Donnerstag, 17. September 2015

Eduard und das Waldbuch

Eduard Wexberg hatte viel zu tun bei
Archäologie am Berg 2015.
(Bild: F. Köstelbauer - NHM Wien)
Bei Archäologie am Berg 2015 hat Eduard Wexberg, ein ehrenamtlicher Mitarbeiter in der Prähistorischen Abteilung des Naturhistorischen Museums Wien, ein über 200 Jahre altes Buch vorgestellt, das wir unseren Leserinnen und Lesern nicht vorenthalten wollen. 

Das Buch lag ihm in einer 1:1 Kopie vor, das Original befindet sich im Welterbemuseum Hallstatt. Die Berechnung der Holzmengen war für das Unternehmen so wichtig, dass es einen professionellen Schreiber damit beauftragt hat, sämtliche im Einzugsbereich des Betriebes liegenden Waldungen und deren Besitzer zu erfassen und so den genauen Bestand an Holz in Relation zum Zustand des Bodens zu erheben.

Das Waldbuch, dessen Verfasser bis jetzt unbekannt ist, dokumentiert den Holzbedarf der Saline über 150 Jahre, bis zum Jahr 1947. Begonnen wurde es im Jahr 1798. Die Orte wurden darin durch eine Ziffernkombination codiert, die in den beigefügten Karten des Waldbuches rot vermerkt wurde. Da nur wenige Lokalisierungen aus den Tabellen des Buches tatsächlich in die Karten eingetragen wurden, geht Eduard davon aus, dass es  möglicherweise mehrere Exemplare des Werkes gegeben haben dürfte und beim Binden der verschiedenen Bücher ein Fehler passiert ist. Die Karten aus dem uns vorliegenden Band weisen nämlich nur zu einem kleinen Teil Ortscodierungen auf, während der überwiegende Teil diese vermissen lässt.

Für die Menschen aus Hallstatt und Umgebung war das Waldbuch bei "Archäologie am Berg" natürlich besonders interessant, weil darin die Besitzer der Waldungen verzeichnet sind, zu denen viele noch heute familiäre Bindungen haben. Auch die alten Flurbezeichnungen waren spannend zu lesen, denn sie sagen viel über die Geschichte des Ortes Hallstatt aus, eine Tatsache die sich heute - auch aufgrund der sprachlichen Weiterentwicklungen - oft nicht mehr ganz so leicht nachvollziehen lässt.

Die Veränderungen der Sprache und der Schreibweise stellen Eduard immer wieder vor neue Herausforderungen, wenn er Texte transkribiert, die in Kurrentschrift verfasst sind und auch noch oft lateinische Wörter oder Abkürzungen enthalten. Als Kurrentschrift (von lat. currere = laufen), bezeichnet man die allgemeine Schreibschrift, die im deutschen Sprachraum während der gesamten Neuzeit mindestens bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts genutzt wurde. Diese Schrift zu lesen war nicht nur Eduards frühes Interesse, sondern auch Teil seiner Ausbildung an der Höheren Abteilung für Reproduktionstechnik und Druckverfahren an der "Graphischen", der Höheren Graphischen Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt in Wien, die er - mittlerweile Dipl-HTL-Ing - abgeschlossen hat. Die Hallstatt-Forschung freut sich über diese speziellen Kompetenzen und Fähigkeiten, die Eduard Wexberg ihr - hoffentlich noch lange - zur Verfügung stellt.

(Von Carmen Löw)

Im Waldbuch sind die Wälder und deren Besitzer im Einzugsbereich der Saline über einen Zeitraum von 150 Jahren verzeichnet. (Bild: Welterbemuseum Hallstatt - NHM Wien)

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