Donnerstag, 12. Februar 2015

Wange an Wange - Überlegungen beim Stiegenaufbau



Modell und Original
(Foto: NHM - A. Rausch)
Heute ist der erste große Teil unserer Arbeit in der neuen Schaustelle der Salzwelten Hallstatt geschafft: Die beiden Wangen liegen an ihrer Position. Das hört sich viel simpler an als es ist, denn sie dorthin zu bringen, bedurfte vieler Überlegungen. 

Grundsätzlich klingt das Vorhaben ja einfach: Eine durchdachte Konstruktion an einem Ort ab- und an einem anderen wieder aufbauen. Doch wie so oft in der Archäologie spielen die Fundumstände und der damit zusammenhängende Erhaltungszustand eine entscheidende Rolle. 

Die grundsätzliche Problematik bei der Ausstellung eines derartig komplexen und einzigartigen Fundstückes ist es, den optimalen Weg zwischen wissenschaftlich korrekter und öffentlichkeitswirksamer Präsentation sowie konservatorisch vertretbaren Maßnahmen zu finden.
 
Die Stiege in ihrem Fundort im Tuschwerk des
Hallstätter Salzberges (Foto: NHM - A. Rausch)
In Fall der bronzezeitlichen Stiege aus Hallstatt sind viele der Hölzer durch ihre Lagerung im Berg mechanisch beansprucht. Der langsame und kontinuierliche Druck der im Salzberg auf das gesamte Gebirge wirkt, hatte natürlich auch Einfluss auf die Stiege. Zahlreiche Teile sind verbogen, verdreht oder gebrochen, wodurch ein einfaches Zusammensetzen der Konstruktion oft nicht möglich ist. Häufig müssen wir deshalb die Entscheidung treffen, ob wir versuchen, den Zustand zur Zeit der Verwendung der Stiege oder den Zustand zur Zeit der Auffindung zu rekonstruieren. Das ist nicht zuletzt deshalb schwierig, weil es "den einen" Auffindungszustand nicht gibt: Von der ersten Entdeckung bis zur Bergung war die Stiege dem Druck im Berg ausgesetzt, wodurch sich die Hölzer verbogen. Nach dem Abbau entspannten sich viele der Hölzer und veränderten dadurch geringfügig ihre Form. 

Wie geht man also mit dieser Ausgangssituation um? Kurz gesagt, mit viel Grübelei und Diskussionen. Denn für dieses Vorhaben gibt es weder einen Präzedenzfall noch vergleichbare Projekte oder allgemeingültige Lösungen. Wie so oft in der Hallstatt-Forschung gilt es, einen individuellen Weg zu finden. Wir müssen täglich Stück für Stück entscheiden, welcher Aspekt für uns bei den einzelnen Teilen im Vordergrund steht. An wichtigsten aber ist uns natürlich das Objekt selbst. Was wir an erster Stelle vermeiden wollen, sind neue Beschädigungen oder übermäßige Beanspruchung. Immerhin sollen alle Stücke auch weiterhin für spätere Untersuchungen im optimalen Zustand erhalten werden.

Besonders beim Zusammensetzen der Stiegenwangen waren wir mit all diesen verschiedenen Grundsatzfragen konfrontiert. Immerhin ist damit der gesamte „Rahmen“ für unsere weiteren Vorhaben vorgegeben. Und dementsprechend grundsätzlich fielen auch unsere ausgiebigen Diskussionen aus, bis die endgültige Position aller Bestandteile feststand und schließlich beide Wangen nebeneinander zu liegen kamen – und das zu unserer Zufriedenheit. Inwieweit sich unsere Lösungen bewähren, wird sich zeigen. 

(von Daniel Brandner, Fiona Poppenwimmer und Andreas Rausch)

An allen Ecken und Enden wird gegrübelt
(Foto: NHM - A. Rausch)


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