Freitag, 9. August 2019

Forschung die unter die Haut geht - Praktikum in der Hallstattforschung

Praktikant Jonas bereitet sich auf
seine erste Aufgabe im
Naturhistorischen Museum Wien
vor.
(Bild: H. Reschreiter - NHM Wien)
Ich bin Jonas und studiere im sechsten Semester Waldwirtschaft und Umwelt an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg. Vor etwa einem Jahr kam ich nach Wien um im Rahmen des Erasmusprogramms für zwei Semester an der BOKU zu studieren, wo ich in Kontakt mit der Umweltgeschichte kam. Dieses noch relativ junge, interdisziplinäre Forschungsfeld untersucht die Wechselwirkungen von Gesellschaft und dem Rest der Natur in der Vergangenheit. 

Auf der Suche nach einer Praktikumsstelle in diesem Bereich, dachte ich sofort an das Naturhistorische Museum. Ich schrieb zunächst Dr. Karin Wiltschke-Schrotta, die Abteilungsdirektorin der Anthropologie an, die mich dann freundlicherweise an Dr. Kerstin Kowarik, Projektmitarbeiterin in der Prähistorischen Abteilung und Projektleiterin von „FACEALPS – 3500 Jahre Mensch-Umwelt-Beziehung rund um den Hallstätter See“ weiterleitete. 

Ein paar Monate später sitze ich nun in der Prähistorischen Abteilung des Naturhistorischen Museums und bin gespannt was in den nächsten Wochen auf mich zu kommt. Ich freue mich heuer als Praktikant dabei zu sein und den WissenschaftlerInnen über die Schultern zu schauen. 

Erste Schritte beim Entfleischen
der Kuhhaut in der Abteilung
für Präparation des NHM Wien.
(Bild: H. Reschreiter - NHM Wien)
Schon das erste Projekt an dem ich mitarbeite geht wortwörtlich „unter die Haut“. Genauer gesagt: Unter eine Kuhhaut. Wenige Stunden nach der Schlachtung der Kuh, liegt das Fell auf dem Tisch des Mazerationsraumes bei den Kollegen der Präparation. 

In ein paar Wochen soll daraus ein Boot werden, doch bis es soweit ist, stehen noch einige Bearbeitungsschritte an. Der Erste lässt nicht lange auf sich warten, da das restliche Fleisch, das noch an den Gewebeschichten hängt, ansonsten zu gammeln anfängt. 

Ein Kollege aus der Präparation führt mich in die Bearbeitung von Tierhäuten ein. Anfangs läuft es noch etwas schleppend und hier und da schneide ich ein kleines Loch durch die Haut, doch nach und nach haben sich die Bewegungsabläufe eingespielt. Man lernt das Werkzeug und die Technik schnell kennen. 

Für die nächsten zwei Tage heißt es dann Schneiden. Etwa 6 Quadratmeter Kuhhaut bearbeiten wir in mühevoller Handarbeit in dieser Zeit. Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen. 

Das nun deutlich leichtere, aber dennoch schwere Fell soll im nächsten Schritt enthaart werden. Dafür bereiten wir eine große Wanne mit einer Lösung mit Calciumhydroxid (gelöschtem Kalk) vor, in die wir dann das Kuhfell geben. In dieser Lösung bleibt es nun mehrere Tage, mindestens aber so lange, bis die Haare sich mechanisch leicht entfernen lassen. 

Achja: wozu wir ein Boot bauen? Das erfahrt ihr hier in den nächsten Wochen.

von Jonas Armbruster

Die abgezogene Kuhhaut in ihrer vollen Größe - viel Arbeit für Praktikant Jonas.
(Bild: H. Reschreiter - NHM Wien)

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