Donnerstag, 11. Oktober 2018

Fünf Wochen, fünf Meter - Der Nordvortrieb

Der Vortrieb ist nach fünf Wochen Ausgrabung nun um 2 Meter höher.
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Nach gut fünf Wochen Arbeit erkennt man den anfangs engen und niederen Forschungsstollen kaum wieder. Der Nordvortrieb wurde auf insgesamt fünf Metern Länge um bis zu zwei Meter überhöht um das Querprofil durch die bronzezeitlichen Ablagerungsschichten bis zur letzten Benutzungsphase zu erweitern.

Entgegen den Erwartungen wurde die Heidengebirgsschicht gegen Norden noch massiver und weist an der Ortsbrust, dem aktuellen Ende des neu aufgefahrenen Bereiches, eine Höhe von insgesamt 5,5 Metern auf, wobei wir in diesem Bereich immer noch nicht die Sohle der Abbaukammer kennen.
Thomas Gatt durchsucht das abgebaute Heidengebirge und sortiert die Funde aus.
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)

Blick auf die First: inmitten des Schachtverbruchs wurde ein eingeschlagener Holz-
pfosten entdeckt. (Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Ein Brocken des faserigen Materials in den Ablagerungsschichten im Nordvortrieb.
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Julia Klammer und Roman Lamprecht vermessen die diesjährige Vortriebsleistung.
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Nach Grabungsende werden die Ulmen fotografisch dokumentiert und zu
einem großen Profil zusammengesetzt in dem die unterschiedlichen
Ablagerungsschichten eingezeichnet werden
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)


Die in den Vorjahren festgestellten Ablagerungsschichten konnten weiter nach Norden verfolgt und separat abgebaut werden. Das Heidengebirge wurde direkt in große Wannen geschrämt und im Berg auf der sogenannten Förderrutsche nach Funden durchsucht. Die Analyse und Quantifizierung des überaus zahlreichen Fundmaterials wird eine nähere Charakterisierung der Schichten im Hinblick auf ihre Entstehung erlauben. Einige Funde werden demnächst in einem eigenen Blogbeitrag vorgestellt.

Nach Abbau der letzten Benutzungsschicht kamen darüber wiederum große Konstruktionshölzer, zersplitterte Rundhölzer, sowie heruntergefallene Stiegenteile zum Vorschein. Dabei handelt es sich um die Fortsetzung des großen Holzhaufens der zusammengestürzten Schachteinbauten, dessen Durchmesser nun wiederum um ein Beträchtliches nach oben korrigiert werden muss. Die Lage der Hölzer ist hier allerdings nicht mehr ganz so dicht wie im südlichen Bereich der Fundstelle, weshalb wirein allmähliches Ausdünnen des Schachtverbruchs Richtung Norden vermuten.

Sehr spannend war die Entdeckung eines in das Heidengebirge der letzten Nutzungsphase eingeschlagenen, unten zugespitzten Holzpfostens, welcher vermutlich Teil einer aufgehenden Konstruktion am Boden der Abbaukammer war. Aufgrund des darüberliegenden Schachtverbruches konnten wir allerdings sein oberes Ende noch nicht freilegen, weshalb weitere Details zu seiner Funktion reine Spekulation wären.

Zur Identifikation von Funktionsbereichen innerhalb der Kammer lieferte heuer die Entdeckung zahlreicher Brocken faserigen Sedimentes innerhalb der Ablagerungsschichten, die sich aufgrund ihrer homogenen Zusammensetzung eindeutig vom restlichen Betriebsabfall abheben, einen wichtigen Beitrag. Sie enthalten neben Tierhaaren und feinen Wollfasern vor allem feinste Pflanzenfasern, wobei es sich wahrscheinlich um den Abrieb von Lindesnbastseilen handelt, welche zur Förderung im Schacht verwendet werden.

Experimente mit nachgebauten Bastseilen erbrachten sehr ähnliches Abriebmaterial weshalb die Vermutung bestätigt scheint, dass der aktuell untersuchte Bereich direkt unterhalb des sogenannten Fördertrums, dem Schachtbereich in dem sich das Förderseil befindet, liegt. Diese These unterstützen darüber hinaus zahlreiche Holzkeile, Wieden (Bindematerial aus Ästen) und nicht zuletzt die große Zahl an Hackscharten aus demselben Bereich, die vermuten lassen, dass hier frisch von ober Tage angeliefertes Grubenholz für seine weitere Verwendung zugerichtet wurde.

Nach der abschließenden Vermessung des Vortriebes und der fotografischen Dokumentation ruhen die Arbeiten am Querprofil durch die Abbaukammer nun bis nächstes Jahr und die Auswertung der erhobenen Daten sowie die Analyse des Fundmaterials können beginnen.

Aufgrund der vielversprechenden Ergebnisse ist in den nächsten Jahren eine Fortsetzung des Aufbruches, also der Überhöhung des Vortriebes, bis zu deren nördlichen Ulm geplant von der uns noch gut sieben Meter Heidengebirge trennen. Es wartet also noch einiges an Arbeit auf uns, aber wer weiß, was für Aufschlüsse und diese sieben Meter Betriebsabfall noch liefern werden.

von Daniel Brandner

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen