Donnerstag, 14. Januar 2016

Es zieht - Eine Seilwinde im Hallstätter Bergwerk?

Die Haspel im Versuch
(Bild: H. Reschreiter - NHM)
Heute möchte ich euch gerne einen Teilbereich meiner Bachelorarbeit vorstellen, in dem die verschiedenen Möglichkeiten des Materialtransports mithilfe eines Seils besprochen werden. Im Hallstätter Salzberg ist einer der wenigen Hinweise darauf ein 4 cm dickes Lindenbastseil aus dem bronzezeitlichen Christian von Tusch Werk. Vorherige Blogeinträge wie Bast so!- Der Film oder Bast so! - Auf Biegen und Brechen in der TU Chemnitz  befassen sich näher mit dem Seil und dessen Nachbau. 

Eine meiner Überlegungen, wie man das Seil benutzt haben könnte, ist die Verwendung einer Seilwinde, auch Haspel genannt. Natürlich wollte ich wissen, wie gut so etwas funktioniert und baute deshalb zwei verschieden große Haspeln nach. Da ein entsprechender Fund aus Hallstatt fehlte, nahm ich als Vorlage ein Bruchstück einer Haspel vom mittelbronzezeitlichen Kupferbergbau im Mitterberg. Eine elektronische Federwaage diente mir als Messgerät für den erforderlichen Kraftaufwand.

Mit der ersten kleineren Seilwinde, die ich baute, konnte ich meine Versuche direkt im Berg, über einem kleinen Schacht, durchführen. Als Gewicht nahm ich einen 50 Liter fassenden Kanister. Ich zog diesen immer mehrere Male hoch und runter, der Kraftaufwand wurde währenddessen von der Waage abgelesen. Und siehe da, beim Hochziehen spart man sich bis zu mehr als 60% des Gewichts und beim Runterlassen sogar mehr 85%. Wenn man Lasten von mehreren hundert Kilogramm befördern muss, macht das schon einen gewaltigen Unterschied.

Auch auf der Stiege funktionierts
(Bild. H. Reschreiter - NHM)
Einige Monate später überlegte ich mir, wo und wie die Haspel für eine effiziente Nutzung in der Abbauhalle aufgestellt worden sein könnte. Da fielen mir an der Stiege zwei senkrechte rechteckige Löcher auf, eines auf der linken und eines auf der rechten Stiegenwange jeweils auf gleicher Höhe. Tja, warum eigentlich nicht, dachte ich mir. Die Stiege befand sich ja direkt vor dem nächsten Schacht und eine zeitweilige Benutzung konnte ich mir durchaus vorstellen.

Also dimensionierte ich die zweite Haspel etwas größer, damit sie auf die Stiege passte und bastelte dazu auch noch passende Haspelsäulen als Lager für die Zapfen. An der Rekonstruktion der Stiege arbeitete ich die Löcher in die Wangen ein. Stiege aufgestellt, Haspel rauf, Seil dazu und schon ging´s los. Zu meiner Freude funktionierte diese Methode gar nicht mal so schlecht. Kleinere Probleme konnten nach ein paar Versuchen ausgemerzt werden.

Erfreulicherweise wurde letztendlich sogar eine Seilwinde, als eine mehrerer verschiedener Seilzugmethoden, in das neue bronzezeitliche Lebensbild aufgenommen.

(von Christian Seisenbacher)

Das neue bronzezeitliche Lebensbild mit der Haspel im Vordergrund
(Bild: D. Groebner - H. Reschreiter - NHM Wien)

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