Mittwoch, 16. September 2020

Von der Theorie in die Praxis - Eine Klimakiste für die Funde aus dem Salzbergwerk

Im Zuge meiner Diplomarbeit im Studiengang der Restaurierung und Konservierung auf der Universität für angewandte Kunst Wien „Prähistorische Gras- und Baumbastschnüre aus dem Salzbergwerk Hallstatt, Naturhistorisches Museum Wien“ habe ich mich mit den organischen Funden aus dem prähistorischen Salzbergwerk von der Bergung bis zur Lagerung im Depot des Museums auseinandergesetzt. Dadurch, dass diese Funde sehr selten sind, da sie unter ganz besonderen Bedingungen die Jahrtausende überdauert haben, brauchen sie auch besondere Konservierungsmaßnahmen. Dabei wurde auch ein neues Konzept für den Transport der Funde mittels Klimakisten aus dem Bergwerk erarbeitet und schon erste Versuche unternommen. Um ihre Praktikabilität zu überprüfen, wurden sie nun bei der Grabung vor Ort getestet.

Durch die eingesetzte Membran kann Wasserdampf, aber
kein Wasser entweichen. (Bild: C. Fasching - NHM Wien)

Als Klimakiste eignet sich eine transparente Kunststoffbox besonders gut, da von außen kontrolliert werden kann, wie sich die Funde verhalten und ob es zu einer Schimmelbildung kommt. Dies muss aufgrund des Schimmels, der im Salzbergwerk anzutreffen ist, überwacht werden (Gengler 2005, 167). Um das Klima kontrollieren zu können, kann ein Thermo-Hygrometer an die innere Kistenwand montiert werden, welches gut von aussen ablesbar ist. Wichtig für den Transport der Funde aus dem Salzbergwerk ist, dass die relative Luftfeuchtigkeit (rF) in der Kiste über 75 % liegen soll, um ein Kristallisieren der Salze in den Funden zu vermeiden. Dieses führt zur Schädigung der organischen Materialien. Indem die Kristalle durch die Fasern wachsen, werden diese dabei regelrecht gesprengt und dadurch in ihrer Festigkeit geschwächt (Gengler 2005, 73f). Durch anschließendes Bewegen kann es aufgrund der Scharfkantigkeit der Kristalle zur irreversiblen Schädigungen des Materials kommen. Diese Gefahr soll durch den Einsatz der Klimakiste vermieden werden.

Durch ein Thermo-Hygrometer lässt sich die Testreihe
überwachen. (Bild: C. Fasching - NHM Wien)

Um das Klima in der Kiste auf 75% rF zu halten, kann mittels einer übersättigten Natriumchloridlösung (NaCl), aufgrund der Deliqueszenzfeuchte (Steiger 2012), gearbeitet werden. Als Schutz vor dem Überschwappen der Salzlösung beim Transport muss diese in einem verschließbaren Gefäß aufbewahrt werden. 

Hierfür haben sich Tupperware®-Boxen als geeignet erwiesen, wobei der Deckel ausgeschnitten wurde und ganzflächig mit Sympatex®-Membran unterlegt wurde, welches durch das Verschließen der Box mit dem Deckel wasserundurchlässig abdichtet. Dadurch kann Wasserdampf durch die Poren der Membran aus der Box in die Kiste dringen, jedoch keine Wassertropfen.

Diese Tupperbox wurde anschließend in eine PE-Kisten gestellt und, um sie vor einem Verrutschen in der Kiste zu bewahren, wurde ein Boden aus Ethafoam zugeschnitten, welcher eine Aussparung für die Tupperbox mit der übersättigten NaCl-Lösung aufweist. Zusätzlich wurde der Deckel der Transportkiste mit einem Schaumstoff abgedichtet.

Um die gewünschte Funktion der Kisten zu überprüfen, wurden sie für einen längeren Zeitraum stehen gelassen, wobei die rF dreimal täglich erfasst wurde. Dabei zeigte es sich, dass die Salzlösung auf Temperaturschwankungen stark reagiert.

Im Büro im Salzbergwerk von Hallstatt werden die
Klimakisten zum Test bestückt.
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Der nächste Schritt bestand darin, eine Kiste ins Büro der Ausgrabung im Inneren des Salzbergwerks (die durchschnittliche rF im Bergbüro beträgt 66%) mitzunehmen. Dort wurde sie für einen halben Tag stehen gelassen, damit sie sich akklimatisieren konnte. Sobald die rF bei 83% lag, wurde sie mit Fundmaterial bestück. Dabei wurden auch Funde, die schon länger geborgen im Bergbüro aufbewahrt wurden, in die Kiste gelegt. Es zeigte sich, dass die rF in der Box eine halben Tag bei 69% blieb. Möglicherweise war das Gefäß mit der übersättigten NaCl-Lösung zu klein, um die Funde, die schon bei 66% waren, auf über 75% zu bringen. Deshalb wurde es dann mit einem zweiten Gefäß mit übersättigter Salzlösung unterstützt. Die rF stieg dann langsam auf 73%.

Aufbauend auf die erhaltenen Daten wurde die Transportkiste überarbeitet. So wird nun am Boden der Kiste eine Schicht aus mit übersättigter NaCl-Lösung getränktem Zellstoff gelegt, darüber kommt eine Gitterkiste in der die Funde gelagert werden können. Dadurch soll eine größere Oberfläche geschaffen werden, um schneller auf die gewünschte rF zu kommen. Auf ihre Tauglichkeit im Bergwerk muss sie noch getestet werden.

von Cordula Redl

Gengler, C. (2005): Prähistorische Textilien aus Hallstatt im Naturhistorischen Museum Wien. Untersuchung – Konservierung – Lagerung, Dipl. Arb., Universität für angewandte Kunst Wien. Wien.

Steiger, M. (2012): Deliqueszenzfeuchte. salzwiki.de/index.php/Deliqueszenzfeuchte (Abrufdatum: 29.3.2020).


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