Dienstag, 1. September 2020

Sohlen, Firste, Ulmen - Die Ziele der Grabungskampagne 2020

Wie auch die letzten Jahre werden sich die Untersuchungen bei den diesjährigen Ausgrabungen im Salzbergwerk Hallstatt wieder auf die bronzezeitliche Abbaukammer an der Fundstelle der ältesten Holzstiege Europas, dem Christian von Tusch Werk konzentrieren. Die eigentliche bronzezeitliche Abbaukammer an dieser Stelle war mindestens 60m lang, 25m breit und 12m hoch, das ist aus den bisherigen Untersuchungen bekannt.  

Die genaue Größe und Geometrie der Abbaukammer ist für wissenschaftliche Untersuchungen essenziell, da darüber sehr viele Aussagen über Abbau und Betriebsleistung, damit auch über Transport, Logistik und Betriebsorganisation getroffen werden können. Die Ausdehnung der Hallen kann einerseits mittels Forschungsstollen, andererseits mit Prospektionsbohrungen untersucht werden.
 
Dreidimensionale Dokumentation der Forschungsstollen im Christian von Tusch Werk mit darüberliegender Rekonstruktion des bronzezeitlichen Abbauraumes in grün. In weiß die älteren Prospektionsbohrungen, in rot die des letzten Jahres. (Bild: D. Brandner - NHM Wien / Th. Simentschitsch - Salinen Austria AG

2019 wurde erfolgreich eine neue Technik für diese Bohrungen getestet. Damit kann, ohne die Bereiche freilegen zu müssen, festgestellt werden, wo die Verfüllmasse an Tagmaterial endet und die urgeschichtlichen Firste und Ulmen, also die Decken und Wände bestehen. Ein genaueres Bild der Geometrie der Abbaukammer ist eines der Hauptziele diesen Jahres.

Gebohrt wird in Richtung der vermuteten First oder Ulm durch das Tagmaterial. Die Zusammensetzung des Materials kann durch das lose Bohrsediment erstaunlich gut nachgewiesen und ein Erreichen der Decken und Wände, die aus Salz oder Haselgebirge bestehen, wird sofort erkannt.

Die Bohrungen des letzten Jahres waren erfolgreich. Aus dem Sediment lässt sich erkennen, ob die Grenze der Abbaukammer erreicht ist. (Bild: D. Brandner - NHM Wien)


Der Endstand im Nordvortrieb 2019. In dem über
6m hohen Profil ist mittlerweile auch der letzte
Begehungshorizont fassbar.
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)

Auch die Untersuchungen in den Vortrieben der letzten Jahre werden weitergeführt. Im Nordvortrieb konnte letztes Jahr nach der Wiedergewältigung und Erweiterung des Vortriebs ein Etappenziel erreicht werden, indem die Oberkante des letzten Begehungshorizontes vor Aufgabe der Abbaukammer durch eine Massenbewegung in der späten Bronzezeit gefunden und freigelegt wurde. Ziel ist es dieses Jahr, auch die Sohle, also den aus Salz bestehenden Boden der Abbaukammer zu finden. Mit diesem Wissen können die unterschiedlichen Benutzungsphasen genauer untersucht werden.

In der „Westend“ genannten Nische der Abbaukammer wird an die Untersuchungen im letzten Jahr angeschlossen. Der bronzezeitliche Betriebsabfall, in dem sich ungewöhnlich viele Grubenhölzer (insgesamt 72 Stück) und andere Funde befanden, wird weiter abgetragen und auch hier die Sohle freigelegt. Aus dem im letzten Jahr abgebauten Material kam bereits letzte Woche der erste kleine Sensationsfund zutage. Wer weiß, was uns in den nächsten Wochen noch alles erwartet...!
von Fiona Poppenwimmer
 
Die im "Westend" abgelagerten Grubenhölzer sind mittlerweile geborgen. Dieses Jahr werden die darunter liegenden Schichten an Heidengebirge ebenfalls abgebaut. (Bild: D. Brandner - NHM Wien)

 
 


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