Montag, 18. August 2014

Von „Spongebob“ und verschüttetem Salz

Man muss sich folgendes Szenario vorstellen: Ein Geologe, ein Kulturtechniker und mehrere Archäologen des Naturhistorischen Museums Wien, alle renommiert und echte Spezialisten auf ihrem Gebiet und zwei Studenten der Kulturtechnik, stehen am Salzberg in Hallstatt im strömenden Regen. Schlammverschmiert am ganzen Körper, Grubenlampen am Kopf und gefühlte 100kg „Gatsch“ (Probenmaterial) am Rücken. Und dennoch sind sie glücklich auch noch über die Zusammensetzung dieser Proben diskutieren zu dürfen. So oder so ähnlich müssen uns die zahlreichen asiatischen Touristen am Weg ins Schaubergwerk der Salzwelten wahrgenommen haben. 

Eigentlich begann unsere Arbeit
aber mit dem ausschweifenden Titel „Rekonstruktion einer bronzezeitlichen Massenbewegung im Hallstätter Bergbau“ an der Universität für Bodenkultur in Wien, wo es in unserem Fall sowohl um die mögliche Herkunft und auch die Ursache und die Geschwindigkeit des Einsturzprozesses, als auch um die Bestimmung der Einzelbestandteile der Rutschmasse mit Hilfe von geologische und geotechnische Verfahren ging. Ziel war es, Aufschluss über die damaligen Vorgänge in Hallstatt und die Hallstattkultur zu erhalten.

Zentraler Bestandteil unserer Überlegungen war ein (Gedanken-)Modell, wie dieser Einsturzvorgang vorangegangen sein könnte. Das bisherige Gedankenmodell geht davon aus, dass Oberflächenmaterial direkt als Rutschmasse in das Bergwerksinnere eingedrungen ist. Diese Annahme wird auch durch Funde von Schotter und Kalkstein sowie von konservierten Pflanzenresten gestützt. Dadurch müsste sich auch sogenanntes ausgelaugtes Haselgebirge (mit niedrigem Salzgehalt) in der Rutschmasse auffinden lassen, was uns im Zuge unserer Untersuchung aber nicht zu beweisen gelang. Aus der (Erklärungs-)Not heraus mussten wir also kreativ werden und uns ein neues Einsturzmodell ersinnen. 


Wie so oft im Leben wenn man sich nicht entscheiden kann, trifft man einen Kompromiss und so findet bei unserem neuen Modell eine Art Teilvermischung von äußerem (und dadurch ausgelaugtem) mit innerem (also originärem) Material statt. Brancheninsider wissen, dass die Fließgrenze unseres tonreichen Bodens von dem vorhandenen Wassergehalt abhängt, das heißt, damit eine Rutschung ausgelöst werden kann, muss ein Wassergehalt von ungefähr 40% überschritten werden. Damit also die angesprochene Vermischung, wie sie auch immer im Detail aussehen mag, stattfinden kann, muss die Rutschmasse sehr feucht gewesen sein. Bei der anfangs beschriebenen Probenahme wurden aber bei Weitem niedrigere Wassergehalte gemessen, wodurch sich die Frage aufdrängt: was bei Teutates kann mit dem Wasser passiert sein?

Und so schließt sich der Spannungsbogen: Eine Idee, von uns liebevoll „Spongebob-Schwammkopf-Theorie“ genannt, erklärt den Wasserverlust durch eine Art Auspressung. Entweder als Folge von nachrutschendem Material oder durch das schraubstockartige Schließungsverhalten des Gebirgsstockes, dem die „historisch älteste Stiege der Welt“ beinahe zum Opfer gefallen wäre.
Andererseits könnte es auch bis jetzt unerforschte Sammelräume mit einem deutlich höheren Wassergehalt geben. 


Eher unwahrscheinlich aber dennoch in Gedankenreichweite und nicht völlig ausschließbar ist, dass das Salzgebirge mit seinen Tonschichten bei Weitem nicht so undurchdringbar für Wasser ist, wie angenommen. Mit solch einer Aussage widersetzt man sich jedoch gekonnt der gängigen Lehrmeinung.


(Von Stephan Paier und Peter Swoboda)

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