Donnerstag, 2. April 2015

Von Zeiten und Welten - Das neue Lebensbild der Bronzezeit

Lebensbild zum bronzezeitlichen Bergbau von
2008 (Bild: D. Groebner - H. Reschreiter -
NHM Wien)
Eine der ersten Skizzen zum neuen Lebensbild
des bronzezeitlichen Bergbaus von 2015
(Bild: D. Groebner - H. Reschreiter - NHM Wien)
Es ist eine Kunst, wissenschaftliche Forschung zugleich allgemeinverständlich, inhaltlich korrekt und noch dazu in ansprechender Weise zu vermitteln. Das gilt im Besonderen für die Erkenntnisse rund um den Bergbau im prähistorischen Hallstatt, denn den meisten Menschen ist ja nicht nur die prähistorische Welt nicht vertraut, sondern auch die Welt unter Tage. 

Daher arbeitet die Hallstatt-Forschung mit Lebensbildern, die der klassische Maler Dominic Groebner anfertigt. Diese Zeichnungen ermöglichen es, den aktuellen Kenntnisstand auf anschauliche Weise sowohl Laien als auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus anderen Disziplinen zu vermitteln. Scenomedia dienen sie als Grundlage für die 3D-Animationen, die zukünftig im Bronzezeit-Kino der Salzwelten Hallstatt zu sehen sein werden.

Die Hallstatt-Forschung nutzt die Lebensbilder als gezeichnete wissenschaftliche Modelle. Sie versucht deshalb möglichst alle bekannten Bereiche des Lebens und Arbeitens im prähistorischen Bergbau zu zeigen. Daher müssen auch oft noch ungesicherte Hypothesen dargestellt werden. Da ständig neue Erkenntnisse hinzugewonnen werden und diese auch ständig verfeinert werden, werden die Lebensbilder regelmäßig aktualisiert. Nach dem Abschluss des Forschungsprojektes „Holz für Salz“ aus der Reihe Sparkling Science musste das Lebensbild zum bronzezeitlichen Bergbau überarbeitet werden.

Dass es im bronzezeitlichen Bergbau einen arbeitsteiligen Ablauf gegeben haben dürfte, ist schon länger bekannt. Systematische Tests des rekonstruierten Arbeitsablaufes mit experimentalarchäologischen Methoden haben aber inzwischen gezeigt, dass dieser anders gewesen sein muss, als es im letzten Lebensbild gezeichnet wurde.

Nach den neuesten Erkenntnissen scheint es unter den Bergleuten keine spezialisierten Gruppen gegeben zu haben, die ausschließlich mit dem Pickeln oder mit dem Transportieren des Salzes befasst waren. Wahrscheinlicher ist, dass der Großteil der Bergleute gemeinsam über mehrere Tage hinweg kleinstückiges Salz abgebaut hat, welches dann anschließend in einer gemeinsamen Sammel-, Sortier- und Transportaktion an die Oberfläche geschafft wurde.

Die zu unterschiedlichen Zeiten stattfindenden Prozesse wurden im neuen Lebensbild auf die beiden Bildhälften aufgeteilt. Der Abbauprozess ist rechts im Bild zu sehen, während dort die Fördergeräte ruhen. Der Sammel- und Sortierprozess ist in der linken Bildhälfte dargestellt. Im Bild sind nun außerdem auch Arbeiten dargestellt, die zu den Infrastruktur- und Erhaltungsmaßnahmen zählen. Dabei handelt es sich z. B. um die Reparatur und Reinigung der Stiege, die Reparatur der Werkzeuge usw. 


(Von Hans Reschreiter und Carmen Löw) 

Das neue Lebensbild zum bronzezeitlichen Bergbau wird voraussichtlich im Mai 2015 fertig sein. (Bild: D. Groebner - H. Reschreiter - NHM Wien)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen