Montag, 19. August 2019

Archäologie am Berg 2019 - Fotostrecke

Wie jedes Jahr läuten wir die Grabungskampagne im Bergwerk Hallstatt mit unserem "Tag der offenen Tür", der Archäologie am Berg ein. Dieses Jahr hielt wieder einige neue und spezielle Aspekte der Hallstattforschung bereit, die die BesucherInnen bestaunen, erleben, mit den ForscherInnen diskutieren und vor allem selbst erfahren konnten.

Viel Spaß mit den besten Bildern des Wochenendes!

Highlight diesen Jahres war die brandneue VirtualReality Visualisierung des bronzezeitlichen Bergbaus in Hallstatt, entstanden in Kooperation von Scenomedia, NHM Wien und Salzwelten GmbH. (Bild: C. Fasching - NHM Wien)

Der virtuelle Flug durchs Bergwerk beinhaltet Ergebnisse der letzten 60 Jahre Forschungstätigkeit: Karten, Pläne, Profile. Aber auch die neuesten Scans der modernen Stollen und 3D Modelle der Fundstellen. Zusammengestellt wurde diese Visualisierung im Rahmen des Interreg CE Projektes VirtualArch. (Bild: D. Brandner - NHM Wien)

Auch die experimentelle Archäologie war wieder stark vertreten. Hier konnten BesucherInnen mit eigenen Händen die Werkzeuge und Gerätschaften der Urgeschichte testen... (Bild: C. Fasching - NHM Wien)

... wie hier beim Holzhacken mit dem Bronzebeil. (Bild: C. Fasching - NHM Wien)

Bei den Bronzegießern von der Trommer Archäotechnik wurden vor Ort Objekte nach Vorlage urgeschichtlicher Funde gegossen und bearbeitet. (Bild: C. Fasching - NHM Wien)

Wie Salz noch gewonnen werden kann, zeigte Martin Hees mit seinem Experiment zum Salzsieden. (Bild: D. Brandner - NHM Wien)

Archäotechnikerin Anne Reichert brachte den Besuchern textile Materialien wie Bast, Binsen und Brennesseln näher und lehrte die entsprechenden Verarbeitungstechniken. (Bild: D. Brandner - NHM Wien)

Durch das Mikroskop konnten große und kleine BesucherInnen in die Welt der Pollenforschung eintauchen. Palynologin Ruth Drescher-Schneider zeigt wie. (Bild: D. Brandner - NHM Wien)

Das Fellboot ist zwar noch nicht ganz fertig, zur Diskussion über Transport in der Urgeschichte kann es aber trotzdem schon gut beitragen. (Bild: D. Brandner - NHM Wien)

Die Ausgrabungen am Gräberfeld von Hallstatt sind zwar für dieses Jahr abgeschlossen, der Holzbefund bleibt allerdings spannend und wird 2020 weiter untersucht. (Bild: D. Brandner - NHM Wien)

Vielen Dank an das engagierte und diverse Team der Archäologie am Berg 2019! Wir freuen uns auf nächstes Jahr. (Bild: C. Fasching - NHM Wien)

Freitag, 9. August 2019

Forschung die unter die Haut geht - Praktikum in der Hallstattforschung

Praktikant Jonas bereitet sich auf
seine erste Aufgabe im
Naturhistorischen Museum Wien
vor.
(Bild: H. Reschreiter - NHM Wien)
Ich bin Jonas und studiere im sechsten Semester Waldwirtschaft und Umwelt an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg. Vor etwa einem Jahr kam ich nach Wien um im Rahmen des Erasmusprogramms für zwei Semester an der BOKU zu studieren, wo ich in Kontakt mit der Umweltgeschichte kam. Dieses noch relativ junge, interdisziplinäre Forschungsfeld untersucht die Wechselwirkungen von Gesellschaft und dem Rest der Natur in der Vergangenheit. 

Auf der Suche nach einer Praktikumsstelle in diesem Bereich, dachte ich sofort an das Naturhistorische Museum. Ich schrieb zunächst Dr. Karin Wiltschke-Schrotta, die Abteilungsdirektorin der Anthropologie an, die mich dann freundlicherweise an Dr. Kerstin Kowarik, Projektmitarbeiterin in der Prähistorischen Abteilung und Projektleiterin von „FACEALPS – 3500 Jahre Mensch-Umwelt-Beziehung rund um den Hallstätter See“ weiterleitete. 

