Donnerstag, 24. Oktober 2019

Ein Kübel und ich - Viele Überraschungen

Sophie, Studentin der Restauration und Konservierung an der Universität für angewandte Kunst, berichtet weiter über ihre Arbeiten an einem der Sensationsfunde der diesjährigen Grabungskampagne im Salzbergwerk von Hallstatt. (Anm. der Redaktion)
Der Arbeitsplatz ist eingerichtet - es
kann losgehen!
(Bild: S. Krachler - NHM Wien)
Bevor mit dem Kübel irgendetwas weiteres passieren konnte, stand die DNA Beprobung an. Diese wurde von den eingeschulten Kollegen Daniel Brandner und Fiona Poppenwimmer mittels steriler Tupfer und forensischer Klebestreifen durchgeführt.
Nun konnte meine Arbeit beginnen. Zuerst wurde eine genaue Fotodokumentation des Eingangszustandes gemacht. Mein Kollege Christian Fasching machte Fotoaufnahmen für ein dreidimensionales structure-from-motion-Modell, ich nahm einige Detailfotos und beschrieb den Zustand des Kübels schriftlich.
Als die Dokumentation des Vorzustandes fertig war, begann ich mit der Freilegung des ersten Viertels des Kübels. An der gebrochenen Stelle war er gute sechs Zentimeter geöffnet. Dort fing ich an das verfüllende Erdmaterial mit einer Federkelle Schicht für Schicht herauszustechen. 

All das abgetragene Material wurde in einer kleinen separaten Box gesammelt und beschriftet. Es sollte später in einem Wasserbad gewaschen und auf seine Zusammensetzung untersucht werden.
Im Profil wird klar: nur der halbe Boden
des Holzkübels ist noch vorhanden.
(Bild: S. Krachler - NHM Wien)
Als ich Kübelboden und -wänden näher kam, wechselte ich das Werkzeug. Ich bediente mich einer kleinen Spachtel aus Holz und Zahnstochern. So konnte ich vermeiden das Holz des Kübels zu beschädigen, sollte ich beim Abtragen der Erde mit dem Holz in Berührung kommen.
Wenn mir lose Holzfasern oder andere, sich von Lehm oder Erdrückständen abhebende, Fragmente entgegenkamen, entnahm ich sie mit einer Pinzette und legte sie ebenfalls in kleine, separat, verschliessbare Dosen dem anderen Erdmaterial bei. 

Alles was weitere Informationen über den Gebrauch des Kübels geben könnte, wurde also separat aufgehoben. Als das erste Viertel aus dem Kübel herausgenommen war, wurden Fotos von dem entstandenen Schichtprofil gemacht.
In dieser Manier - freilegen, Erdmaterial sichern und Schichtprofil dokumentieren - verfuhr ich bis der Kübel leer war. Im Laufe der Freilegung musste ich mit Erstaunen feststellen, dass sich in dem Kübel nur der halbe Boden befand.

Aus sich der Restauratorin: unter der
Lupenlampe wird der Kübel vorsichtig
von den letzten Erdresten befreit.
(Bild: S. Krachler - NHM Wien)
Die Beprobung des Kübelbodens auf Metallrückstände fand trotzdem statt. Dazu wurden vier kleine Holzfasern und ein wenig Erdmaterial, das direkt mit dem Boden in Berührung gewesen war, entnommen. Diese sollen noch genauer untersucht werden.
Sobald der Kübel leer war, wurde er in ein Wasserbad gelegt um ihn zu entsalzen. Das Wasserbad wurde regelmässig gewechselt und die Oberfläche des Kübels mit Pinseln von den letzten Resten des Erdreiches befreit. Dabei kam noch etwas Erstaunliches zutage. Eine Markierung! Die aus drei waagerechten und einer diagonal verlaufenden Kerbe bestehende Markierung war vom Lehm und Dreck verfüllt gewesen und deshalb nicht schon früher sichtbar.
Wir sind gespannt, was der Kübel uns noch alles an Information preisgeben wird!
von Sophie Krachler
Eine Markierung an der Wand des Holzkübels aus Hallstatt gibt den Archäologen Rätsel auf.
(Bild: S. Krachler - NHM Wien)


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