Donnerstag, 12. Mai 2016

Von Funden und Befunden – Heureka! Auf in die dritte Dimension



Mit einem Exkurs über den Stellenwert der Dokumentation in der archäologischen Arbeit haben wir unsere Reihe „Von Funden und Befunden“ eröffnet. Aufgrund eines Durchbruchs in der digitalen Dokumentation unterbrechen wir kurz unsere Berichterstattung aus dem Hochtal und bitten unsere Vermessungsexpertin Julia Klammer zu Wort, über diese – für uns gar nicht mal so kleine – Sensation. (Red.)

Vermessung im Berg
(Bild: A.W. Rausch - NHM Wien)
Endlich ist es geschafft: nach mehreren Jahren ist es nun endlich gelungen, herkömmliche zweidimensionale Profilzeichungen in 3D-Daten zu verwandeln.
Vor Entwicklung der heutigen technischen Geräte und Programme zur Dokumentation archäologischer Grabungen, war die einzige Möglichkeit den Befund darzustellen, ihn zu zeichnen. Auch heute wird, neben den digitalen Verfahren – wie beispielsweise entzerrte Fotografien oder lagegenaues Vermessen der Funde und Schichtverläufe und deren Darstellung in dreidimensionalen Computermodellen – zwar immer noch gezeichnet, wenn auch längst nicht mehr so häufig wie früher. 
Alle Verfahren bieten natürlich sowohl Vor- als auch Nachteile. Viele Befundumstände können auf Zeichnungen deutlicher dargestellt werden als auf Fotos, da der Zeichner oder die Zeichnerin sie, von Licht und anderen Bedingungen unabhängig, so abbilden kann, wie sie wahrgenommen werden. Darin liegt aber auch schon ein Nachteil der Zeichnung: sie ist und bleibt immer sehr subjektiv. Die digitale Dokumentation dagegen ist objektiver, dafür braucht ihre Interpretation meist deutlich mehr Vorkenntnisse.

Vor allem im Berg ist die Dokumentation immer eine spezielle Herausforderung. Die Platz- und Lichtverhältnisse, die sich durch den Bergdruck bewegenden Vermessungspunkte und so weiter, machen es notwendig, des Öfteren innovativ im Hinblick auf unsere Methoden und Techniken zu sein.
Ein Problem hat uns nun viele Jahre beschäftigt. Wir haben die Grabungen in der vordigitalen Zeit mit Zeichnungen – oft sehr detailliert – dokumentiert. Diese Plan-Zeichnungen geben sehr genau die Lage der Funde, also vor allem zurückgelassener  Geräte wieder und damit auch die Ablagerungsschichten der Bergleute in prähistorischer Zeit.

Um diese vielen Informationen in die neuen digitalen und dreidimensionalen Übersichtspläne einhängen zu können, fehlte bisher die Technik. Damit waren diese Daten nur eingeschränkt verwertbar, was speziell bei Profilzeichnungen der Fundstellen, die durch ihren Erhaltungszustand nicht mehr zugänglich sind, ein herber Verlust wäre.
Die neue Methode schafft hier Abhilfe. Ihre Ergebnisse — dreidimensionale Profile zweidimensionaler Plandokumentationen — bieten auf dieser Basis nicht nur einen optischen Eindruck der Fundortsituation, sondern liefern auch handfeste Fakten, auf denen interpretative Arbeiten aufgebaut werden können. 
Bisher war es zwar so, dass die Profile sehr detailliert und präzise aufgenommen wurden, von den dazwischenliegenden, flächigen Schichten und den darin gefundenen Objekten, war nach der Ausgrabung nur noch die eingemessene Lage der Funde bekannt. Kann man allerdings nun zwei Profile dreidimensional miteinander verbinden, ist es möglich eine durch beide Profile verlaufende Schicht zu interpolieren, also ihren ungefähren Verlauf darzustellen. Anhand dieses Entwicklungsschrittes konnte nun eine große Hürde in Richtung Verarbeitung und Aufbereitung konventioneller Grabungsdokumentationen genommen werden.

Als Nächstes wird nun an der Veröffentlichung dieses Wissens gearbeitet. So soll zunächst ein ausführlicher Artikel die praktischen Anwendungsmöglichkeiten veranschaulichen. Als Beispiel werden hierfür die umfangreichen Dokumentationen des Kilbwerks herangezogen. Dabei handelt es sich um einen hallstattzeitlicher Fundort, dessen Pläne einer Abbauhalle darauf warten, weiter bearbeitet zu werden. Zeitgleich wird auch an der Entwicklung eines Programms gearbeitet, dass frei zur Verfügung gestellt werden soll und die digitale Verarbeitung zweidimensionaler Zeichnungen vereinfachen wird. 
Es bleibt zu hoffen, dass die Unternehmungen gelingen mögen und wir verbleiben mit einem Glück auf! 
(von Julia Klammer, Hans Reschreiter und Fiona Poppenwimmer)



Dreidimensionale Visualisierung eines gezeichneten Plans des Bergwerks
(Bild: J. Klammer - NHM Wien)
 

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