Donnerstag, 13. September 2018

Phasenweise spanreich - Der Nordvortrieb

Heute beginnen wir mit der Vorstellung unserer Arbeitsstellen im Salzbergwerk von Hallstatt. Den Anfang macht - wie könnte es anders sein -  Vortrieb Nummer 1, genannt "Nordvortrieb".

Der bestehende Nordvortrieb (Blick Richtung
Süden) vor Beginn der Arbeiten 2016.
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Wie bereits in den vergangenen zwei Jahren wird auch heuer wieder im Nordvortrieb der Fundstelle Christian-von-Tusch-Werk weiter gearbeitet. Der Vortrieb wurde bereits in den 90er Jahren, zu Beginn der Untersuchungen dieser bronzezeitlichen Abbaukammer aufgefahren, um deren Querausdehnung zu erfassen. Er stellt einen Querschnitt durch den prähistorischen Betriebsabfall (Heidengebirge) dar, welchen er auf 25 Metern Länge in der Breite schneidet. Allerdings zeigen die Profile ab der Hälfte der Vortriebslänge zu allen Seiten nur noch Heidengebirge. Die Sohle (der Boden der Abbaukammer) oder der letzte Benutzungshorizont werden nicht erschlossen. Das liegt daran, dass der abgebaute Hohlraum, sowie die darin abgelagerte Halde in diesem Bereich um einiges größer sind als im bereits besser erforschten, südlichen Bereich der Fundstelle.

Die bislang freigelegte Gesamthöhe des bronzezeitlichen Betriebsabfalls im Bereich der aktuellen Arbeiten beträgt immerhin gut fünf Meter.
Um nun mehr Informationen über die Dimension und Nutzung dieses Teilbereiches der Abbaukammer zu erfahren, wird seit 2016 daran gearbeitet den bestehenden Nordvortrieb zu erweitern, um einen kompletten Querschnitt durch diese massive Heidengebirgsablagerung anzulegen.

Der Abbau des Heidengebirges erfolgt, getrennt
nach Schichten, mit dem Presslufthammer.
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)
Zunächst wird der existierende Forschungsstollen um gut 1,5 m überhöht, also nach oben hin erweitert. Dazu werden die unterschiedlichen Ablagerungsschichten separat abgebaut und die Interfaces (Schichtober- bzw. unterkanten) jeweils dreidimensional dokumentiert. Dies alles passiert, im Vergleich zu einer "normalen" archäologischen Ausgrabung in verkehrter Reihenfolge, also von unten nach oben.

Dabei können nicht nur die letzte Begehungsphase der Abbaukammer vor ihrer Verschüttung um ca. 1000 v. Chr. erfasst, sondern auch die davorliegenden Nutzungsphasen näher charakterisiert werden. Mit viel taubem Gestein durchsetzte Halden von Abbauphasen und Begehungshorizonte mit dicht liegenden abgebrannten Leuchtspänen wechseln einander ab und die Quantifizierung der darin enthaltenen Funde ermöglicht eine Definition von Aktivitätsbereichen innerhalb der Abbaukammer.

Aktuell wird gerade die Unterkante der letzten Benutzungsschicht freigelegt. Dabei handelt es sich um eine Begehungsschicht, die vermutlich in einer Zeit entstand, als der eigentliche Salzabbau bereits in einem tiefer liegenden Abbauraum erfolgte. Die aktuell untersuchte Kammer, die 100 Meter unter Tage liegt, wurde zu diesem Zeitpunkt als Durchgang für den Transport von Salz an die Oberfläche und die Anlieferung von Betriebsmitteln genutzt. Direkt auf dieser letzten Ablagerungsschicht sollte im Bereich des Nordvortriebs ein Teil des verstürzten Schachteinbaues liegen, welcher durch das eindringende Tagmaterial zum Einstürzen gebracht wurde.

Wir sind gespannt und berichten über den weiteren Grabungsfortschritt in einem der nächsten Beiträge in dem wir auch einige spezielle Funde aus dem Nordvortrieb vorstellen werden.
von Daniel Brandner
Durch die Erweiterung des Vortriebes soll ein Querschnitt durch den kompletten
bronzezeitlichen Betriebsabfall erreicht werden. Über dem letzten Begehungshorizont liegen
Konstruktionshölzer des verstürzten Schachteinbaues (Blick Richtung Norden).
(Bild: D. Brandner - NHM Wien)

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