Ein paar Monate später sitze ich nun in der Prähistorischen Abteilung des Naturhistorischen Museums und bin gespannt was in den nächsten Wochen auf mich zu kommt. Ich freue mich heuer als Praktikant dabei zu sein und den WissenschaftlerInnen über die Schultern zu schauen. 

Erste Schritte beim Entfleischen
der Kuhhaut in der Abteilung
für Präparation des NHM Wien.
(Bild: H. Reschreiter - NHM Wien)
Schon das erste Projekt an dem ich mitarbeite geht wortwörtlich „unter die Haut“. Genauer gesagt: Unter eine Kuhhaut. Wenige Stunden nach der Schlachtung der Kuh, liegt das Fell auf dem Tisch des Mazerationsraumes bei den Kollegen der Präparation. 

In ein paar Wochen soll daraus ein Boot werden, doch bis es soweit ist, stehen noch einige Bearbeitungsschritte an. Der Erste lässt nicht lange auf sich warten, da das restliche Fleisch, das noch an den Gewebeschichten hängt, ansonsten zu gammeln anfängt. 

Ein Kollege aus der Präparation führt mich in die Bearbeitung von Tierhäuten ein. Anfangs läuft es noch etwas schleppend und hier und da schneide ich ein kleines Loch durch die Haut, doch nach und nach haben sich die Bewegungsabläufe eingespielt. Man lernt das Werkzeug und die Technik schnell kennen. 

Für die nächsten zwei Tage heißt es dann Schneiden. Etwa 6 Quadratmeter Kuhhaut bearbeiten wir in mühevoller Handarbeit in dieser Zeit. Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen. 

Das nun deutlich leichtere, aber dennoch schwere Fell soll im nächsten Schritt enthaart werden. Dafür bereiten wir eine große Wanne mit einer Lösung mit Calciumhydroxid (gelöschtem Kalk) vor, in die wir dann das Kuhfell geben. In dieser Lösung bleibt es nun mehrere Tage, mindestens aber so lange, bis die Haare sich mechanisch leicht entfernen lassen. 

Achja: wozu wir ein Boot bauen? Das erfahrt ihr hier in den nächsten Wochen.

von Jonas Armbruster

Die abgezogene Kuhhaut in ihrer vollen Größe - viel Arbeit für Praktikant Jonas.
(Bild: H. Reschreiter - NHM Wien)

Mittwoch, 7. August 2019

Unsichtbares Welterbe erleben - Archäologie am Berg 2019

Am 17. Und 18. August präsentieren WissenschaflerInnen der Hallstattforschung des Naturhistorischen Museums Wien und ihre Forschungspartner unter dem Motto „Unsichtbares Welterbe erleben“ wieder vor Ort im Hallstätter Salzbergtal die aktuellen Ergebnisse und ihre laufenden Arbeiten rund um die prähistorischen Salzbergwerke von Hallstatt.

Die ArchäologInnen des Naturhistorischen Museums berichten von ihrer täglichen Arbeit und geben Einblick in die verborgene Welt unter dem Berg. So erfahren BesucherInnen wie die verfüllten prähistorischen Abbaukammern wieder freigelegt und erforscht werden. HolzforscherInnen der BOKU Wien erklären, welche Information in den gefundenen Grubenhölzern steckt, AnthropologInnen und ArchäolzoologInnen des NHM Wien zeigen die Erkenntnisse aus den Knochen des berühmten Gräberfeldes. 

Ein Schwerpunkt liegt wie immer auch auf der experimentellen Archäologie. ArchäotechnikerInnen zeigen wie aus Baumbast und anderem textilen Material strapazierfähige Seile geschlagen werden, Bronzegießer führen die Metallverarbeitung vor und natürlich kann der Arbeitsablauf des prähistorischen Bergbaus mit rekonstruierten Werkzeugen selbst ausprobiert werden.

Ganz im Zeichen der Visualisierung des schwer zugänglichen und versteckten Welterbes können BesucherInnen die brandneue Virtual Reality Version des bronzezeitlichen Bergbaus testen, in dessen Gestaltung alle bisherigen Forschungsergebnisse eingeflossen sind. Erstmals können sie damit die unglaubliche Größe des damaligen Bergwerkes erfassen und den Arbeitsablauf live beobachten und erforschen.

Auch dieses Jahr gibt es also wieder viel Neues zu entdecken und zu erleben. Seid dabei!

