Mittwoch, 20. Oktober 2021

Eine prähistorische Führung mit Folgen - Hallstatt im "Radio Orange"

Der Journalist Herbert Gnauer hat sich schon als Kind des öfteren in Hallstatt wiedergefunden und vor einigen Wochen dazu entschlossen, diesen Ort mit vielerlei Bedeutung ein weiteres Mal zu besuchen. Dabei ist er über die prähistorische Führung der Salzwelten gestolpert, die einen Blick in die Vergangenheit einer der ältesten Kulturlandschaften Europas ermöglicht. 

Geführt von Mara und Maria, zwei Archäologinnen des NHM Wien, ging es dabei vom Rudolfsturm, über den Bestattungsplatz der prähistorischen Bergleute, bis hinein in die archäologischen Forschungsstollen durch die bronzezeitlichen Abbaukammern tief im Salzberg.
Begeistert von dieser Erfahrung hat sich Herr Gnauer dazu entschlossen, der Archäologie in und um Hallstatt eine eigene Radiosendung zu widmen. Im Studio von "Radio Orange 94.0" im  20. Wiener Bezirk fand bald darauf ein langes Interview mit Hans Reschreiter, Archäologe am NHM Wien und Leiter der Ausgrabungen im prähistorischen Bergwerk, statt. Über den eigenen abenteuerlichen Studienstart bis hin zu aktuellen Fragen und Ergebnissen in der Forschung rund um den Salzberg führt die Reise und lädt auch alle der Hallstatt Fernen zum Staunen und Gedanken-Machen ein. 

Zu hören ist die Sendung bis auf Weiteres im Podcastformat in Kurz- (https://cba.fro.at/513967) oder Langfassung (https://cba.fro.at/513964) - wir wünschen viel Spaß, und etwas Wissenszuwachs, beim Hören! 


von Hans Reschreiter und Valentina Laaha 

Mittwoch, 13. Oktober 2021

Geschichte der Dachsteinalmen – Bohren im Grafenbergsee

Um den Bedarf an Lebensmitteln für den prähistorischen Bergbau in Hallstatt decken zu können, sind ausgeprägte Versorgungsstrukturen notwendig. Durch die jahrzehntelange Forschung der Anisa sind viele prähistorische Fundstellen bekannt, die einen Beleg für Weidewirtschaft am Dachsteinplateau darstellen (Abb. 1).

Abb. 1 Prähistorische Fundstellen und rekonstruierte
Wegtrassen am Dachsteinplateau (Quelle: Anisa)

Um die Nutzung des Plateaus und der dort vorhandenen, natürlichen Almflächen noch besser verstehen zu können wurde beschlossen auch hier Umweltarchive heranzuziehen – wie im Hallstättersee. Die Wahl fiel auf den Grafenbergsee. Dieser liegt in der Nähe von Almflächen, von denen prähistorische Spuren bekannt sind.

Da der See nicht mit Fahrzeugen zu erreichen ist, wurde die Bohrplattform von der Firma UWITEC und die Bohrmannschaft mit dem Hubschrauber eingeflogen (Abb. 2).

Abb. 2 Transport der Plattform mit dem Helikopter
(Foto: D. Brandner - NHM Wien)

Die Plattform wurde in der Mitte des Sees verankert – und los ging es (Abb. 3 und 4). 

Abb. 3 Der Grafenbergsee mit Borhplattform.
(Foto: RGK Frankfurt)

Abb. 4 Der Grafenbergsee mit der Bohrplattform.
(Foto: RGK Frankfurt)

In 22 Metern Wassertiefe konnten zwei Bohrkerne von je sechs Metern Länge gezogen werden (Abb. 5 und 6). 

Abb. 5 Die Borhung. (H. Reschreiter - NHM Wien)

Abb. 6 Die ersten Borhkerne sehen
vielversprechend aus.
(H. Reschreiter - NHM Wien)

Die Aktion wurde von einem Team des ORF begleitet und der Bericht dazu wird am Donnerstag den 14.10 in „Guten Morgen Österreich“ in ORF 2 zwischen 7:00 und 9:00 zweimal ausgestrahlt. Am Abend kommt der Beitrag dann noch einmal in „Oberösterreich heute“ und ist danach sieben Tage in der ORF-TVThek nachzuschauen.

Nächste Woche werden die Bohrkerne an der Universität Innsbruck im bewährten Team geöffnet und die Analysen beginnen. Dadurch können wir schon in einigen Monaten mehr über die Geschichte der Almen am Dachstein berichten können.

Diese tolle Aktion war nur durch die Unterstützung der Almgenossenschaften am Grafenbergsee und der Schildenwangalm und der Österreichischen Bundesforste AG möglich. 


von Kerstin Kowarik
Beitragende: Valentina Laaha, Daniel Brandner, Hans Reschreiter

 

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Montag, 11. Oktober 2021

Vom Workflow bis zum Wasserfluss - Die Fundverwaltung 2021

Mit dieser Woche ist die heurige Grabungs-Kampagne im Hallstätter Bergwerk offiziell vorüber. Die letzten Fotodokumentationen, Sicherungen und Wintervorbereitungen sind gemacht und zu diesem Anlass wollen wir einen kurzen Überblick zu den wichtigsten Vorgängen und interessantesten Funden aus der Fundverwaltung 2021 geben. 

