Mittwoch, 22. Januar 2014

Die Hallstatt-Forschung - Ein Werk von Vielen

Der Ort Hallstatt ist in der archäologischen Welt weit über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt. Das liegt vor allem an einem außergewöhnlich reichen Gräberfeld, das im Salzbergtal entdeckt wurde. Seit der Zeit um 1600 kennt man Funde aus Hallstatt, die – sehr zum Leidwesen der heutigen Forscher und Forscherinnen – gerne an bekannte Persönlichkeiten und natürlich auch an den österreichischen Kaiserhof verschenkt wurden.


Aquarellzeichnung aus der Grabungsdokumentation von G. Ramsauer ©NHM
Die erste systematische Untersuchung des Gräberfeldes leitete der Bergmeister Johann Georg Ramsauer, der zwischen 1846 und 1863 980 Gräber freilegen ließ. Ramsauer hielt seine Beobachtungen in zahlreichen Aquarellen, in Plänen und schriftlichen Aufzeichnungen fest. Dadurch blieben in Hallstatt viele Informationen erhalten, die an anderen Fundorten durch die ersten Versuche archäologischer Forschung für immer verloren gingen. Die innovative Dokumentation Ramsauers darf sicher als eine der weltweit besten archäologischen Dokumentation der Frühzeit unseres Faches gelten.
Nachdem Eduard von Sacken die Hallstätter Funde im Jahr 1868 erstmals umfassend publiziert hatte, sorgten sie für derart großes Aufsehen, dass der schwedische Archäologe Hans Hildebrand 1874 kurzerhand den Begriff „Hallstattkultur“ prägte. Seitdem ist Hallstatt namengebend für eine ganz bestimmte Zeit (etwa zwischen 800 und 400 v. Chr.) und einen ganz bestimmten Raum (von Nordostfrankreich bis ins nördliche Kroatien) in der internationalen archäologischen Forschung.
Der Verdienst Ramsauers um das archäologische Erbe von Hallstatt ist so groß, dass er häufig all die anderen vergessen lässt, die sich ebenfalls um den Fundort verdient gemacht haben. Ramsauers Mitarbeiter Isidor Engel ist hier zu nennen und Friedrich Morton natürlich, der mit Adolf Mahr im Jahr 1927 die ersten Grabungen im Bergwerk durchführte. Wie groß die Zahl der Hallstatt-Forscher und Forscherinnen genau ist, lässt sich kaum sagen, denn seit ihren Anfängen ist die Hallstatt-Forschung ein Werk Vieler. Das ist auch heute noch so und zu den Vielen, die gemeinsam versuchen, etwas über die Hallstätter der Vergangenheit zu erfahren gehören ArchäologInnen, Bergleute, HolzexpertInnen, IT-SpezialistInnen, AnthropologInnen, BotanikerInnen, ChemikerInnen, GeologInnen, FotografInnen, LuftbildexpertInnen, PhysikerInnen, ArchäometallographInnen, HeimatforscherInnen, ArchivarInnen und viele mehr.
                                                                                                                                             (Von Carmen Löw)




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