Datum: 17. und 18. August 2019
Ort: Salzwelten Hallstatt, rund um das Archäologische Zentrum in der Alten Schmiede (Außenstelle des NHM Wien)
Zeit: 10.00 - 17.00Uhr
Eintritt frei.
(Die Tarifbestimmungen für die Auffahrt mit der Standseilbahn finden Sie unter https://www.salzwelten.at/de/hallstatt/preise-oeffnungszeiten/ )



Donnerstag, 8. November 2018

Mythos Hallstatt - Eine Dokumentation von Terra Mater

"Mythos Hallstatt" - so heißt die gestern erstmals ausgestrahlte Dokumentation der Reihe "Terra Mater". Monatelang begleitete ServusTV das Team der Archäologen vom Naturhistorischen Museum.

Vom Hallstätter Gräberfeld und den dortigen Untersuchungen ausgehend verfolgten sie die Arbeiten auf der Ausgrabung, die Dokumentation, Fundbearbeitung, die Restauration im Museum in Wien, die Textilforschung und alles was sonst noch dazugehört. Dabei durften natürlich weder die Arbeiten im Bergwerk, noch die Untersuchungen des Umlandes fehlen. Schließlich ergibt erst die Zusammenarbeit aller Untersuchungen und unterschiedlichen Disziplinen das detaillierte Gesamtbild, dass wir von der außergewöhnlichen, prähistorischen Gesellschaft Hallstatts zeichnen können.

Mit dem gesammelten Filmmaterial hätte man wohl mehrere Dokumentationen in Spielfilmlänge füllen können, der Zusammenschnitt ist allerdings mehr als gelungen. "Mythos Hallstatt" ist natürlich auch auf der Mediathek von ServusTV zu finden, also für alle die es gestern verpasst haben: schnell nachschauen!

Die Landschaft um Hallstatt und ihre Gesellschaft der Prähistorie - präsentiert in "Terra Mater" auf ServusTV.
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)

Donnerstag, 25. Oktober 2018

Transnational Stakeholder Workshop Nitra - VirtualArch zu Gast in Nitra

Meeting of the VirtualArch project
partners. (H. Reschreiter - NHM Wien)
Since the last project meeting took place a while ago, it was time for VirtualArch to get together again. This time, the partners from the Institute for Archaeology of the Slovak Academy of Science invited us to Nitra, which is part of the project with its medieval city.
Besides the meeting of the project partners, where the progress of the last months and future plans are discussed, the event was a "Transnational stakeholder workshop" where also stakeholders were invited to listen to lectures and connect with each other. In one of those lectures we were able to present our work with the weblog to the partners and the public. Questions picked up from these lectures were discussed afterwards in small groups, related to the project. We tried to collect our thoughts about topics like "Social media in archaeology - use or harm?" or "Virtual/ augmented reality - balance between science and storytelling". 


The last day was reserved for excursion. Besides the wonderful old city we were able to have a look behind the scenes at the archaeological instute of Nitra. It is always great to compare each others work and methods, to talk about best practices and standards.
So, a big "Thank you!" to the colleagues from Nitra for their hospitality and the great organisation work. We look forward to meet all of our project partners again to see what results we will have by then.


Discussion about current questions in archaeology.
(H. Reschreiter - NHM Wien)
Nachdem das letzte Projekttreffen schon wieder einige Monate zurückliegt, war es für die Projektpartner von VirtualArch wieder an der Zeit, zusammenzukommen. Diesmal luden die Kollegen des Institutes für Archäologie der Slowakischen Akademie der Wissenschaften nach Nitra ein, dessen mittelalterliche Altstadt Teil des Projektes ist.

Neben dem Treffen der Projektpartner, in dem der Fortschritt der letzten Monate, sowie zukünftige Plane besprochen wurde, war die Veranstaltung auch ein "Transnational stakeholder workshop", zu dem unterschiedliche Stakeholder eingeladen waren an den Vorträgen teilzunehmen und sich auszutauschenIn diesen Vorträgen durften wir auch unsere Arbeit mit dem Stiegenblog den Projektpartnern und der Öffentlichkeit vorstellen. Fragen, die in diesen Vorträgen aufgegriffen wurden, diskutierten die Partner später in Kleingruppen. Wir versuchten unseres Gedanken zu Themen zu sammeln, wie "Social Media in der Archäologie - Nutzen oder Schaden?" oder "Virtua/ Augmented Reality - die Balance zwischen Wissenschaft und Geschichtenerzählen".
One of the depots of the Archaeological Institute Nitra.
(H. Reschreiter - NHM Wien)

