Donnerstag, 11. Juni 2015

Eröffnungsfeier Bronzezeit-Kino - Das lebendige Lebensbild



Für die Einfahrt in den Berg war die Kleidung
ein wenig kühl. (Bild: C. Löw- NHM)
Seit Jahren arbeiten wir zur Veranschaulichung unserer Forschungsergebnisse mit bronzezeitlichen Lebensbildern – und plötzlich sind wir selbst eines. An einem sonnigen Freitag Ende Mai, kommen PolitikerInnen, WissenschaftlerInnen, interessierte Laien und die MitarbeiterInnen der Salinen Austria und der Salzwelten zusammen, zur  Eröffnung der neuen Stiegenschaustelle und des Bronzezeit-Kinos in Hallstatt. Unter den Leuten tummeln sich sechs merkwürdig gekleidete Gestalten die einem Film entsprungen zu sein scheinen, den die Gäste erst in Kürze sehen werden. Die beiden Kinder Udlo und Eri, sowie vier erwachsene MinenarbeiterInnen, dargestellt von dem Mitgliedern des Grabungsteams Mara Koppitsch, Fiona Poppenwimmer, Christian Seisenbacher und Daniel Brandner, präsentieren den Leuten, wie so eine bronzezeitliche Sippe aus Hallstatt ausgesehen haben könnte. 
Die bronzezeitliche Familie war auch im
Bronzezeit-Kino ein beliebtes Fotomotiv.
(Bild: C. Löw - NHM)

Sowohl Werkzeug, als auch die Gewänder sind Originalfunden nachempfunden. Ein großer Dank geht an unsere Expertin für Textilarchäologie Karina Grömer, die uns Ihre selbst hergestellten Gewänder zur Verfügung gestellt hat. Anfangs waren wir skeptisch, ob die leinenen und wollenen Gewänder für die niedrigen Temperaturen im Berg wirklich ausreichen würden. Doch bis auf die luftige Einfahrt mit der Lok, hat sich die Kleidung als absolut bergtauglich erwiesen und hielt uns doch ausreichend warm. Gewöhnen mussten wir uns trotzdem erst an das Gewand, da es doch an manchen Stellen zog, rutschte oder kratzte.


Eine spannende Frage, die wir uns schon länger stellen, ist die Qualität und der Tragekomfort urgeschichtlicher Schuhe. Da uns aus der Bronzezeit diesbezüglich noch kein Schuhwerk bekannt ist, griffen wir für unsere Darstellung - und zur Schonung unserer modern verwöhnten Füße - auf Rekonstuktionen eisenzeitlicher Schuhfunde aus Hallstatt und Hallein zurück. Die gesamt Sippe ist sich auf jeden Fall einig, dass diese den Test auf Bequemlichkeit und Bergtauglichkeit mehr als bestanden haben.

Mit vollem Einsatz legten die beiden Männer sogar ihre Brillen ab, um authentisch bronzezeitlich auszusehen und tappten so halb blind, aber tapfer lächelnd, durch das Hochtal. Doch natürlich waren wir für mehr gut, als nur zur Dekoration und als Tester bronzezeitlicher Gewandung. So standen wir auch für Smalltalk und hoffentlich informative Gespräche über Hallstatt, Archäologie, die Stiege und alles was dazugehört zur Verfügung. Auch weil wir Bezeichnungen wie „Keltensippe“ und „Steinzeitfrauen“ nicht auf uns sitzen lassen konnten…
Für uns war es jedenfalls ein großer Spaß und eine interessante Erfahrung, die wir hoffentlich bald auch auf experimenteller Basis wiederholen können. 

 (von Fiona Poppenwimmer und Christian Seisenbacher)

Die "Sippe" auf ihrem Weg durch das Hallstätter Salzbergtal. (Bild: F. Frühauf - SALZWELTEN)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen