Mittwoch, 27. November 2019

Ein Kübel und ich - Zwei Kübel!

Beide Kübel wurden knapp
nebeneinander im Christian von
Tusch Werk gefunden.
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Im Laufe der folgenden Tage wurde ein zweiter Kübel aus dem Berg geborgen. Anfangs wollte keiner so recht die Nachricht glauben, aber als wir ihn dann vor uns am Tisch stehen hatten war alles klar.

Zwei Kübel in einem Jahr! Aus dem gleichen Vortrieb. Nur wenig voneinander entfernt.

Er war zwar kleiner als der vorherige aber der Boden war noch vollständig erhalten. Wir planten genau so vorzugehen wie beim ersten Kübel: zuerst fotografisch und schriftlich dokumentieren, dann freilegen und stetig die Schichtprofile dokumentieren. Doch zuerst sollten noch DNA Proben genommen werden.

Donnerstags wurden DNA Proben vom zweiten Kübelfund genommen, sodass ich noch drei Tage Zeit gehabt hätte den Kübel freizulegen und in weiterer Folge zu entsalzen. Geplant wäre gewesen, dass ich Samstags nach Hause fahre, aber wie es in der Archäologie eben so ist, kann man nie wissen was sich tatsächlich unter der Oberfläche eines Objektes oder einer Schicht verbirgt und wieviel Zeit die Analyse plötzlich auftretender Anomalien in Anspruch nimmt... so kam es auch: am darauffolgenden Montag befand ich mich noch immer im Salzberghochtal. Es schien als wollte mich dieser Ort nicht loslassen und ich ihn nicht.

Nun gut, aber wir wollen die Geschichte von vorne beginnen: Ich fing also donnerstags an die Erd- und Gesteinsrückstände Schicht für Schicht aus dem Kübelinneren zu entfernte. Zuerst tastete ich mich an dem zweiten Teil des Trageriemen aus Rohhaut entlang, bis ich diesen komplett freigelegt hatte. So konnte ich sicher sein diesen bei weiteren Freilegearbeiten nicht zu beschädigen.

Der Trageriemen wurde auf DNA
Spuren beprobt.
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Am Trageriemen vorbei, trug ich die nächsten zwei Zentimeter Erdreich ab, als ich vermehrt auf Holzkohlestücke stieß. Sie waren vom umgebenden Erdreich, aufgrund ihres typischen Glanzes, gut zu unterscheiden. Die ersten kleinen Stückchen Holzkohle sammelte ich noch ein und sicherte sie in einer separaten Box. Doch die Holzkohlestücke wurden immer größer und größer je weiter ich in die Schicht vordrang. Schlussendlich hatte ich den Kübel beinahe zur Hälfte freigelegt, als mir eine flächendeckende Schicht Holzkohle entgegen glitzerte. Ungewöhnlich!

Ich zog zuerst Hans Reschreiter, unseren Ausgrabungsleiter und später Kerstin und Daniel hinzu. Dieser ungewöhnliche Fund legte den Arbeitsfluss erstmal lahm. Es galt das weitere Vorgehen zu besprechen und ja nichts zu überstürzen. Erst einmal musste die Schicht genau fotografiert und dokumentiert werden.

Wir hatten also das ganze Wochenende lang überlegt, diskutiert und Pläne geschmiedet. Montags fing ich an die Holzkohleschicht abzutragen. Sie war zirka 3 cm stark und mit feinem Lehmmaterial verfüllt. Die darunterliegende Schicht war wiederum voll von sehr vielen kleinen Salzbrocken und am Grund des Kübels lag ein riesiger Salzstein. Er war gute 4x7x2 (BxLxH) cm groß. Alles eher ungewöhnliche Begebenheiten, doch nach der dichten Holzkohleschicht wunderte mich eigentlich nichts mehr.

Glücklicherweise schaffte ich es noch vor meiner endgültigen Abreise den Kübel komplett freizulegen.

Nun bin ich wieder in Wien und die Uni hat wieder begonnen. Der Kübel wurde von meinen  Kollegen in Hallstatt noch fotografiert und zum Entsalzen ins Wasserbad gelegt.

Was dieser Kübel noch für Überraschungen bereit hält, wird sich in den kommenden Wochen noch zeigen. Ich bin auf jeden Fall unglaublich gespannt!

Ungewöhnlich ist die Verfüllung des Holzkübels aus dem Salzbergwerk in Hallstatt mit Leuchtspänen und Holzkohle. (Bild: D. Brandner - NHM Wien)


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