Der letzte Tag war, wie üblich, für Exkursionen reserviert. Neben der wundervollen Altstadt konnten wir einen Blick hinter die Kulissen des Archäologischen Institutes von Nitra werfen. Es ist immer schön, unseres Arbeit und Methoden zu vergleichen, Erfolgsmethoden auszutauschen und Standards zu besprechen.
So also ein großes Dankeschön an die Kollegen aus Nitra für ihre Gastfreundschaft und die großartige Organisation. Wir freuen uns alle Projektpartner bald wieder zu treffen und zu sehen, welche neuen Ergebnisse bis dahin erreicht wurden.

von Fiona Poppenwimmer

Bureau in the Archaeological Institute of the Slovak Academy of Science. (H. Reschreiter - NHM Wien)

Donnerstag, 18. Oktober 2018

Profile, Prospektion und Proben - Die Grabung 2018

Seit letzter Woche sind die diesjährigen Ausgrabungen im Salzbergwerk von Hallstatt abgeschlossen. Wir können wieder auf eine sehr abwechselungsreiche und produktive Kampagne zurückblicken, mit einigen neuen KollegInnen, neuen Methoden und neuen Befunden. Einen kleinen Vorgeschmack gibt heute wie jedes Jahr die Fotostrecke zur Grabung 2018. Viel Spaß!

Los gehts! Einführung für die neuen Teammitglieder vor dem Eingang ins Salzbergwerk Hallstatt.
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Überhöhung des Nordvortriebs - wie bereits im Stiegenblog berichet.
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Der Endstand des "Westend" genannten Vortriebs - die Untersuchung der hier zahlreich gefundenen Grubenhölzer wird uns
auch das nächste Jahr noch beschäftigen. (Bild: D. Brandner - NHM Wien)

An der Ulm werden im Westend die bronzezeitlichen Abbauspuren und Laugmarken weiter freigelegt.
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Die regelmäßigen Diskussionen über den Befund vor Ort im Salzbergwerk durften genauso wenig fehlen....
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)
...wie die alljährliche Vermessung der Funde und des Vortriebsfortschrittes. (Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Erstmals wurden dieses Jahr von ausgewählten Funden sofort DNA Proben zur genaueren Untersuchung genommen.
(Bild: C. Jezek - NHM Wien)

Das übrige Material wurde im Berg auf der "Fundrutsche" sortiert. (Bild: D. Brandner - NHM Wien)

So sieht das Heidengebirge aus - tausende Leuchtspäne, Salz, Lehm. Was sich dazwischen wohl noch alles verbirgt?
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Anschließend kam der Großteil des Materials auf die neue Waschanlage. (Bild: C. Fasching - NHM Wien)
Die entsalzen Funde müssen sortiert werden... (Bild: C. Fasching - NHM Wien)
...und vor allem die besonderen Funde auch fotografisch dokumentiert. (Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Auch die geoelektrischen Prospektionen wurden weitergeführt. (Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Die Öffentlichkeitsarbeit kam auch dieses Jahr nicht zu kurz. Mit großen... (Bild: C. Fasching - NHM Wien)
...und kleinen Besuchern wurde über Archäologie und Bergbau diskutiert. (Bild: C. Fasching - NHM Wien)
Experimentelle Archäologie am Abend. Für einen Abriebversuch (wie im Archäologieblog von derStandard berichtet)
wurden Seile aus Lindenbast hergestellt. (Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Auch ein winzig kleines Modell des Tuschwerks mit allem was dazugehört - hier die bronzezeitliche Holzstiege - wurde
nachgebaut. Wofür wird bald verraten... (Bild: C. Fasching - NHM Wien)

Ein Abend im Licht der Leuchtspäne - Abbrennversuche in der Alten Schmiede. (Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Aufregend wurde es während dem Waldbrand im nächst gelegenen Echertal, die Ausgrabung konnte jedoch zum
Glück fortgesetzt werden. (Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Danke auch dieses Jahr an das hochmotivierte, diksussionfreudige und belastbare Team der Bergwerksgrabung in
Hallstatt! Wir sehen uns 2019, bis dahin: Glück auf! (Bild: D. Brandner - NHM Wien)

Donnerstag, 11. Oktober 2018

Fünf Wochen, fünf Meter - Der Nordvortrieb

Der Vortrieb ist nach fünf Wochen Ausgrabung nun um 2 Meter höher.
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Nach gut fünf Wochen Arbeit erkennt man den anfangs engen und niederen Forschungsstollen kaum wieder. Der Nordvortrieb wurde auf insgesamt fünf Metern Länge um bis zu zwei Meter überhöht um das Querprofil durch die bronzezeitlichen Ablagerungsschichten bis zur letzten Benutzungsphase zu erweitern.

