So "logisch“, „ursprünglich“ und „einfach“ wie man sich das heutzutage gerne vorstellt, war vor allem die Arbeitseinteilung in Geschlechter auch in prähistorischer Zeit nicht. 

In der Hallstattforschung haben wir die schöne Situation, mit den Ausgrabungen im Bergwerk nicht nur das Arbeitsumfeld prähistorischer Bergleute fassen zu können, sondern – zumindest mit dem eisenzeitlichen Gräberfeld - viele dieser Beobachtungen und Annahmen auch durch anthropologische Untersuchungen untermauern zu können. 

Ausgehend von Funden von Schuhen und Fellkappen im Bergwerk, die eindeutig auf Kleinkinder und Kinder zugeschnitten sind, entwickelte sich die Theorie einer gesamten Gesellschaft im Bergwerk. Sprich, nicht nur wie in moderner Zeit, eine rein männliche Gruppe Bergleute, sondern eine arbeitsteilige Gesellschaft aus Männern, Frauen und Kindern. An vielen Merkmalen der erhaltenen Skelette, lässt sich eine eindeutige Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern feststellen, wobei die Aufgabe der Frauen und Kinder vor allem der Transport von Arbeitsgerät und schweren Salzplatten war. 

In einem Beitrag, der sich mit der Frage nach klassischen Geschlechterrollen und ihrer Sinnhaftigkeit befasst, hat nun auch der deutsche Fernsehsender KIKA, in der Sendung „Erde an Zukunft“ Hallstatt für sich entdeckt und sich darin einer schwierigen Thematik kindgerecht angenähert. Wie der Titel schon besagt, geht es darin vor allem darum, Kinder auf Themen aufmerksam zu machen, damit zu sensibilisieren und zu überlegen, wie die Geschlechter in Zukunft miteinander umgehen sollen.
von Fiona Poppenwimmer und Hans Reschreiter 

Das Lebensbild des eisenzeitlichen Bergbaues in Hallstatt nach derzeitigem Forschungsstand.
(Bild: D. Groebner - NHM Wien)

Donnerstag, 9. November 2017

Unterwegs in Österreich - Der ORF unter Tage

Auch in der diesjährigen Grabungskampagne hat ein Kamerateam den Weg zu uns in den Hallstätter Salzberg gefunden. Der ORF berichtet in der Sendung "Unterwegs in Österreich" zum Thema "Faszination Höhle - Abenteuer und Forschung unter Tage". Und da darf das älteste Salzbergwerk natürlich nicht fehlen.
Also am Samstag, den 11.11. um 16:30 Uhr ORF 2 einschalten und einen Einblick in die archäologische Arbeit im Bergwerk gewinnen. Am Vorabend, also Freitag um 19:00 Uhr sind wir auch schon in "Oberösterreich Heute" zu sehen. Nicht verpassen, wir freuen uns schon! 

Die Dreharbeiten des ORF in der archäologischen Fundverwaltung am Salzberg von Hallstatt.
(Bild: H. Reschreiter - NHM Wien)

Donnerstag, 19. Oktober 2017

FaceAlps - 3500 Jahre Mensch-Umwelt Beziehung rund um den Hallstätter See

Die Plattform zur Durchführung der
Kernbohrungen auf dem Hallstätter See.
(Bild: H. Reschreiter - NHM Wien)
Aus aktuellem Anlass, wollen wir heute ein neues Projekt vorstellen - natürlich mit Hallstatt-Bezug. Der Titel ist Programm: "FaceAlps  - 3500 Jahre Mensch-Umwelt Beziehung rund um den Hallstätter See". Dabei wird der Fokus vor allem auf das Wirken des Menschen auf seine natürliche Umgebung gelegt.

Die Art der Landwirtschaft und ihre Intensität, der Wandel der Wirtschaftsweisen über die Jahrtausende und ihr Einfluss auf die Umwelt.
Ein anderer Gesichtspunkt sind - umgekehrt - extreme Ereignisse und deren Einfluss auf Menschen im alpinen Raum. Denn in einer derartigen Region sind die Einwohner permanent unterschiedlichsten Naturgefahren ausgesetzt. Wie gingen sie damit um und welchen Einfluss haben diese Lebensumstände auf den Alltag der Menschen?
Unter der Leitung von Kerstin Kowarik, finanziert von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, ist dieses Projekt am Naturhistorischen Museum angesiedelt. Die Erhebung und Auswertung der Daten erfolgt in Zusammenarbeit mit der Geologischen Bundesanstalt, dem Deutschen Geoforschungszentrum, der Universität Bern, der Universität für Bodenkultur und der Universität Innsbruck.

