Dienstag, 21. Januar 2014

Eine Stiege mit Haut und Haaren

Freilegen der Holzoberfläche, ©NHM - A. Rausch
2013 wurde mit dem Abbau der Einzelteile der Stiege im Salzberg von Hallstatt begonnen, nachdem sie genau vermessen, fotografiert und gescannt worden war. Auch die Einzelteile wurden exakt dokumentiert, Fotos von allen Seiten gemacht und zum Teil wurde auch die Oberfläche der Hölzer freigelegt – außer auf der Oberseite, dort wo die prähistorischen Bergleute aufgetreten sind und ihren Dreck fallen gelassen haben.

Für die Archäologie ist der, bei der Verwendung der Stiege entstandene Dreck besonders wichtig, denn in diesen Sedimentschichten können sich besonders interessante Spuren von den prähistorischen Bergleuten und ihrer Ausrüstung erhalten haben. Zum Beispiel Fasern und Haare, aber auch kleinste Hautschuppen und vielleicht auch Reste der Schweißperlen, die den schwitzenden Bergleuten von der Stirn getropft sind. Da in naher oder fernerer Zukunft sicher noch modernere Untersuchungsmethoden zu Verfügung stehen als heute, um derartige Spuren zu untersuchen, haben die Archäologen der Prähistorischen Abteilung des Naturhistorischen Museums Wien beschlossen, dass diese Schichten an Ort und Stelle erhalten bleiben sollen. Das war eine der besonderen Herausforderung bei der Freilegung vor der wir standen: diese Daten zu erhalten.


Doku des alten "Drecks" und der Hölzer 
©NHM - A. Rausch
Nach der Freilegung der Oberfläche - also der Holzenden und der Unterseiten - zeigten sich an den Hölzern verschiedene Bearbeitungs- und Benutzungsspuren, die Rückschlüsse auf ihre Herstellung und auf ihre Verwendung zulassen. 
Auch Zeichen, wie mit einem Beil eingehackte Dreiecke und Kerben konnten festgestellt werden. Wozu diese gedient haben und was sie bedeuten, wird unter anderem eine Frage zukünftiger Forschungen sein. 
Dafür wird die Oberfläche wieder detailliert fotografiert und gescannt und wenn die Stiege wieder aufgebaut ist, kann man trotzdem mit den Daten arbeiten und die Stiege zum Beispiel virtuell am Computer wiedererstehen lassen.
Stiegen-Auftritt mit Markierung ©NHM - A. Rausch
Wie geht es weiter? Alle Spuren auf den einzelnen Stiegenteilen sollen kartiert und diese mittels Computertomographie untersucht werden und dann einem konservatorischen Prozess unterlaufen, aber dazu werden sich Berufenere äußern.
So ist bis zum Wiederaufbau der Stiege noch einiges zu tun und wenn alles klappt, kann sie ab 2015 von Touristen aus aller Welt, die das schöne Salzkammergut bereisen, bei ihrem Besuch der Salzwelten im Hallstätter Salzbergwerk betrachtet und bewundert werden.

(Von Robert Fürhacker)

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