Donnerstag, 3. September 2015

Zu Besuch bei den Römern

Gerald Grabherr führte über seine
Grabungsfläche. (Bild: H. Reschreiter -
NHM Wien)
Heute waren unsere beiden in Hallstatt derzeit tätigen Grabungsteams, das Team Bergwerk und das Team der archäologischen Baubegleitung, zum Tag der offenen Tür bei den Kolleginnen und Kollegen der Römergrabung eingeladen.

Neben dem Bürgermeister von Hallstatt, Alexander Scheutz, den Gemeinderatsmitgliedern und dem Musealverein Hallstatt ließen es sich auch Interessierte aus der Gemeinde nicht nehmen, selbst einen Blick in die römische Vergangenheit ihres Heimatortes zu werfen.

Der Standortleiter der Salzwelten in Hallstatt und Altaussee, Kurt Reiter, hielt eine einführende Rede. Er betonte, dass der zeitgerechten Abschluss der Grabungsarbeiten, der auch durch die gute Zusammenarbeit zwischen Saline und Salzwelten ermöglicht wurde, es gestattet, mit den Bauarbeiten für den neuen Shop der Salzwelten wie geplant in einer Woche zu beginnen. Die frühzeitige Einbindung der Archäologie in die Bauplanung hat sich bewährt.


Zu den Funden der Grabung zählt auch Mörtel,
wie er häufig für römische Bäder verwendet
wurde. (Bild: H. Reschreiter - NHM Wien)
Anschließend führte der Grabungsleiter Gerald Grabherr von der Universität
Innsbruck über die Grabungsfläche und erläuterte die guten Ergebnisse, die er und sein Team, das aus Studentinnen und Studenten der Universität Innsbruck und aus Archäologen des Oberösterreichischen Landesmuseum in Linz bestand, erreicht haben. Gerald Grabherr wies auf die Bedeutung der römerzeitlichen Siedlung in Hallstatt hin. Sie ist ein wichtiger, unverzichtbarer Bestandteil der 7000-jährigen Industriegeschichte des inneren Salzkammergutes. Leider ist sie bislang erst wenig erforscht.

Über das römerzeitliche Hallstatt weiß man bereits, dass die Siedlung recht groß und sehr qualitätvoll ausgestattet war. Es wird vermutet, dass dort hohe Verwaltungsbeamte lebten. Funde von feinem, römischem Tafelgeschirr, polychrome Wandmalerei-Fragmente und Reste von Fußbodenheizungen belegen den hohen Wert der Ausstattung.

Auch Mörtelfragmente kamen zu Tage, die jene, für römische Bäder und Thermenanlagen typische Ziegelsplitt-Beimischung aufweisen. Diese Funde machen es sehr wahrscheinlich, dass es auch im römerzeitlichen Hallstatt zumindest ein römisches Bad gegeben hat.

Wer keine Gelegenheit hatte, einen Blick auf die Grabung zu werfen, kann sich trösten: Es ist angedacht einen Teil der römerzeitlichen Mauern im späteren Shopbereich sichtbar zu lassen.



(Von Hans Reschreiter & Carmen Löw)

Scherben von feinem Tafelgeschirr und Fragmente von Wandmalerei belegen das hohe Ausstattungsniveau von Gebäuden der römerzeitlichen Siedlung. (Bild: H. Reschreiter - NHM Wien)

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