Die Information wird durch unterschiedlichste Methoden gewonnen. Seen und Moore dienen als Sedimentarchive, Massenbewegungen wir die Hangrutschungen im Hallstätter Hochtal, die archäologische Fundlandschaft rund um den Hallstätter See und historisches Karten- und Schriftmaterial wird hinzugezogen.


Zur Erhebung der
Die Abfolge der im See abgelagerten
Sedimente ist klar ersichtlich.
(Bild: H. Reschreiter - NHM Wien)
Daten wurde bereits viel in den Archiven geforscht, historisches Kartenmaterial ausgewertet, Geländesurvey, geoelektrische Messungen und Bohrungen in Mooren und Seen durchgeführt.

Weiters wird in den nächsten Tagen am Hallstätter See ein großflächiger Scan des Seeuntergrundes stattfinden, wobei ein hochauflösendes Relief des Seebodens entsteht. Diese sogenannte bathymetrische Vermessung hilft, Ereignisse von Massenbewegungen bis hin zu historischen Erdbeben zu erkennen. Nach der genauen Untersuchung der Daten soll der Zusammenhang bestimmter Ereignisse und Entwicklungen festgestellt werden.
Mit der Erforschung dieser Fragen steht das Projekt "FaceAlps" nicht nur in einem historisch interessanten, sondern durchaus aktuellen Kontext. Die Frage nach dem Einfluss der Menschheit auf ihre Umgebung, ihren Anteil an der Veränderung der Umwelt und natürlich am Klimawandel ist so drängend wie nie zuvor. Und wie lassen sich derzeitige Entwicklungen besser beleuchten, als vergangene Ereignisse zu hinterfragen und zu verstehen?

Wir warten gespannt auf die weiteren Fortschritte und werden natürlich bei Gelegenheit wieder über Neuigkeiten berichten.

von Kerstin Kowarik und Fiona Poppenwimmer

Der Hallstättersee und die ihn umgebende Landschaft von oben - Forschungsgegenstand des
Projektes FaceAlps (Bild:
Luftbildarchiv Inst. für Urgeschichte und Historische Archäologie)

Donnerstag, 12. Oktober 2017

Never ending story - Die Sanierung der Forschungssstollen

Wie jedes Jahr wurden die Stollen im
Salzbergwerk saniert.
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Die geplanten Vorhaben für die diesjährige Grabungssaison haben wir im September bereits kurz umrissen. Die zu diesem Zeitpunkt angesprochenen Sanierungsarbeiten sind zu Beginn jeder Grabungssaison notwendig und gehören für uns zum Arbeitsalltag. Dieses Jahr sollten sie uns allerdings länger beschäftigen als geplant.

Unsere Grabungssaison beginnt nach einem altbewährten Muster, mit einem über Jahre gewachsenen Arbeitsablauf. Quartier einrichten, Dokumentationsformulare vorbereiten, Werkzeug zusammensuchen, auf Tauglichkeit überprüfen, in den Berg transportieren und an seinen angestammten Platz räumen. Sicherheitseinschulung und Begehung der Fluchtwege für alle Mitarbeiter.


 Und schließlich Aufräumarbeiten und Sanierung der Stollen und Vortriebe. Im Klartext heißt das, über den Winter verbrochenes Material - meist kleine Mengen an Gestein und Tagmaterial, die durch das Klima im Berg herunterbröseln - zusammenkratzen. 

Viel Material muss dabei ausgefördert
werden. (Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Danach werden alle Arbeitsstellen gründlich abgegangen und vor allem die Ulmen und Firste (Wände und Decken) der Stollen genau unter die Lupe genommen.

Denn natürlich steht der Berg außerhalb der Grabungszeit - von November bis August also - nicht still. Die natürlichen Bewegungen des Berges, die auf lange Sicht dafür sorgen, dass jeder entstandene Hohlraum wieder geschlossen wird, bewegen auch das Material, durch das unsere Forschungsstollen gegraben sind.

