Donnerstag, 5. Mai 2016

Auf ein Neues! Rochade in der Redaktion

Aufmerksame Leser werden es vielleicht schon bemerkt haben: Carmen Löw hat die Redaktion des Stiegenblogs an Fiona Poppenwimmer weitergegeben. Heute haben sich alte und neue Redakteurin gegenseitig ein paar Fragen zum Stiegenblog, seiner Zukunft und neuen Projekten gestellt. (Red.)

CL: Wie lange arbeitest Du denn nun schon mit am Stiegenblog?

FP: Nach meiner ersten Grabungskampagne in Hallstatt, bei der ich schon stark in die Dokumentation der Stiege involviert war, habe ich angefangen für den Stiegenblog zu schreiben, also so ziemlich von Anfang an. So konnte ich nach und nach in das Projekt hineinwachsen.

CL: Fandest Du das von Anfang an gut, über Deine Arbeit zu bloggen?

FP: Ich habe mich total gefreut als Hans Reschreiter und Du mich gefragt habt, ob ich im Blog schreiben will. Nachdem ich damals gerade in den Job eingestiegen war, war sowieso schon mal alles neu und aufregend, wenn man dann aber gleich so eine Gelegenheit bekommt, ist das natürlich super. Großartig finde ich am Bloggen auch, dass man damit Leuten unsere Arbeit vermitteln kann, die man sonst vielleicht gar nicht erreichen würde. Ich hab mich nur erst ein wenig an das Medium gewöhnen müssen.

CL: Was war denn dabei die Herausforderung?

FP: Ich habe mir sehr viele Gedanken gemacht, wie ich in einem Blog über Forschungsarbeit den richtigen Ton treffen kann. Man schreibt dabei schließlich über wissenschaftliche Themen und muss dementsprechend den Spagat zwischen Plauderton und Kompetenz schaffen. Ich fand es aber gerade sehr schön, dass man ein bisschen so schreiben kann wie einem der Schnabel gewachsen ist – wenn auch gemäßigt.

CL: Was hat Dir dabei am meisten geholfen?

FP: Eigentlich Dein Tipp, dass man schreiben soll, als ob man es einem guten Freund erzählt. Weil man dabei einerseits so schreiben muss, dass sich auch jemand, der nicht bis über beide Ohren im Fach Archäologie steckt und sich dementsprechend auskennt und zweitens ist man dann auch in der Wortwahl einfach lockerer und lustiger.

CL: Du hast ja jetzt eigentlich schon die Redaktion übernommen und machst das nun seit ein paar Wochen. Gibt es etwas worauf Du Dich jetzt besonders freust?

FP:Hauptsächlich freue ich mich auf die Ideenfindung für Postings, den Kontakt und die Zusammenarbeit mit Leuten aus den verschiedensten Fachbereichen, die ich motivieren will, bei uns zu schreiben.
Außerdem dürfen Hans Reschreiter und ich jetzt einmal im Monat einen Blogpost für den Online-Standard schreiben, was natürlich auch eine spannende Herausforderung ist.
Und natürlich freue ich mich auch wieder besonders auf das Berichten in Echtzeit von der Grabung selbst.

CL: Was ist denn so toll an dem Echtzeit-Bericht?

FP: Ich habe die Details dann noch sehr frisch im Gedächtnis hat und so vielleicht auch über vieles schreibt, was man in einem lange überlegten Posting rauskürzen würde. Und man bekommt die direkte Rückmeldung zu der Arbeit die man gerade tatsächlich durchführt. Außerdem fließen die Überlegungen für den Blogpost dann auch schon in die Arbeit mit ein.

CL: Wirst Du als Redakteurin etwas anders machen als bisher?

FP: Da ich im Bereich der Wissenschaftskommunikation bis auf meine Mitarbeit am Stiegenblog noch wenig Erfahrung habe, weiß ich noch nicht so genau, in welche Richtung meine Arbeit ihn weiter entwickeln wird. Im Moment betreue ich den Blog so, wie ich es von Dir gelernt habe. Das System hat sich ja schließlich bewährt. Mit der Zeit werde ich aber bestimmt eigene Ideen entwickeln und einfließen lassen.

CL: Dann wünsche ich Dir viel Erfolg bei Deiner Arbeit und vor allem viel Spaß.

FP: Das wünsche ich Dir natürlich auch. Du wirst ja jetzt beim KuratoriumPfahlbauten angestellt als Beraterin für strategische PR. Was unterscheidet deine jetzige Tätigkeit von der Arbeit am Stiegenblog?