Fundmaterial in verschiedenen Stadien des
Waschens und Entsalzens auf der Waschanlage.
(Foto: C. Fasching - NHM Wien)
Unsere Fundwasch- und Entsalzungsanlagen, und die andauernde Diskussion über die letztendlich korrekte Bezeichung unserer einzigartigen Maschinen, sind wohl einer der bekanntesten Elemente der Hallstätter Fundverwaltung. Die Anlagen stellen aber nur einen Teil innerhalb der langen Kette an Abreitsschritten dar, die notwendig sind, damit aus sehr dreckigen Brocken untersuchbare Funde "werden". 

Daher war es ein Ziel der diesjährigen Kampagne den "Workflow der Fundverwaltung" möglichst vollständig schriftlich zu erfassen und zu visualisieren. Die daraus entstandene Graphik (siehe unten) hilft uns nicht nur einen Überblick über alle dargestellten Bereiche zu behalten, sondern hat auch zu erneuten Diskussionen und Evaluierungen einiger Bereiche geführt. Dieses regelmäßige Überdenken und neu Einrichten der Prozesse stellt dabei einen wichtigen Punkt für dynamische und zeitgemäße Forschung dar. Auch eine Kommunikation unserer Vorgehensweisen und Abläufe an neue Kolleg*innen wird so erleichtert und trägt damit zu einer allgemeinen Wissensbasis bei , die notwendig ist, um Fragen zu stellen und in konstuktive Gespräche zu treten.

Der visualisierte Workflow der Fundverwaltung vom Stand der Kampagne 2021.
Zu sehen sind auch erste Änderungen nach Entstehung der Graphik.
(Graphik: V. Laaha, H. Reschreiter - NHM Wien)

Eine Neuerung hat sich aber auch am Ende der Grabung ergeben, die es noch nicht bis in die Graphik geschafft hat. Dabei handelt es sich um Durchlaufbecken, die eine Art Mittelweg zwischen einer Entsalzung auf den Waschanlagen und dem Wasserbad darstellen. Dort werden vor allem Fundarten behandelt, die zwar mit größerer Vorsicht behandelt werden müssen, aber so viel Salz enthalten, dass ein Entsalzen im Bad zu lange dauern würde. Das betrifft derzeit vor allem Holz- und Knochenfunde. 

Die neue Durchlaufbecken-Station zur vorsichtigen aber
konstanten Entsalzung von Funden. (Foto: V. Laaha - NHM Wien)

Neben all den strukturellen Projekten kam aber natürlich auch das Bearbeiten von Fundmaterial und das Staunen über besonders einzigartige Funde und Objekte nicht zu kurz! Dieses Jahr neu für uns, auch nach bereits 4 Jahren "im Dienst", war die Arbeit an einer großen Menge an Material aus dem eisenzetilichen Bergbau in Hallstatt, speziell aus dem, davor zuletzt in den 1990er Jahren ergrabenen, Kernverwässerungswerk. Dabei kamen im bronezeitlichen Betriebsabfall seltene Fundgruppen wie, Knochen, Bronzefragmente, Exkrement und Keramik zum Vorschein, die für uns dadurch besonders spannend waren. Einige dieser Dinge wollen wir Ihnen in der folgenden Fotostrecke vorstellen. 

Ein größeres Textilfragment mit an den Rand angenähter, mehrfärbiger Borte.
Die Vermutung, dass es sich dabei um einen Ärmel handeln könnte wurde nach
einigen Auffaltungsaktionen im Zuge der Entsalzung wiederlegt. Der Name
"Nichtärmel" ist dem Stück intern aber geblieben. (Foto: C. Fasching - NHM Wien)


Das Fragment eines eisenzeitlichen Rucksacks aus Ziegenrohhaut.
In der Vergangenheit wurden auch vollständige Exemplare gefunden.
Von diesem Fund wurden Proben für eine DNA-Versuchsreihe entnommen. 
(Foto: C. Fasching - NHM Wien)


Ein gemustertes Textil aus dem eisenzeitlichen Kernverwässerungswerk.
Besonders interessant sind dabei die Musterwechsel innerhalb des Stücks.
(Foto: C. Fasching - NHM Wien)

Zahlreiche abgebrochene Pickelspitzen und Bronzefragmente aus
dem eisenzeitlichen Kernverwässerungswerk. Im älteren,
bronzezeitlichen Heidengebrige sind diese äußerst selten anzutreffen. 
(Foto: V. Laaha - NHM Wien)

Bruchstücke von steinchengemagerter Keramik, möglicherweise von,
zu dieser Zeit zum Kochen verwendeten, Kegelhalsgefäßen, aus dem
einsenzeitlichen Kernverwässerungswerk. 
(Foto: C. Fasching - NHM Wien)

Der Lappen eines eisenzeitlichen Lapenpickels. Letztes Jahr konnte ein,
im Vergleich massiveres, solches Stück auch aus dem bronzezeitlichen
Betriebsabfall des Christian-von-Tuschwerks
geborgen werden. Hier
lässt sich die (weiter-)Entwicklung der Bergbaugeräte also
besonders gut verfolgen. (Foto: V. Laaha - NHM Wien)

Ein Knochenfragment mit einer Schnitt- oder Hackspur.
Im eisenzeitlichen Betriebsabfall finden sich häufig
Reste der Nahrung der prähistorischen Bergleute. 
(Foto: C. Fasching - NHM Wien)

Damit verabschieden wir uns zwar von der heurigen Grabungskampagne, allerdings noch länger nicht von unseren Funden. Da ist das Ende nämlich eigentlich erst der Anfang und so werden die Objekte über die nächsten Monate ins NHM transportiert, gesichtet, sortiert, in dauerhafte Lagerungsmöglichkeiten verbracht und in die Datenbank aufgenommen, damit sie unserer, und der Forschung allgemein, zu Verfügung stehen. 


von Valentina Laaha und Christian Fasching