Dienstag, 3. September 2019

Zu Besuch in der Bronzezeit

In den Forschungsstollen
vergisst man schnell, wie alt
und einzigartig das
umgebende Material ist.
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Die exzellenten Erhaltungsbedingungen für menschliche Hinterlassenschaften im Salzbergwerk von Hallstatt erlauben einen tiefen Einblick in Bereich des prähistorischen Lebens, welche uns normalerweise verborgen bleiben und machen es so zu einer der faszinierendsten uns bekannten archäologischen Fundstellen. Dementsprechend groß war die Begeisterung, als der leitende Archäologe der dortigen Ausgrabung Mag. Hans Reschreiter uns – die drei Archäologiestudenten Michael, Sebastian und Felix – zu einem dreitägigen Praktikum nach Hallstatt einlud. 

Am 20.08.2019 kamen wir in der Unterkunft der in Hallstatt arbeitenden ArchäologInnen an. Diese befindet sich direkt am Berg in unmittelbarer Nähe der Stollen, in denen Forschung betrieben und vermittelt wird. Nachdem wir uns eingerichtet hatten, erhielten wir in der Fundverwaltung einen ersten Einblick in das Spektrum der materiellen Hinterlassenschaften aus dem Salzbergwerk. Dabei treten die Funde in so großen Mengen auf, dass man beim Sortieren der Leuchtspäne Gefahr läuft, zu vergessen, dass eben jenes Stück Holz, dass man gerade in der Hand hält, vor ungefähr 3000 Jahren von einem prähistorischen Menschen verwendet wurde. Ein unglaublich faszinierender Gedanke! 


Der Presslufthammer ist das
Mittel der Wahl bei den
Ausgrabungen im
Salzbergwerk von Hallstatt.
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Später durften wir bei der Vorbereitung der geophysikalischen Prospektion im Kaiser-Josef-Stollen helfen. Anhand elektrischer Widerstandsmessungen gelangt man nämlich an Erkenntnisse über die Art von Gestein und Sediment – es wird sozusagen versucht, den Berg zu „röntgen“. 

Am nächsten Morgen ging es weiter zur bronzezeitlichen Ausgrabung im Christian-von-Tusch-Werk. Dort beteiligten wir uns am Errichten der Infrastruktur für die anstehenden Grabungsarbeiten. Dies umfasste unter anderem die Vorbereitung der Presslufthämmer. Die üblichen archäologischen Werkzeuge wie Kellen und Schaufeln sind dem Verfüllungsmaterial des prähistorischen Bergwerks nämlich nicht gewachsen. 

Dieses besteht aus einer durch Bergdruck stark komprimierten Masse aus Gips, Lehm, Salz und Funden. Mithilfe des Presslufthammers gelingt es jedoch, Stollen in dieses feste Sediment zu treiben, wie es derzeit in einer urgeschichtlichen Abbauhalle der Fall ist. So ist es den Forschern möglich, die Schichten dieses ungefähr 25x50 Meter großen und 8 Meter hohen, verschütteten Raumes von „unten nach oben“ zu ergraben – eine Richtung, die man als Archäologe ansonsten nicht gewöhnt ist. 


Im Heidenbgebirge, das
vor allem aus abgebrannten
Leuchtspänen besteht,
versteckt sich noch so
manch anderer Fund.
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Den Nachmittag verbrachten wir hauptsächlich damit, aussagekräftige Funde aus dem abgebauten Material zu sortieren. Den größten Anteil der menschlichen Hinterlassenschaften im Bergwerk bilden dabei Objekte aus Holz, vor allem Leuchtspäne. Ein entscheidendes Kriterium für die Bedeutung solcher Funde ist die Anzahl der erhaltenen Jahresringe: Sind es genügend kann man bei erhaltener Waldkante das Jahr, in dem der Baum gefällt wurde, bestimmen. Neben Leuchtspänen kamen auch Pickelfragmente sowie Lederstücke und Grasschnüre zum Vorschein. 

Den krönenden Abschluss unseres Aufenthalts in Hallstatt bildete eine äußerst informative Führung von Mag. Hans Reschreiter durch das Salzbergwerk. So erhielten wir zu guter Letzt noch einen Einblick in die Erkenntnisse, die sich aus den Funden und Befunden, mit denen wir die vergangenen Tage gearbeitet hatten, über den prähistorischen Alltag im Bergwerk gewinnen lassen. Besonders beeindruckend waren dabei die Werkzeuge, welche sich von allen anderen zu dieser Zeit grundlegend unterscheiden und teilweise auch eine komplett andere, auf den Salzabbau und -transport zugeschnittene Technik, anders als in anderen Bergbauen, vermuten lassen. 

Während unseres Aufenthalts war es nicht zu übersehen, dass im Salzbergwerk von Hallstatt großer Wert darauf gelegt wird, in Sachen Forschung und Vermittlung immer auf dem neuesten Stand zu sein. Man darf also wirklich gespannt sein, welche Erkenntnisse uns dieser einmalige Fundort noch über das prähistorische Leben liefern wird.


von Sebastian Kampel, Felix Lettner und Michael Schwarz

Die hochmotivierten Praktikanten vor dem Mundloch des Kaiserin-Christina Horizontes in Hallstatt. (Bild: J. Armbruster - NHM Wien)

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