Sonntag, 5. September 2021

Bergwärts in den tiefen Norden - Der Nordvortrieb 2021

Archäologen bei der gründlichen
Freilegung und Reinigung der Hölzer
des Versturzes in beengtem Raum.
(D. Brandner - NHM Wien)
Schon in den Jahren 2015 bis 2019 wurde im Nordvortrieb des Christian-von-Tuschwerkes ein Querschnitt durch den bronzezeitlichen Betriebsabfall angelegt, bei dem es galt, die Ausmaße des Selbigen zu erforschen. Dabei konnte das obere Ende der Halde und somit der letzte Begehungshorizont der Bergleute vor Aufgabe der Abbaukammer erreicht und freigelegt werden (wir berichteten). Im Vorjahr konnte durch Prospektionsbohrungen die Decke, die Firste, der Kammer entdeckt werden. Aktuell können wir eine Höhe dieses Abbauraumes von über 15 m nachweisen. Das entspricht einem 5-stöckigem Haus (siehe Grafik). 

Das untere Ende (die Sohle) sollte nun als nächstes gesucht werden. 
Wie immer ist auch die Gewinnung von Dendrochronologie-Proben für eine genaue Rekonstruktion der zeitlichen Abfolge der Fundstelle ein Ziel.

Bereits in den 2000er Jahren wurden Versuche unternommen die Sohle zu ergraben. Diese wurden aber vorläufig eingestellt, da große Grubenhölzer das Vorankommen erschwerten. Dieser ca. 2 m abgetiefte Bereich, das Gesenk, wurde 2020 wieder aufgefahren. 

Nachdem alte Verzimmerungsreste und nachgefallenes Bergmaterial entfernt wurden, konnten neue Schraubstützen zur Absicherung des Forschungsstollens gesetzt und eineFörderrutsche mittels Windenzug eingerichtet werden.


Ein Querschnitt dirch das Forschungsstollensystem mit den zwei
aktuellen Untersuchungsstellen (in rot hinterlegt). Die rechte Stelle
 zeigt das Gesenk im Nordvortrieb. (Grafik: D. Brandner - NHM Wien)

Daraufhin galt es den ehemaligen Stollen des Gesenks zu verbreitern, da er in den vergangenen 15 Jahren durch den Bergdruck erheblich schmäler geworden war. Um bis zu 30 cm pro Seite musste nachgerissen werden. Dabei konnten wir auch wieder einige Werkzeugfragmente, unter anderem von Pickelschäftungen und Sortierschwertern, des bronzezeitlichen Bergbaus auffinden. 


Ein Fragment einer gebrochenen
Pickelschäftung. Auf die Zinken
des Kopfeswurde eine Pickelspitze
ausBronze gesteckt.
(Foto: D. Brandner - NHM Wien)

Das abgehackte Stück eines dicken Seils, aus
 Lindenbast. (Foto: D. Brandner - NHM Wien)

Ein Sortierschwert für die Trennung von Salz und taubem
Gestein. (Foto: D. Brandner - NHM Wien)



Das Digitale Höhenmodell ist das Ergebnis langer
Grabungs- und Dokumentationsarbeit und
veranschaulicht gut die Situation im
Gesenk des Nordvortriebs.
(Grafik: D. Brandner - NHM Wien)

Hier fanden sich auch Spuren eines Vortriebs aus dem 18. Jahrhundert, von dem ein barockes Sohlbrett sowie ein großer Keil beim Nachreissen entdeckt werden konnten. Bereits 1999/2000 fand man in diesem Bereich Holzschwellen und barocke Stempelhölzer - das sind für die Stabilität der Stollen eingesetzte Baumstämme und Hölzer - des „alten Grubenoffens“, der vor 1748 angelegt worden war. 

Runde prähistorische Grubenhölzer einer Versturzsituation wurden in diesem Bereich im 18. Jahrhundert abgehackt und auch ein dickes Lindenbastseil hatte man gekappt. Dieses Seil gleicht an Dimension und Machart dem bereits bekannten, 12 m langen Förderseil aus derselben Abbaukammer und ist erst das zweite Lindenbastseil dieser Größe aus dem Christian-von-Tuschwerk.

Die Rundhölzer des prähistorischen Versturzes haben Durchmesser von 5-25 cm und wurden gründlich gereinigt, um ihre Formen und Ausrichtung bestmöglich dokumentieren zu können.   

Die Jahrringdatierung von zwei Hölzern an dieser Stelle des Vortriebs ergaben das Datum 1155 vor Christus. Damit ist dieser Bereich nicht nur der tiefste sondern auch einer der ältesten in der Fundstelle Christian-von-Tuschwerk.

Gewinnung einer Bohrkernprobe für die Datierung 
anhand der Jahrringe.
(Foto: D. Brandner - NHM Wien)



In der Kampagne 2021 soll nun das Gesenk, bis zum Ende des Nordvortriebs auf die Höhe des Holzversturzes erweitert werden. So hoffen wir, die Versturzreste möglichst großflächig dokumentieen zu können. Dabei werden wir auch der Sohle (dem originalen Boden der Abbaukammer) weiterhin folgen, um den Querschnitt durch den bronzezeitlichen Betriebsabfall bis zu seinem unteren Ende fassen zu können. Das soll uns helfen, die größe der ursprünglichen Abbaukammer, die Organisation, die Arbeitsabläufe aber auch den Alltag der prähistorischen Bergleute besser fassen und verstehen zu können.

Wir freuen uns auch weiterhin auf spannende Ergebnisse der Grabung!

Von Chrisoph Jezek 

                                                

 



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