Donnerstag, 24. März 2016

Es werde Licht - Die Leuchtspäne aus dem Hallstätter Salzbergwerk

Abbrennversuch der Leuchtspäne
aus dem Bergwerk Hallstatt
(Bild: A.W. Rausch)
Im Bergwerk von Hallstatt finden sich Milliarden von abgebrannten Leuchtspänen im Betriebsabfall der prähistorischen Bergwerke.
Durch diesen Betriebsabfall schrämen wir unsere Ausgrabungsstollen. Das abgebaute Material bringen wir an die Oberfläche und schlämmen es, so dass die Leuchtspäne, die gebrochenen Werkzeugteile, die Fell- und Lederstücke und die Textilien freigespült werden. Anke Bacher, zuständig für die Bearbeitung der Funde aus dem Bergwerk, hat in den letzten Jahren viele tausend abgebrannte Leuchtspäne fein säuberlich gereinigt und anschließend getrocknet.

Aber warum nehmen wir tausende Späne mit nach Wien und lagern sie im  Depot des Naturhistorischen Museums – einer sieht auf den ersten Blick wie der andere aus. Zum einen wollen wir wissen aus welchem Holz und aus welchem Baumteil die Späne gespalten sind. Die Kollegen von der Universität für Bodenkultur, Institut für Holztechnologie und nachwachsende Rohstoffe, untersuchen die Späne: fast alle sind aus Tannenholz gefertigt und aus astfreien Stammteilen gespalten. 

Dass die Späne aus Tannenholz gemacht wurden, ist interessant, da dieses Holz harzfrei ist und dadurch nur schlecht brennt. Wir wollten wissen, wie man sie trotzdem zum Brennen bringen kann. Felix Köstelbauer, Daniel Ballner und Hannes Schiel haben sich in ihren Bachelorarbeiten mit dem Abbrennverhalten von Tannenspänen auseinander gesetzt. Gerald Raab und Josef Weichenberger haben zum Teil umfangreiche Versuchsreihen diesbezüglich angestellt. Die Ergebnisse ihrer Arbeiten werden wir zum Teil gesondert vorstellen.

Leuchtspanschicht in einem Forschungsstollen
im Hallstätter Salzberg (Bild: A.W. Rausch)
Neben diesen rein praktischen Fragen wollen wir auch den Verbrauch quantifizieren. In Kooperation mit der Technischen Universität, Institute for Analyses and Scientific Computing, berechnen wir die Anzahl der Leuchtspäne, die für die Arbeit im Bergwerk notwendig war. Dazu nehmen wir immer wieder große Stichproben aus dem Betriebsabfall und zählen (aus genormten Mengen davon) alle darin enthaltenen Späne. Diese Werte dienen uns als Basis um auf den Tagesbedarf an Spänen rückschließen zu können.

Abgesehen davon gibt es noch einen weiteren Grund warum wir uns gerade intensiv mit den Spänen beschäftigen. In der älteren Eisenzeit sind im Betriebsabfall deutliche Ablagerungsschichten erkennbar. Mit Hilfe der Dendrochronologie wollen wir die einzelnen Schichten so genau wie möglich datieren. Nun durchforsten wir tausende Späne, um möglichst viele davon mit ausreichend Jahrringen für die Datierung zur Verfügung zu haben. Sind diese Arbeiten einmal abgeschlossen, wird die Salinen Austria AG ein Betrieb sein, der seine Jahrtausende lange Firmengeschichte zum Teil jahrgenau schreiben kann.

Heute sind die Stollen, durch die die Besucher der Salzwelten Hallstatt zur neuen Schaustelle der Stiege gehen, elektrisch beleuchtet und wir Archäologen arbeiten mit LED-Helmlampen. Wir können uns nur schwer vorstellen, wie das mit schwachem Leuchtspanlicht war.
Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man aber auch mit viel weniger Licht auskommt, als mit den neuen LED-Lampen, die wir bei der Arbeit am Kopf tragen. Vor 25 Jahren haben wir zum Teil noch mit Karbidlampen gearbeitet – und es war kein Problem. Wenn man nicht weiß, dass man in wenigen Jahren mit über 1000 Lumen hellen Hightech-Lampen unterwegs sein wird, stört einen auch nicht das, im Vergleich dazu, wirklich schwache Licht. Heute möchte ich aber nicht mehr zurück und im Schein der Karbidlampe arbeiten müssen. 
 (von Hans Reschreiter)

Aussuchen von Leuchtspänen für die Datierung im Naturhistorischen Museum Wien
(Bild: H. Reschreiter)

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