Entgegen den Erwartungen wurde die Heidengebirgsschicht gegen Norden noch massiver und weist an der Ortsbrust, dem aktuellen Ende des neu aufgefahrenen Bereiches, eine Höhe von insgesamt 5,5 Metern auf, wobei wir in diesem Bereich immer noch nicht die Sohle der Abbaukammer kennen.
Thomas Gatt durchsucht das abgebaute Heidengebirge und sortiert die Funde aus.
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)

Blick auf die First: inmitten des Schachtverbruchs wurde ein eingeschlagener Holz-
pfosten entdeckt. (Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Ein Brocken des faserigen Materials in den Ablagerungsschichten im Nordvortrieb.
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Julia Klammer und Roman Lamprecht vermessen die diesjährige Vortriebsleistung.
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Nach Grabungsende werden die Ulmen fotografisch dokumentiert und zu
einem großen Profil zusammengesetzt in dem die unterschiedlichen
Ablagerungsschichten eingezeichnet werden
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)


Die in den Vorjahren festgestellten Ablagerungsschichten konnten weiter nach Norden verfolgt und separat abgebaut werden. Das Heidengebirge wurde direkt in große Wannen geschrämt und im Berg auf der sogenannten Förderrutsche nach Funden durchsucht. Die Analyse und Quantifizierung des überaus zahlreichen Fundmaterials wird eine nähere Charakterisierung der Schichten im Hinblick auf ihre Entstehung erlauben. Einige Funde werden demnächst in einem eigenen Blogbeitrag vorgestellt.

Nach Abbau der letzten Benutzungsschicht kamen darüber wiederum große Konstruktionshölzer, zersplitterte Rundhölzer, sowie heruntergefallene Stiegenteile zum Vorschein. Dabei handelt es sich um die Fortsetzung des großen Holzhaufens der zusammengestürzten Schachteinbauten, dessen Durchmesser nun wiederum um ein Beträchtliches nach oben korrigiert werden muss. Die Lage der Hölzer ist hier allerdings nicht mehr ganz so dicht wie im südlichen Bereich der Fundstelle, weshalb wirein allmähliches Ausdünnen des Schachtverbruchs Richtung Norden vermuten.

Sehr spannend war die Entdeckung eines in das Heidengebirge der letzten Nutzungsphase eingeschlagenen, unten zugespitzten Holzpfostens, welcher vermutlich Teil einer aufgehenden Konstruktion am Boden der Abbaukammer war. Aufgrund des darüberliegenden Schachtverbruches konnten wir allerdings sein oberes Ende noch nicht freilegen, weshalb weitere Details zu seiner Funktion reine Spekulation wären.

Zur Identifikation von Funktionsbereichen innerhalb der Kammer lieferte heuer die Entdeckung zahlreicher Brocken faserigen Sedimentes innerhalb der Ablagerungsschichten, die sich aufgrund ihrer homogenen Zusammensetzung eindeutig vom restlichen Betriebsabfall abheben, einen wichtigen Beitrag. Sie enthalten neben Tierhaaren und feinen Wollfasern vor allem feinste Pflanzenfasern, wobei es sich wahrscheinlich um den Abrieb von Lindesnbastseilen handelt, welche zur Förderung im Schacht verwendet werden.

Experimente mit nachgebauten Bastseilen erbrachten sehr ähnliches Abriebmaterial weshalb die Vermutung bestätigt scheint, dass der aktuell untersuchte Bereich direkt unterhalb des sogenannten Fördertrums, dem Schachtbereich in dem sich das Förderseil befindet, liegt. Diese These unterstützen darüber hinaus zahlreiche Holzkeile, Wieden (Bindematerial aus Ästen) und nicht zuletzt die große Zahl an Hackscharten aus demselben Bereich, die vermuten lassen, dass hier frisch von ober Tage angeliefertes Grubenholz für seine weitere Verwendung zugerichtet wurde.

Nach der abschließenden Vermessung des Vortriebes und der fotografischen Dokumentation ruhen die Arbeiten am Querprofil durch die Abbaukammer nun bis nächstes Jahr und die Auswertung der erhobenen Daten sowie die Analyse des Fundmaterials können beginnen.

Aufgrund der vielversprechenden Ergebnisse ist in den nächsten Jahren eine Fortsetzung des Aufbruches, also der Überhöhung des Vortriebes, bis zu deren nördlichen Ulm geplant von der uns noch gut sieben Meter Heidengebirge trennen. Es wartet also noch einiges an Arbeit auf uns, aber wer weiß, was für Aufschlüsse uns diese sieben Meter Betriebsabfall noch liefern werden.

von Daniel Brandner