Dementsprechend sind zu Beginn jeder Grabungssaison einige Stellen sichtbar, an denen sich Gestein und Tagmaterial zu lösen beginnt und mit dem Presslufthammer vorsorglich entfernt werden muss. Wie umfangreich diese Arbeiten sind, ist auch davon abhängig, wie das Klima im Berg in den letzten Monaten war.



Der ausgezimmerte Forschungstollen...
Auch dieser Parameter war dieses Jahr nicht auf unserer Seite. Durch eine zeitweise erhöhte Luftfeuchtigkeit im Bereich des Bergwerkes, an dem sich unsere Grabungsstelle befindet, begann sich deutlich mehr Gebirgsmaterial zu lösen als gewöhnlich. 

Wodurch die Sanierungsarbeiten gut die doppelte Zeit brauchten als in den Vorjahren und dadurch unseren Zeitplan gehörig durcheinander brachten.

So sehr wir aber auch fluchten, ist diese Zeit doch auch Investition in den Fortbestand unserer geleisteten Arbeit. Denn nur so können wir dafür sorgen, dass die gegrabenen Stollen offen bleiben und weiter untersucht werden können. Zu diesem Zweck wurde dieses Jahr auch einer der Stollen vollständig ausgezimmert, also mit Holzeinbauten abgestützt. Damit werden die Instandhaltungsarbeiten im nächsten Jahr auf ein Minimum reduziert.

Und zum Glück sind ja auch die langwierigsten Arbeiten irgendwann erledigt und vorbei, so dass wir uns den weiteren Forschungsvorhaben widmen konnten. Doch davon mehr nächste Woche.


von Fiona Poppenwimmer
...und das zufriedene Team. (Bilder: D. Brandner - NHM Wien)







Freitag, 6. Oktober 2017

Tempus fugit - Grabung 2017

Arbeit an einem Profil durch den
prähistorischen Betriebsabfall.
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Wie immer war auch heuer die Grabungssaison im Hallstätter Salzbergwerk viel zu schnell vorbei. 

Vieles haben wir geschafft, viele neue Fragen sind hinzugekommen und das Bild unseres Befundes wird immer komplexer. Das ist auch gut so, werden dadurch doch immer mehr Details über die prähistorischen Arbeitsabläufe im Berg deutlich. 

Im Moment sind wir - neben den allfälligen Abschlußarbeiten der Grabung - gerade dabei, all diese neuen Aspekte zu dokumentieren und aufzunehmen. Was sie uns über das bronzezeitliche Bergwerk verraten, muss bei ausführlicher Befunddiskussion und Auswertung der Daten besprochen werden. 

Da uns alle diesjährigen Grabungsstellen sicher noch länger beschäftigen, werden wir sie und die dort durchgeführten Arbeiten in den nächsten Wochen etwas genauer vorstellen. 

Außerdem werden wir von einer Reihe Spezialanfertigungen an Arbeitsgeräten, angefallenen Sanierungsmaßnahmen, der Suche nach der Grenze der Abbaukammer, technischen Neuheiten, Exkursionen, neuen Theorien und Experimenten berichten. Und von bekannten, aber immer wieder spektakulären (Be-)Funden - und solchen die uns Rätsel aufgeben.

Um die Wartezeit zu verkürzen haben wir eine kleine Fotostrecke aus dem Berg vorbereitet. Viel Spaß und lest bald wieder rein wenn es heißt: Glück auf aus Hallstatt!
von Fiona Poppenwimmer
Mit frischem Elan ins Salzbergwerk - die Grabungssaison 2017 war wieder ein voller Erfolg.
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Urgeschichte und Moderne treffen in Hallstatt aufeinander. Eine der prähistorischen Fundstellen, die direkt neben der Fremdenbefahrungsstrecke der Salzwelten Hallstatt liegt.
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Vortriebsarbeiten im Salzbergwerk Hallstatt. (Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Die Waschanlage zum Entsalzen der Funde war auch dieses Jahr wieder im Dauereinsatz.
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Prospektion mithilfe von Kernbohrungen - eine ganz eigene Art der Archäologie.
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Auch neue Dokumentationstechniken wurden wieder erprobt. (Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Die experimentelle Archäologie kam auch dieses Jahr nicht zu kurz.
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Und schon ist es Herbst im Hochtal von Hallstatt - immer wieder ein Schauspiel.
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Ein Teil des Grabungsteams 2017 in der Fundstelle unter Tage. Vielen Dank an alle Beteiligten!
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)