Dienstag, 8. Oktober 2019

Ein Kübel und ich - Untersuchung eines besonderen Fundes

Hallo, darf ich mich kurz vorstellen? Mein Name ist Sophie. Ich komme aus Niederösterreich und studiere Konservierung und Restaurierung an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Der Schwerpunkt meines Studiums liegt im Erhalt von Kunst- und Kulturschätzen des privaten und öffentlichen Raumes. Ich habe mich bisher mit Materialien wie Holz, Glas, Metall und Keramik auseinandergesetzt, möchte mich nun aber auf organische Materialien spezialisieren und habe außerdem ein großes Interesse am Fachbereich für „Human Remains“, also menschliche Überreste im musealen Kontext. 


Auf die Ausgrabung in Hallstatt bin ich über Hans Reschreiter gekommen. Ich hatte, auf der Suche nach einem Praktikum mit Schwerpunkt auf organische Materialien, einfach eine E-Mail an ihn geschrieben. Er lud mich zu einem ersten klärenden Gespräch ins Naturhistorische Museum ein und schnell war klar, dass ich das richtige Praktikum für den Sommer gefunden hatte. 

Mit Sediment verfüllt und aus dem Betriebsabfall der Bronzezeit
geborgen, ist die Einzigartigkeit dieses Fundes noch schwer zu
glauben. (Bild: S. Krachler - NHM Wien)
Meine erste Woche hier in Hallstatt war vorüber und ich hatte mir schon einen ersten Überblick über die Arbeitsprozesse hier oben verschaffen können, als eines Abends die Kollegen und Kolleginnen mit erstaunlichen Neuigkeiten von ihrer Schicht im Berg zurückkamen. Sie hatten einen unglaublichen Fund gemacht: einen Kübel! Angesteckt von der alles einnehmenden Euphorie zog es mich auch zu dem neuen Fund - ich wollte wissen, wieso alle so begeistert waren. 

Als sich die ganze Crew in der Fundverwaltung eingefunden hatte, fing Hans an zu erklären: dies sei zwar „schon“ der fünfte Kübel, aber der erste seit sechs Jahren! Außerdem war er beinah doppelt so groß wie alle bisher gefundenen. Natürlich hatte ich schon über so spektakuläre Funde gelesen, aber nun hautnah an einem frischen Fund dran zu sein, war nochmal ein ganzes Stück spannender. 

Der Trageriemen könnte, eingebettet in feines Sediment, die
DNA seines letzten Trägers oder Trägerin konserviert haben.
(Bild: S. Krachler - NHM Wien)
Beim Abendessen wurden die weiteren Schritte besprochen: Klar war, dass von dem Trageriemen eine DNA Probe genommen werden sollte. Man erhofft sich, die DNA des letzten Kübelträgers, oder -trägerin zu finden. Denn Erbgutinformationen wie Alter und Geschlecht eines Menschen, die man in der DNA finden kann, sind essenziell, um die Zusammensetzung und das Leben der prähistorischen Bergbaugesellschaft besser verstehen zu können. 

In weiterer Folge sollte der Kübel freigelegt werden. Der Kübelboden sollte auf Abnutzungsspuren durch bronzenen Pickelspitzen und eventuelle Rückstände derselben untersucht werden und schlussendlich musste der gesamte Kübel entsalzt werden, um noch länger erhalten zu bleiben. An dem selben Abend wurde mir offenbart, dass man mich mit der Freilegung und Dokumentation des Kübels betrauen wollte. 

Ich freute mich ungemein, mit so einer einzigartigen Arbeit beauftragt zu werden! Wie ich den Kübel und die in ihm verborgene Information konserviert habe, erzähle ich etwas ausführlicher im nächsten Beitrag.
von Sophie Krachler 

Der Boden des Kübels weist Abnutzungen auf, die vermutlich vom Hineinstellen der darin transportierten, bronzenen Pickelspitzen stammen. Nun werden Proben genommen, die metallurgisch untersucht werden sollen. (Bild: S. Krachler - NHM Wien)

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