CL: Der Stiegenblog ist an sich ja ein einzelnes Kommunikationstool. Ich habe mit anderen Leuten gemeinsam erarbeitet, wie dieser aussehen soll und wie man ihn bedient. Was ich jetzt mache, ist die Entwicklung von Kommunikationsprogrammen, die ein bestimmtes Ziel verfolgen. Ich werde auch weiterhin einen Blog betreuen, den Pfahlbauten-Blog. Er ist in diesem Fall aber eben nur eines von vielen Werkzeugen.

FP: Was für Ziele verfolgen diese Kommunikationsprogramme?

CL: Beim Kuratorium Pfahlbauten ist die Kommunikation ein wesentliches Element des Denkmalschutzes. Wir wollen durch zielgerichtete Kommunkationsprogramme  die in den Seen verborgenen UNESCO-Welterbestätten der Pfahlbauten in die Lebensmitte der Menschen bringen. Es ist zum einen eine Forderung, die sich aus der UNESCO-Welterbekonvention ergibt, die vorsieht, dass Denkmäler nicht nur bewahrt und erklärt werden, sondern, dass sie eine Funktion im Hier und Jetzt haben. Außerdem ist der wirkungsvollste Denkmalschutz eine soziale Kontrolle durch die Menschen vor Ort.

FP: Was auf den Stiegenblog nicht zutrifft?

CL: Doch, auch beim Stiegenblog ging es darum, den Menschen vor Ort einen wirklichen Einblick in die Arbeiten der Archäologen zu ermöglichen. Es war allerdings ein einzelnes Instrument. In meiner neuen Funktion kann ich ganze Programme mit unterschiedlichen Werkzeugen nach Bedarf entwickeln. Dazu gehören zum Beispiel eine zeitnahe Information über Social Media, aber auch klassische Medienarbeit und eine direkte Zusammenarbeit mit den Menschen in der Umgebung in Citizen Science-Projekten, die wir gerade entwickeln.

FP: Zielgerichtete Kommunikation also…?

CL: Genau, wir versuchen damit, ganz bestimmte Ziele zu erreichen. Wir sehen unsere Aufgabe nicht nur darin zu informieren oder Wissen zu vermitteln, sondern wir wollen sehr viel mehr. Wir wollen die bestmögliche Arbeitssituation für unsere Forschungen, eine höchstmögliche Sicherheit für unsere Denkmäler und den größtmöglichen Nutzen für die Gesellschaft. Damit gehen wir ganz neue Wege, das gab es bislang so noch nicht im Denkmalschutz.

FP: Ist das nicht eine ziemlich gewagte Aussage?

CL: Doch schon, aber mit der besonderen Struktur des Kuratoriums Pfahlbauten ist das eben auch möglich. Die meisten der anderen österreichischen Welterbestätten werden anders verwaltet. Sie sind meist an Ämter und Behören angegliedert. Das KP aber ist ein Verein. Da steht keine große Organisation drüber, die in der Kommunikation ja sonst auch noch berücksichtigt werden müsste. Wir sind so ein bisschen die Outlaws der Archäologie dadurch und können eben auch Sachen entwickeln, für deren Entwicklung andere nicht die Ressourcen haben.

FP: Es klingt fast so, als würdest Du immer nur an Revoluzzer-Projekten arbeiten wollen, sobald sie sich etabliert haben, bist du weg. Könnte da was Wahres dran sein? 

CL: (Lacht) Ja vielleicht.

FP: Du hast ja den Stiegenblog mit aufgebaut, findest Du es schade, ihn jetzt abzugeben?

CL: Schon etwas, man bindet sich ja doch auch immer emotional an solche Projekte. Aber andererseits habe ich gemerkt, dass ich die Zeit nicht habe, das in der gleichen Qualität wie bisher fortzuführen. Und da ist es mir wichtiger, dass der Blog gut betreut wird.

FP: Was nimmst Du an Erfahrungen aus dem Projekt Stiegenblog mit?

CL: Was ich gerade bei der Zusammenarbeit mit vielen, immer neuen Autoren gelernt habe, ist, dass es für diese oft wichtig ist, Änderungen am Text nachvollziehen zu können und erklärt zu bekommen.
Das liegt vor allem auch an dem Format eines Blogs. Ich halte die Leute dazu an, in persönlichem Stil zu schreiben und dann pfusche ich ihnen in den Text. Das ist für viele anfangs nicht leicht zu verstehen. Darum habe ich mit der Zeit ein System entwickelt, wie ich diese Änderungen transparent machen kann und dabei auch gemerkt, dass ich viel weniger verändere, wenn ich alles begründen muss.  Das hilft sehr dabei, dass der persönliche Stil der Autoren gewahrt bleibt.

FP: Dann danke und alles Gute für deine weiteren Projekte. Bestimmt ergibt sich bald wieder die eine oder andere Zusammenarbeit.


Die Redakteurinnen Carmen Löw und Fiona Poppenwimmer (Bilder: A.W. Rausch und A. Öcsi)



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