Donnerstag, 28. Mai 2015

Und so hat alles angefangen - Ein Blogpost von F. E. Barth

Das Protokoll, durch welches Margarita
Pertlwieser und Eckart Barth auf
die Fundstelle gestoßen sind.
(Bild: Kammergutvisitation 1748,
OberösterreichischesLandesarchiv
Linz, Salzoberamtsarchiv Gmunden,
Aktenschachtel 134, Folio 204)
Anlässlich der Eröffnungsfeier der neuen Stiegenkammer in den Salzwelten Hallstatt heute ein ganz besonderer Post: Fritz Eckart Barth, der fast 40 Jahre lang mit den Grabungen im Salzbergwerk Hallstatt befasst war, berichtet über den Beginn der Grabungen im Christian von Tuschwerk, in dem im Jahr 2003 die bronzezeitliche Stiege entdeckt wurde. (Red.) 

Im Jahre 1981 wurde damit begonnen, das im OÖ Landesarchiv in Linz vorhandene Archivmaterial bezüglich des Salzbergwerkes Hallstatt nach Erwähnungen von prähistorischen Bergbauspuren durchzusehen. Dabei hat sich der damalige „Gute Geist“ des Archives, Frau Margarita Pertlwieser, durch Sachkenntnis, Spürsinn und Ausdauer große Verdienste erworben. Ihr ist es zu danken, dass eine bei Schraml 1932 ohne Quellen- und genaue Ortsangabe genannte Fundstelle lokalisiert werden konnte. 

Die Erwähnung befindet sich in der Kammergutvisitation des Jahres 1748, in der das ganze  damalige Bergwerk Schritt für Schritt beschrieben wird, und sie lautet: „Weither Von alda Obiger Schachtricht noch hinein 40 Stäbl wahrr Vor deme Rechter seithen Zu den and[er]ten Kherrn Verwässer Schöpffbau Ein Gruebofen 25 Stäbl lang außgefang[e]n worden. Da mann aber Alda in ein uraltes Gebäu komben, wo das bösste Kherrn Werch hierordts und Schaidten Spann und der gleichen Unrats zu sehen warr, hat mann Solches widerumben Verlassen.“ 

Das erste Foto nach der Wiedereröffnung
der Stelle 1991 (Bild: S. Hemetsberger)
Aufgrund dieser Angaben war es möglich die Stelle genau zu ermitteln. Sie war von besonderem Interesse, weil von einem alten Gebäu die Rede ist. Wenn Bergleute von einem Grubengebäude sprechen, meinen sie das ganze System von Stollen, Schächten und Abbauorten. Daher wurde die Hoffnung geweckt, es könnte sich um einen noch offenen Grubenteil handeln. 

Allerdings gab es in der Salinenverwaltung Hallstatt selbst keinerlei weitere Hinweise, der Grubenoffen war auch in keiner Karte eingezeichnet. Deshalb wurden noch im gleichen Jahr an der angegebenen Stelle die Verlegbretter zwischen zwei Stempeln entfernt und festgestellt, dass sich dahinter tatsächlich ein Stollenanfang 
befindet, der noch 6,20 m schliefbar war.

Im Jahre 1990 wurde die Stelle in das Forschungsprogramm der Prähistorischen Abteilung des Naturhistorischen Museums in Wien aufgenommen und damit begonnen die Strecke auszuräumen bzw. neu aufzufahren. Der Stollen war nämlich nicht verbrochen, sondern allmählich zugewachsen, so dass er nur mehr an den Resten einer Spurnagelbahn an der Sohle zu erkennen war. 

Der erste Teil der Fundstelle mit dem
noch teilweise offenen barocken Stollen.
(Bild: F. E. Barth)
Am 25.9.1991 wurde nach einer Streckenlänge von 18 m das Heidengebirge erreicht. Die entsprechende Eintragung im Grabungstagebuch lautet: „Um 7 Uhr kommt Bergarbeiter Gerhard Hubner zur Hütte und meldet, dass das Heidengebrige erreicht ist. Ich gehe mit hinein. Durch das Loch sieht man in die alte Strecke einige Meter hinein. Zur Hälfte voll mit Sole. Beide Ulmen, aber besonders links ein ganzer Wald von Spänen.“

Die Hoffnungen auf einen noch offenen Grubenteil aus prähistorischer Zeit haben sich damals im Tuschwerk zwar nicht erfüllt, dennoch hat sich die Fundstelle aus vielerlei Gründen als besonders aufschlussreich erwiesen. Die bis heute fortgesetzten Grabungen haben unter anderem zum Fund unserer Stiege geführt. 

(Von Fritz Eckart Barth) 

Einer der ersten Eindrücke der Fundstelle mit dem Seil. (Bild: F. E. Barth)

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